Florian Hauer managt neben dem Kepler Ethik Aktienfonds auch den Kepler Öko Energienfonds sowie den Fonds Kepler Ethik Mix. / Foto: Kepler

29.07.19 Fonds / ETF

"Die Finanzbranche ist ein starker Hebel für mehr Nachhaltigkeit“ – Interview mit Florian Hauer

Die österreichische Fondsgesellschaft Kepler ist einer der Pioniere für nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum. Dr. Florian Hauer, der Manager des Kepler Ethik Aktienfonds, in den auch Privatanleger investieren können, erläutert im Interview, wie der Fonds seine Aktien auswählt. Er erklärt, warum er in den US-Technologiekonzern Apple investiert und worauf Anleger achten sollten, wenn sie ihr Geld mit sozial-ökologischen Kriterien anlegen möchten.

Der Kepler Ethik Aktienfonds ist einer der ältesten nachhaltig ausgerichteten Aktienfonds im deutschsprachigen Raum. Wie funktioniert sein Nachhaltigkeitsansatz?

Die Aktienauswahl für unseren Fonds erfolgt in mehreren Schritten. Unser Basis-Anlageuniversum besteht aus Unternehmen, die die nachhaltigsten in ihrer Branche sind und den sogenannten Prime Status der Nachhaltigkeitsrating-Agentur ISS ESG besitzen (vormals: ISS-oekom). Aktuell sind dies nur etwa 13 Prozent der von ISS ESG insgesamt analysierten Unternehmen. Die Schwellen für den Prime Status sind branchenabhängig – Minen- oder Rohstoffkonzerne müssen viel höhere Anforderungen erfüllen als beispielsweise IT-Unternehmen. Dieses Auswahlverfahren nennt man auch einen absoluten Best-in-Class-Ansatz. In einem zweiten Schritt wenden wir spezielle Ausschlusskriterien auf das Basisuniversum an – das reduziert die Anzahl der Aktientitel nochmals um circa 2 Prozent auf etwa 11 Prozent der Unternehmen, die ISS ESG insgesamt aus Nachhaltigkeitssicht bewertet.

Wie sehen die Ausschlusskriterien aus?

Ausgeschlossen sind beispielsweise Unternehmen, die Geld mit fossilen Brennstoffen, Atomkraft, Glücksspiel und Embryonenforschung verdienen. Wir investieren prinzipiell nicht in Unternehmen, die Menschenrechtsverletzungen begehen oder grundlegende Arbeitsrechte missachten – um nur einige Beispiele zu nennen. Erst die Firmen, die diese Hürden genommen haben, analysieren wir nach Renditegesichtspunkten und investieren in sie – wenn sie uns vielversprechend erscheinen. In Sachen Nachhaltigkeit unterstützt uns zudem ein Ethik-Beirat, dem Wissenschaftler, Theologen, Vertreter von Kirchen und Nachhaltigkeitsexperten angehören.

Ihr Fonds startete 2002. Hat sich beim Nachhaltigkeitsansatz etwas über die Jahre geändert?

Das Grundkonzept blieb über die Jahre gleich.  Bei den Ausschlusskriterien gab es allerdings Anpassungen. Zur Zeit der Auflage des Fonds war die Klimakrise zum Beispiel noch nicht so stark im Zentrum des öffentlichen Interesses. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Wir haben uns beispielsweise entschieden, Kohleförderer und Unternehmen, die mehr als 10 Prozent ihres Umsatzes mit der Förderung von Öl verdienen, ganz aus dem Anlageuniversum auszuschließen.

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