Energiekontor plant weitere Wind- und Solarparks und bietet zur Finanzierung eine neue Anleihe an. / Foto: Energiekontor

  Anleihen / AIF

ECOreporter-Analyse: Unternehmensanleihe 2022 der Energiekontor AG

Mit dem Kapital der Unternehmensanleihe 2022 will die Energiekontor AG Solar- und Windkraftprojekte finanzieren. Der Zins der Anleihe beträgt 4,5 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von sieben Jahren. Anlegerinnen und Anleger können ab 3.000 Euro investieren. Warum sind die Risiken für Energiekontor gestiegen? ECOreporter hat sich das Angebot genauer angesehen.

Die Energiekontor-Gruppe mit Hauptsitz in Bremen hat seit ihrer Gründung 1990 132 Windparks mit einer Gesamtnennleistung von über 1.100 Megawatt (MW) geplant, errichtet und zugekauft. Zudem hat sie 13 Solarparks mit einer Leistung von rund 70 MW realisiert. Projekte mit zusammen über 9.000 MW – schwerpunktmäßig Windenergievorhaben in Deutschland und Schottland – befinden sich nach Angaben von Energiekontor in verschiedenen Entwicklungsstufen.

Bei der Unternehmensanleihe 2022 der Emittentin Energiekontor AG handelt es sich um Inhaber-Teilschuldverschreibungen. Das Emissionsvolumen der nicht besicherten Anleihe beträgt 15 Millionen Euro. Die Nebenkosten belaufen sich laut Prospekt auf rund 6 Prozent des Emissionserlöses. Die Emittentin kann die Teilschuldverschreibungen insgesamt oder anteilig mit einer Frist von zwei Monaten zum Ende des Quartals ordentlich kündigen und vorzeitig zurückzahlen, erstmalig zum 31. Dezember 2023. Einen Börsenhandel der Anleihe will Energiekontor nicht beantragen.

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Unternehmensprofil Energiekontor

Die Energiekontor AG ist die Muttergesellschaft der Energiekontor-Unternehmensgruppe. Vorstandsmitglieder der Energiekontor AG sind Peter Szabo (Vorsitzender), Günter Eschen und Carsten Schwarz. Die beiden Gründer von Energiekontor, Günter Lammers und Dr. Bodo Wilkens, bilden zusammen mit Darius Oliver Kianzad den Aufsichtsrat der Energiekontor AG. Lammers und Wilkens halten jeweils rund 25,4 Prozent der Aktien der börsennotierten AG (Stand: 30.6.2022).

Zum Kerngeschäft von Energiekontor zählen Planung, Realisierung, Finanzierung, Vertrieb und Betriebsführung von Windparks und – in voraussichtlich weiter zunehmendem Umfang –Solarparks. Zudem verkauft das Unternehmen Strom aus eigenen Windparks. Die Energiekontor AG hält mittelbar über Beteiligungen an Betreibergesellschaften 37 Windparks und einen Solarpark mit einer Nennleistung von zusammen rund 360 MW im Eigenbestand.

Die Investitionen für Wind-/Solarprojekte werden laut Wertpapierprospekt (Billigung: 8.9.2022) regelmäßig mit ca. 25 Prozent Eigenkapital und ca. 75 Prozent Fremdkapital finanziert. Das Fremdkapital wird laut Prospekt im Rahmen von Projektfinanzierungen durch unterschiedliche in- und ausländische Banken zur Verfügung gestellt. Die Fremdfinanzierungen für die jeweiligen Solar- oder Windparks erfolgen in der Regel auf Ebene der jeweiligen Tochtergesellschaften der Energiekontor AG. Daher ist die Eigenkapitalquote der Energiekontor AG laut Abschluss (HGB) zum 31. Dezember 2021 mit rund 51,1 Prozent hoch und die Eigenkapitalquote des Energiekontor-Konzerns geringer. Bei einer deutlich erhöhten Bilanzsumme von rund 562 Millionen Euro (2020: rund 449 Millionen Euro) beträgt die Eigenkapitalquote des Konzerns zum 31. Dezember 2021 wie im Vorjahr 14,6 Prozent. Zum 30. Juni 2022 liegt die Eigenkapitalquote des Konzerns laut Halbjahresabschluss (IFRS) bei rund 15,0 Prozent.

Investitionen

Den Nettoerlös der Unternehmensanleihe 2022 von 14,1 Millionen Euro bei Vollplatzierung will die Energiekontor AG im Rahmen ihrer Geschäftszwecke verwenden. Die Darlehen aus dieser Anleihe werden laut Prospekt im Konzernverbund an Tochtergesellschaften der Emittentin vergeben; soweit Bankdarlehen für diese Gesellschaften bestehen, nachrangig zu den Bankdarlehen.

Laut Prospekt ist beabsichtigt, den Nettoerlös für folgende Geschäftszwecke zu verwenden:

  • die Zwischenfinanzierung der Entwicklung von Solar- und Windkraftprojekten;
  • die Vor-, Zwischen- und Refinanzierung von Solar- und Windkraftprojekten;
  • die Finanzierung des Kaufs von Gesellschaftsanteilen an Windkraft- und/oder Solarprojekten und/oder des Kaufs ganzer Wind- und/oder Solarparks;
  • die Ablösung bestehender Kredite, die zur Zwischenfinanzierung von Solar- und Windkraftprojekten aufgenommen wurden;
  • den Kauf von Projektrechten.

Der erzielte Emissionserlös soll laut Prospekt für Finanzierungen von Solar- und Windkraft-Projekten verwendet werden, die bei Einzahlung des Anleihekapitals noch nicht bekannt sind.

Risiko


Energiekontor will neben seinem Windparkbestand auch sein Solar-Portfolio ausbauen. / Foto: Energiekontor

Zentraler Faktor für die Planung und Wirtschaftlichkeit von Projekten der Emittentin sind laut Prospekt die Preise und Lieferfristen der Wind- und Solaranlagen. Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs belasten auch die Emittentin. Steigende Rohstoffpreise führten laut Prospekt unter anderem zu einer Verteuerung von Stahl, in deren Folge die Preise für Windenergieanlagen von den Herstellern angehoben wurden. Auch die Transportkosten erhöhten sich. Die anhaltenden pandemiebedingten Engpässe in den globalen Transport- und Logistikketten haben sich durch den Krieg in der Ukraine zusätzlich verschärft.

Dies kann laut Prospekt die Umsetzung neuer Projekte verzögern oder gefährden und sich negativ auf das Ergebnis der Emittentin auswirken. Zudem konkurriert die Energiekontor AG bei der Projektentwicklung von Wind- und Solarparks mit starken Wettbewerbern um attraktive Anlagenstandorte, wodurch es zu Preisanstiegen (z. B. höhere Pachten für Standorte) kommen kann. Es besteht laut Prospekt das Risiko, dass die Marktpreise und Herstellungskosten für genehmigte Projekte sich so entwickeln, dass ein Verkauf von Projekten für die Emittentin wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll sein könnte. Dies kann die Umsetzung neuer Projekte gefährden.

Das Zinsniveau hat sich deutlich erhöht und wird voraussichtlich weiter ansteigen. Das betrifft auch Energiekontor in mehrfacher Hinsicht. Laut Prospekt sind die Finanzierungszinsen für Projektfinanzierungen in den letzten Monaten unerwartet stark gestiegen. Für alle ihre Projekte benötigt die Emittentin nach eigenen Angaben in der Realisierung Projektfinanzierungen. Steigende Zinsen und Risikomargen der Banken und damit verbundene höhere Finanzierungskosten können laut Prospekt die Wirtschaftlichkeit genehmigter Projekte und damit deren Umsetzung gefährden. Steigende Zinsen können zudem auch die erzielbaren Verkaufspreise für Solar- und Windprojekte drücken, weil für Investoren beispielsweise festverzinsliche Wertpapiere und Staatsanleihen attraktiver werden. Das gilt insbesondere dann, wenn die Inflationsraten in absehbarer Zeit wieder sinken bzw. die Investoren erwarten, dass sie in absehbarer Zeit sinken.

Insgesamt hat die Energiekontor-Gruppe laut Prospekt in den vergangenen Jahren durch die Emission von Anleihen nach Abzug der bereits zurückgezahlten Anteile ca. 119 Millionen Euro von privaten Investorinnen und Investoren eingeworben. Es besteht laut Prospekt das Risiko, dass die Rückzahlung zu Zeitpunkten fällig wird, zu denen die Liquiditätssituation des Konzerns eine Rückführung nicht zulässt und eine weitere Fremdfinanzierung nicht möglich ist. Auch könnte laut Prospekt das Marktzinsniveau zu den Rückzahlungszeitpunkten gegebenenfalls notwendige Anschlussfinanzierungen erheblich erschweren und verzögern.

Stärken

  • Sehr erfahrene und am Markt etablierte Energiekontor AG
  • Bundespolitische Unterstützung für Windkraftanlagen
  • Derzeit hohe Strompreise

Schwächen

  • Steigendes Zinsniveau
  • Gestiegene Herstellungs- und Baukosten
  • Kein Börsenhandel der Anleihe geplant

Fazit

Die Energiekontor AG ist gut und chancenreich in einem Wachstumsmarkt positioniert. Allerdings haben sich innerhalb eines Jahres auch die Marktrisiken erhöht, deren Auswirkungen auf die Emittentin während der Anleihelaufzeit kaum zu prognostizieren sind. Insbesondere sind das Unternehmen und seine Anlegerinnen und Anleger abhängig davon, dass Zins- und Kostensteigerungen begrenzt werden können.

Basisdaten

Anbieterin und Emittentin: Energiekontor AG, Bremen
Anlageform: Anleihe (Inhaber-Teilschuldverschreibung)
Emissionsvolumen: 15,0 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 3.000 Euro
Agio: 0 Prozent
Laufzeit: bis 31.12.2029
Zinssatz: 4,5 % p.a.
Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen
BaFin-Billigung: Ja
Handelbarkeit: kein Börsenhandel geplant
ISIN: DE000A30VJN2

Lesen Sie auch den ausführlichen ECOanlagecheck der Energiekontor-Stufenzinsanleihe XIV.

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