Mit dem Impact-Rechner der Deka sollten Anlegerinnen und Anleger unter anderem ausrechnen können, wie viel Wasser durch den Kauf von Fonds-Anteilen eingespart werden kann. / Foto: Pixabay

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Deka nimmt umstrittenen Impact-Rechner vom Netz

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hatte den Fondsanbieter Deka verklagt. Der Vorwurf: Ein sogenannter „Impact-Rechner“ auf der Deka-Website führe Anlegerinnen und Anleger in die Irre. Die Deka reagiert jetzt mit einem Gesprächsangebot, die Verbraucherzentrale will ihre Klage aber nicht zurückziehen.

Konkret geht es bei dem Streit um den Fonds Deka-Nachhaltigkeit Impact Aktien. Für diesen hatte die Fondsgesellschaft der Sparkassen bislang online einen Impact-Rechner installiert, mit dem Anlegerinnen und Anleger angeblich den „konkreten, messbar positiven ökologischen Effekt“ ihres Investments berechnen konnten (ECOreporter berichtete hier). Die Verbraucherzentrale kritisierte, die Ergebnisse des Impact-Rechners seien lediglich vage Schätzungen, worauf die Deka nicht transparent genug hinweise. Weil die Deka keine Unterlassungserklärung abgeben wollte, reichte die Verbraucherzentrale Klage beim Landgericht Frankfurt ein.

ECOreporter hatte die Deka um eine Stellungnahme gebeten und daraufhin ein Schreiben erhalten, in dem es unter anderem heißt: „Die Vorwürfe der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegen den (…) Impact-Rechner sind unbegründet, daher werden wir uns gegen die Klage juristisch wehren.“

„Wir wollen nicht streiten“

Jetzt schlägt die Deka einen anderen Kurs ein. In Twitter-Postings, auf die die Deka-Pressestelle ECOreporter telefonisch und per Mail hingewiesen hat, erklärt die Fondsgesellschaft: „Update zur eingereichten Klage (…) gegen unseren angeblich nicht ausreichend transparenten „Impact-Rechner“. Wir halten sie weiter für unbegründet. Vielleicht ist es aber einfach mal gut, miteinander und nicht übereinander zu reden, liebe @vzbawue. Zumindest wir wollen nicht streiten (…) Den Rechner haben wir vom Netz genommen. Jetzt ist es Zeit für Ihre Experten, nicht für die Juristen.  Wir freuen uns auf einen gemeinsamen Dialog, wie der Impact von Nachhaltigkeitsfonds aufgezeigt werden kann. (…) Gesprächseinladung gilt.“

Die Verbraucherzentrale äußerte sich dazu gegenüber dem Magazin Fonds Professionell: „Weil das Thema so wichtig ist, wollen wir die Fragen zulässiger Werbung für nachhaltige Geldanlage grundsätzlich klären, daher halten wir an unserer Klage fest. Es freut uns natürlich, dass die Klage Wirkung zeigt und die unserer Auffassung nach irreführende Werbung nun aus dem Netz ist. Neue Werbung schauen wir uns dann gerne wieder hinsichtlich ihres möglichen Täuschungspotenzials an."

Nach Einschätzung von ECOreporter ist das Grundproblem bei Impact-Rechnern (auch von anderen Fondsanbietern), dass durch den Kauf eines Aktienfonds erst einmal überhaupt keine nachhaltige Wirkung erzeugt wird. Das Geld, das Anlegerinnen und Anleger für ihre Fondsanteile bezahlen, landet nämlich nicht bei den jeweiligen Unternehmen, die damit etwa neue Umweltprojekte finanzieren könnten, sondern bei den Verkäufern der Fondsanteile, also meist anderen Investoren. Direkte nachhaltige Wirkung entsteht nur, wenn die Fonds sich an Neuemissionen oder Kapitalerhöhungen beteiligen. Oder wenn sie Unternehmen durch ihre Stimmabgabe auf Hauptversammlungen oder in Gesprächen zu mehr Umweltschutz drängen. Dieser Impact kann durchaus groß sein, er ist aber ein anderer als derjenige, den Impact-Rechner ausspucken.

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Einen Überblick über die Wertentwicklung nachhaltiger Fonds können Sie hier lesen.

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