Die Aktie von First Solar erreichte jüngst ein neues Allzeithoch. / Foto: Unternehmen

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First Solar verklagt Konkurrenten – "betrügerischer" Weiterverkauf von Solarmodulen

Der US-Solarmodulhersteller First Solar hat nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters eine Klage gegen seinen US-Konkurrenten Toledo Solar eingereicht. Dieser soll alte First Solar-Module verändert und als sein eigenes Produkt weiterverkauft haben – verbunden mit der Behauptung, diese selbst in den USA produziert zu haben. Die fraglichen Module seien aber 2018 im Werk von First Solar in Malaysia hergestellt und im Juli 2019 an einen Solarentwickler in Ohio verkauft worden.

"Wir waren enttäuscht, als wir erfuhren, dass Toledo Solar die CadTel-Solarmodule von First Solar als seine eigenen modifiziert, vermarktet und verkauft hat, und haben eine Klage gegen das Unternehmen wegen irreführender Handelspraktiken eingereicht", erklärte First Solar in einer Mitteilung. "In Anbetracht unserer Rolle als führendes Unternehmen der Solarbranche, das sich für die heimische Solarproduktion einsetzt, haben wir diese Maßnahme nach sorgfältiger Prüfung der Ernsthaftigkeit der Angelegenheit ergriffen."

Paneele auf dem Anwesen des Gouverneurs entdeckt

"Wir beabsichtigen, das Problem anzugehen und letztendlich zu lösen, indem wir Toledo Solar dazu veranlassen, alle Käufer von First Solar-Paneelen, die es als seine eigenen verkauft hat, zu benachrichtigen, und das Unternehmen daran hindern, weiterhin falsche Behauptungen aufzustellen und weitere First Solar-Paneele zu verkaufen, die es möglicherweise auf Lager hat", so die Mitteilung weiter.

Toledo Solar reagierte auf die Vorwürfe bislang nicht. Auch eine Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters ließ das Unternehmen der Agentur zufolge zunächst unbeantwortet.

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Die mutmaßlichen Originalpaneele wurden demnach 2022 auf dem Anwesen des Gouverneurs von Ohio entdeckt, als First Solar einige seiner Paneele entfernte, die seit 2004 auf dem Grundstück installiert waren. Die von Toledo Solar gelieferten Ersatzpaneele trugen die Seriennummern von First Solar, wie das Unternehmen erklärte. Zudem seien Anschlussdosen in einer Weise verändert worden, die nicht sicher sei.

Angeblich identifizierten die Seriennummern die Module als First Solar CadTel-Module der Serie 4, die 2018 in der firmeneigenen Anlage in Malaysia hergestellt und im Juli 2019 im Rahmen eines Großauftrags an ein Bauunternehmen in Ohio geliefert wurden. Das Branding von Toledo Solar habe behauptet, die Paneele seien in den USA hergestellt worden. Lokale Medien hatten seinerzeit über "in Ohio hergestellte" Paneele berichtet, die in der Residenz des Gouverneurs installiert worden seien.

First Solar hatte daraufhin im Januar 2023 eine Lieferung von 200 Modulen von Toledo Solar bestellt, wie das Unternehmen weiter ausführte. Bei der Lieferung im Februar habe sich herausgestellt, dass es sich auch hier um in Malaysia hergestellte First-Solar-Module handelte.

In der Klage wird Toledo Solar laut Reuters außerdem vorgeworfen, in sozialen Medien damit zu werben, dass bestimmte seiner PV-Module in Ohio hergestellt wurden, obwohl es sich in Wirklichkeit um in Malaysia hergestellte First Solar-Produkte handele. Wie Toledo die Module beschafft hat, sei noch nicht geklärt.

Die First Solar-Aktie hat einmal mehr bewegte Wochen hinter sich: Nach den deutlichen Wertgewinnen 2022 und Anfang 2023 war es für das Papier seit Mitte April zunächst steil abwärts gegangen. Am 12. Mai hatte das Unternehmen dann erklärt, den schwedischen Dünnschicht-Solarzellen-Spezialisten Evolar zu übernehmen. Das hatte den Kurs wieder um 26 Prozent nach oben auf ein neues Allzeithoch schießen lassen.

Aktuell ist die First Solar-Aktie im Tradegate-Handel 2,1 Prozent im Plus zum Vortag und kostet 188,60 Euro (Stand: 25.5.2023, 11:22 Uhr). Im Monatsvergleich notiert die Aktie 3,9 Prozent im Plus, auf Jahressicht ist sie um rund 205 Prozent gestiegen, ihr Wert hat sich also mehr als verdreifacht.

ECOreporter rät zur Vorsicht

In der letzten Woche verlor die Aktie nach ihrem erneuten Rekordstand wieder etwas, mutmaßlich auch im Zuge von Gewinnmitnahmen. Nach einem erneuten steilen Absturz sieht es aber aktuell nicht aus.

Auch das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von First Solar für 2023 fällt mit 27 trotz der hohen Kurszuwächse weiter vertretbar aus. ECOreporter rät aber dennoch zur Vorsicht: Mit seinen Zahlen zum ersten Quartal hatte das Unternehmen enttäuscht. Vor dem erneuten Kurssprung im Zuge des Zukaufs hatte der Trend an der Börse nach unten gezeigt. Offenbar waren einige Erwartungen an das First Solar-Geschäft zu optimistisch gewesen.

Aktuell können bereits investierte Anlegerinnen und Anleger nach Ansicht der Redaktion weiter über einen Teilverkauf ihrer Aktien nachdenken, um Buchgewinne zu realisieren.

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First Solar Inc: ISIN US3364331070 / WKN A0LEKM

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