Das elektrische Ono-Lastenrad fährt bislang vor allem in deutschen Ballungszentren. / Foto: Onomotion

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ECOreporter-Analyse: Lastenräder-Anleihe von Onomotion mit 5,5 % Zins

Die Onomotion GmbH baut elektrische Lastenräder mit Wechselcontainern und Tauschakkus. Um das Geschäft auszubauen und neue Märkte zu erschließen, bietet das Unternehmen zur Finanzierung die Anleihe 2022/2029 mit einem Volumen von 15 Millionen Euro an. Der Zins beträgt 5,5 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von rund sieben Jahren. Die Mindestzeichnung beträgt 1.000 Euro. Wie ist Onomotion derzeit aufgestellt? Welche Stärken und Schwächen hat das Anleiheangebot?

Die Anleihe-Emittentin Onomotion GmbH hat das E-Lastenfahrrad „die ONO“ nach eigenen Angaben für einen nachhaltigen städtischen Warenwirtschaftsverkehr designt. Es soll als Evolution aus Elektrofahrrad und Auto eine schnellere und effizientere Fortbewegung ermöglichen, Platz sparen und so die Umwelt sowie Ressourcen schonen.

Reichweite bis 60 Kilometer

Aktuell werden die elektrischen Ono-Cargobikes mit wechselbaren Container-Modulen produziert und eingesetzt. Die Container sind laut Wertpapierprospekt (Billigung: 25.11.2022)  so konstruiert, dass sie auf eine Standardpalette (Europalette) passen. Dies ermöglicht laut Onomotion zum Beispiel auch den Überlandtransport mittels Lkw, ohne die Waren umpacken zu müssen. Das patentierte Container-Modul kann laut Produktbroschüre (PDF-Erstellung 30.11.2022) über zwei im Ono-Lastenrad integrierte Rampen gerollt und in einer Minute gewechselt werden. Das Volumen der Container beträgt mehr als zwei Kubikmeter.

Die E-Lastenräder haben laut Prospekt 235 Kilogramm Leergewicht, eine Nutzlast von maximal 200 Kilo, fahren bis zu 25 km/Stunde und haben eine Reichweite von bis zu 60 km im Betrieb mit zwei Batterien. Zum Einsatz kommen laut Produktbroschüre wechselbare 1.400-Wattstunden-Akkus mit einer Reichweite bis zu 30 km je Akku. Die Ono-Lastenräder erfordern dem Prospekt zufolge keinen Führerschein und können die Radinfrastruktur nutzen.

Expansion über Deutschland hinaus geplant

Die Zielgruppe von Onomotion sind laut Prospekt bisher kommerzielle Kunden im Bereich der Lieferung auf der sogenannten letzten Meile der Zustellung (zum Beispiel Hermes, UPS und DPD), aber auch kleinere Kunden, die auf nachhaltigen Transport in Städten setzen. Die Produktion der Ono-Lastenräder findet in Deutschland statt. 97 Prozent der Lieferanten sind laut Prospekt in Deutschland oder europäischen Ländern verortet.

Die wichtigsten Märkte, auf denen die Emittentin aktuell tätig ist, sind die lokalen Märkte für Lastenräder und für Lieferungen auf kurze bis mittlere Distanz in den Regionen Berlin, Hamburg, Leipzig, Ruhrgebiet, Magdeburg und München. Onomotion verfolgt eine expansive Wachstumsstrategie. Das Unternehmen plant laut Prospekt, das Lastenrad-Angebot zunächst über Deutschland auf ganz Europa zu erstrecken. Weitere Zielmärkte sind südostasiatische Länder sowie die USA und Kanada.

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Kein Börsenhandel geplant

Das Emissionsvolumen der Anleihe 2022/2029 der Onomotion GmbH beträgt 15 Millionen Euro. Die Gesamtkosten des Angebots schätzt die Emittentin auf etwa 845.000 Euro. Die Vermittlung der Anleihe erfolgt laut Prospekt über die GLS Gemeinschaftsbank eG, die Internetplattform GLS Crowd, Umweltfinanz und die OneCrowd Securities GmbH, die unter anderem unter der Marke Econeers auftritt. Die Anleihe wird laut Prospekt an keiner Wertpapierbörse oder einem sonstigen Handelsplatz zum Handel zugelassen.

Unternehmensprofil Onomotion

Die Onomotion GmbH wurde im Mai 2016 unter dem Namen Tretbox GmbH gegründet und im Sommer 2020 in Onomotion GmbH umbenannt. In den ersten vier Jahren fanden laut Prospekt vornehmlich Entwicklungstätigkeiten statt: Das Lastenrad wurde konstruiert und Prototypen gefertigt. 2020 begann die Herstellung.

Die Emittentin hat zwölf Gesellschafter, die jeweils weniger als 16 Prozent der Anteile halten. Die Geschäftsführer von Onomotion sind Beres Seelbach (Jahrgang 1984; 15,33 Prozent der Anteile) und Philipp Kahle (Jahrgang 1983; 12,17 Prozent der Anteile). Im Geschäftsjahr 2021 betrug die durchschnittliche Anzahl der Beschäftigten der Emittentin laut Jahresabschluss-Anhang noch 48. Laut Produktbroschüre hat das Unternehmen inzwischen über 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


Die Lastencontainer des Ono-Rades sind mehr als zwei Kubikmeter groß. / Foto: Onomotion

Ein Großteil der Lastenräder wird laut Prospekt durch Kunden geleast. Das bedeutet, die Emittentin verkauft das Lastenrad an einen Leasingnehmer, von dem es der Kunde wiederum least. Da es sich bei der Emittentin um ein junges Unternehmen und bei dem elektrischen Lastenrad um ein gänzlich neues Produkt handelt, setzen die Leasingbanken laut Prospekt nach Ablauf der Leasingdauer nur einen geringen Restwert an. Deshalb sind nach Angaben der Emittentin die monatlichen Leasingraten im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen höher.

Die Umsatzerlöse der Onomotion GmbH beliefen sich laut Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) für das Geschäftsjahr 2021 auf rund 1,8 Millionen Euro (2020: rund 700.000 Euro). Dazu kamen 2021 laut Jahresabschluss aus verschiedenen EU- und Fördermitteln sonstige betriebliche Erträge von rund 1,9 Millionen Euro (2020: 1,8 Millionen Euro). Auf der Kostenseite dominierten im Geschäftsjahr 2021 der Personalaufwand (rund 2,2 Millionen Euro) und der Materialaufwand (rund 1,9 Millionen Euro).

Bilanzielle Überschuldung

Nach einem Jahresüberschuss von rund 200.000 Euro in 2020 verzeichnete die Emittentin für ihr Geschäftsjahr 2021 einen Jahresfehlbetrag von rund 2,7 Millionen Euro. Dadurch entstand laut geprüftem Jahresabschluss ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von rund 300.000 Euro zum 31. Dezember 2021.

Im Mai und September 2022 führte die Emittentin Kapitalerhöhungen durch. Das Volumen der beiden Kapitalmaßnahmen umfasste laut Prospekt insgesamt rund 9 Millionen Euro, inklusive der Wandlung von Optionsrechten und Gesellschafterdarlehen von zusammen rund 3,5 Millionen Euro.

Die der September-Kapitalerhöhung zugrunde liegende Bewertung des Unternehmens beläuft sich laut Prospekt auf ca. 48 Millionen Euro. Diese Bewertung orientiert sich nach Angaben der Emittentin daran, wie viel zuletzt für einen Anteil gezahlt worden ist, das heißt, welche Bewertung der Emittentin professionelle Investoren akzeptiert haben.

Geplante Investitionen

Der Nettoemissionserlös der Anleihe beträgt laut Prospekt rund 14,2 Millionen Euro, falls die Anleihe vollständig platziert werden sollte. Die Emittentin beabsichtigt, die Nettoerlöse dreiteilig zu verwenden.

Ca. 30 Prozent des Nettoemissionserlöses sollen genutzt werden, um die für das Geschäftsmodell notwendige Infrastruktur aus- und aufzubauen. Dies umfasst vor allem Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und Werkzeuge. Das Geschäftsmodell von Onomotion sieht neben der Produktion von Lastenrädern auch deren Betrieb und Serviceleistungen vor. Es müssen dementsprechend sowohl Produktionskapazitäten ausgebaut als auch Werkstätten bzw. mobile Werkstattfahrzeuge für den Service der Lastenräder (Wartungsarbeiten, Reparaturen) an den jeweiligen Standorten unterhalten werden.

Ca. 50 Prozent des Nettoemissionserlöses sollen für sogenannte operative Kosten verwendet werden. Zu den operativen Kosten zählen die Produktions- und Serviceaufwendungen. Für die Herstellung der Lastenräder müssen Materialien, Bauteile und Rohstoffe beschafft, die Produktionsstätte ausgebaut und entsprechendes Personal beschäftigt werden. Onomotion greift laut Prospekt auf mehrere Lieferanten zurück, die die einzelnen Bauteile herstellen und zur Produktionsstätte der Emittentin nach Berlin liefern. Dort werden die Bauteile dann montiert. Auch für die durch Onomotion erbrachten Serviceleistungen fallen Aufwände für Material (Ersatzteile, Verbrauchsmaterialien), Fahrzeuge und Personal an.

Ca. 20 Prozent des Nettoemissionserlöses sollen für Vertriebszwecke und die Markterschließung genutzt werden. Da es sich bei den Lastenrädern um eine gänzlich neue Fahrzeugkategorie handele, sind nach Einschätzung der Emittentin Marketingkampagnen notwendig, vor allem beim Eintritt in neue Märkte.

Hohe Risiken

Die Anleihe 2022/2029 der Onomotion GmbH ist nicht besichert. Die Emittentin befindet sich in einer frühen Unternehmensphase und erwirtschaftet laut Prospekt derzeit keinen positiven operativen Cashflow (Zahlungsstrom). Es besteht das Risiko, dass das geplante Geschäftsmodell sich nicht so entwickelt, dass genügend Umsatz und Ertrag erwirtschaftet wird. Um die Herstellungskosten der Lastenräder zu reduzieren, sind nach Unternehmensangaben größere Stückzahlen erforderlich. Bei der geplanten Erschließung neuer Absatzmärkte sind Fehleinschätzungen der Emittentin möglich. Es besteht zudem das Risiko, dass nicht das gesamte Volumen der Anleihe platziert wird und die Emittentin in der Folge geplante Investitionen reduzieren muss.

Onomotion ist für die Herstellung der Lastenräder von seinen Lieferanten abhängig. Es kann aufgrund der anhaltenden Inflation ein erhöhtes Risiko bestehen, dass die Herstellungskosten steigen. Für die Emittentin besteht in dem Fall das Risiko, dass sie Preissteigerungen nicht vollständig an die Kundinnen und Kunden weitergeben kann.

Onomotion steht laut Prospekt in seinen Geschäftsfeldern im Wettbewerb mit anderen Mobilitätsanbietern, die teilweise finanzstärker und bekannter als die Emittentin sind. Zudem bieten Wettbewerber nach Angaben von Onomotion aktuell vergleichbare Fahrzeuge an, die preiswerter sind als jene der Emittentin. Im Marktumfeld von Kurier-, Express- und Paketdiensten, in dem die Ono-Lastenräder überwiegend zum Einsatz kommen, herrscht zudem nach Einschätzung der Emittentin ein hoher Preisdruck, und neu hinzukommende Mitbewerber versuchen, mittels Niedrigpreisstrategie in Märkte einzutreten.

Das kann dazu führen, dass die Nachfrage nach den Ono-Lastenrädern sinkt bzw. nicht im erhofftem Maße steigt. Das kann auch der Fall sein, wenn staatliche Fördermöglichkeiten künftig reduziert werden oder gänzlich wegfallen sollten. Auch ein hoher Strompreis kann die Nachfrage nach elektrischen Lastenrädern  verringern, wenn aufgrund von hohen Strompreisen benzin- und dieselbetriebene Kleintransporter wirtschaftlicher sein sollten.

Stärken

  • Innovatives Produkt für nachhaltige Mobilität
  • Kapitalerhöhungen durch professionelle Investoren in 2022
  • Eine dreistellige Anzahl von Ono-Lastenrädern bei Kunden bereits in Betrieb

Schwächen

  • Hohe Strompreise könnten Nachfrage nach E-Lastenrädern dämpfen
  • Wettbewerber mit preiswerteren Produkten
  • Erhöhte Risiken bei steigenden Herstellungskosten möglich
  • Emittentin mit hohem Verlust in 2021
  • Kein Börsenhandel der Anleihe geplant

Fazit

Die Onomotion GmbH hat ein innovatives elektrisches Lastenrad entwickelt und am Markt eingeführt, das nachhaltige Mobilität fördert. Letzteres gilt insbesondere dann, wenn Kundinnen und Kunden die Lastenräder mit Ökostrom betreiben. In der derzeitigen frühen (geplanten) Wachstumsphase der Emittentin bestehen erhebliche Risiken, die zu einem Kapitalverlust für die Anlegerinnen und Anleger führen können. Daher ist – auch angesichts des in diesem Jahr gestiegenen Marktzinsniveaus – der Anleihezins von 5,5 Prozent nach Einschätzung von ECOreporter zu gering, um die Risiken des Anleiheangebotes abbilden zu können.

Basisdaten

Anbieterin und Emittentin: Onomotion GmbH, Berlin
Anlageform: Anleihe (Inhaber-Schuldverschreibungen)
Emissionsvolumen: 15,0 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 1.000 Euro
Agio: 0 Prozent
Laufzeit: 28.11.2022 bis 31.10.2029
Zinssatz: 5,5 Prozent pro Jahr
Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen
Prospektbilligung: BaFin
Handelbarkeit: kein Börsenhandel geplant
ISIN: DE000A30VG19

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