Mit dem Geld aus dem Greencells Green Bond sollen Solarprojekte finanziert werden. Im Bild: Greencells-Solarpark in England. / Foto: Unternehmen

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Greencells Green Bond mit 6,5 % Zins – wie riskant ist die nachhaltige Solar-Anleihe?

Mit dem Greencells Green Bond sollen Solarprojekte finanziert werden. Die besicherte Anleihe der Greencells GmbH hat einen Zinssatz von 6,5 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Anlegerinnen und Anleger können den Green Bond ab 1.000 Euro zeichnen. ECOreporter hat die grüne Geldanlage untersucht und bewertet.

Die Greencells-Gesamtgruppe hat laut Anleiheprospekt bislang weltweit Solarkraftwerke mit einer Nennleistung von mehr als 2.000 Megawatt gebaut. Emittentin der neuen Anleihe ist die Greencells GmbH. Mitte 2020 beschäftigte das Unternehmen konzernweit 77 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich neben dem Bau auch um die technische Betriebsführung errichteter Solaranlagen kümmern.

Das Unternehmen mit Sitz in Saarbrücken schrieb seit seiner Gründung 2009 bis 2017 in jedem Jahr schwarze Zahlen. Nach einem Verlust von rund 1,7 Millionen Euro in 2018 erzielte Greencells 2019 einen Gewinn von ungefähr 2,8 Millionen Euro bei einem Umsatz von rund 85,5 Millionen Euro.

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2018 stieg ein Investor ein

Die OMAS International FZCO aus Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten erwarb 2018 jeweils 50 Prozent der Geschäftsanteile an der Emittentin Greencells GmbH und an der neugegründeten Greencells Group Holdings Limited, ansässig ebenfalls in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Greencells Group Holdings entwickelt Solarprojekte und hat sich laut Prospekt verpflichtet, alle Bauaufträge an die Emittentin als ihre Schwestergesellschaft zu vergeben.

OMAS International gehört zur Zahid-Gruppe aus Saudi-Arabien. Die Zahid-Gruppe ist laut Prospekt ein Familienunternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern und ein führender Akteur in zahlreichen Branchen, darunter Energie und Versorgung, Schwermaschinen, Finanzdienstleistungen, industrielle Fertigung, Transport und Gastgewerbe.

Wozu dient das Anleihekapital?

Das Emissionsvolumen der Anleihe beträgt bis zu 25 Millionen Euro. Nach Abzug der laut Prospekt erwarteten Gesamt-Emissionskosten ergibt sich ein Nettoemissionserlös von bis zu 23,6 Millionen Euro. Dieser soll schwerpunktmäßig für den Ausbau der Projektentwicklung verwendet werden. In diesem Zusammenhang wird die Emittentin laut Prospekt projektgebunden wesentliche Teile des Nettoemissionserlöses gegen Gewährung von unbelasteten Sicherheiten an ihre Schwestergesellschaft Greencells Group Holdings als Darlehen weiterreichen.

Geschäftsanteile als Sicherheiten

Als Sicherheit für den Greencells Green Bond dienen Geschäftsanteile an Gesellschaften, die Solarprojekte in Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden entwickeln. Diese Anteile hält die Greencells Group Holdings. Laut Gutachten beträgt der Netto-Sicherheitenwert der Anteile 34,5 Millionen Euro. Zusätzlich soll eine Sicherungsabtretung von Forderungen aus Errichtungsverträgen der Emittentin für Solarprojekte in Höhe von mindestens 10 Millionen Euro erfolgen.

Wie sicher sind die Sicherheiten?


Von Greencells gebauter Solarpark in Landsweiler im Saarland. / Foto: Unternehmen

Laut Prospekt ist, da „der größte Teil der Sicherheiten für die Schuldverschreibungen von der Schwestergesellschaft der Emittentin, der Greencells Group Holdings, gestellt wird und ihr ein erheblicher Teil der Nettoerlöse im Wege eines Darlehens gewährt werden soll, der Wert der Sicherheiten und die Rückzahlung der Schuldverschreibungen wesentlich vom wirtschaftlichen Wohlergehen der Greencells Group Holdings abhängig. Im Falle einer Insolvenz der Greencells Group Holdings könnte es zu Verzögerungen oder rechtlichen Hindernissen bei der Verwertung und Sicherung der Sicherheiten kommen." Im Fall einer Insolvenz der Greencells Group Holdings würde dieses Verfahren laut Prospekt unter dem Recht der Vereinigten Arabischen Emirate abgewickelt werden.

Zudem ist ein zentrales Risiko laut Prospekt, dass „der tatsächlich realisierbare Wert der als Sicherheit gewährten Rechte an den von der Greencells Group Holdings gehaltenen Anteilen an Projektgesellschaften in Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich und den Niederlanden sowie die mittels Sicherungszession abgetretenen Erlösansprüche aus EPC-Verträgen der vorgenannten Projektgesellschaften oder verpfändeten Anteile an Gesellschaften, die als Ersatzsicherheit genutzt werden, um ursprüngliche verpfändete Geschäftsanteile von Gesellschaften abzulösen, nicht ausreichen könnte, um die Ansprüche der Anleihegläubiger im Verwertungsfall zu befriedigen“.

Finanzierung der Emittentin

Die bisherige Finanzierung der Emittentin beruht laut Prospekt hauptsächlich auf Abschlagszahlungen der Auftraggeber sowie größeren Lieferantenkrediten zu einzelnen Warenlieferungen. Im Mai 2020 hat die Greencells GmbH liquide Mittel von 10 Millionen Euro über die SaarLB im Rahmen des KfW-Covid-19-Kreditprogramms aufgenommen, die im Juni 2022 fällig sind. Seit dem Datum des Zwischenabschlusses der Emittentin zum 30. Juni 2020 hat das Unternehmen weitere Kreditlinien von Banken in Höhe von insgesamt 10 Millionen Euro zur Verfügung gestellt bekommen. Die zukünftige Finanzierung der Emittentin soll auch mit dem Erlös der Anleiheemission ergänzt werden.

Risiken durch Corona

Es besteht das Risiko, dass infolge der andauernden Covid-19-Pandemie und eines erneuten Lockdowns Greencells Solarprojekte nicht wie geplant durchführen und an Investoren veräußern kann. Verzögerungen können auch entstehen, da die Greencells GmbH-Gruppe auf die rechtzeitige und vertragsgemäße Belieferung mit Materialien durch Lieferanten angewiesen ist. Falls mit dem Bau der Solarparks beauftragte Garantiegeber oder Hersteller von Schlüsselkomponenten ausfallen sollten, kann das die Fertigstellung von Solarparks gefährden.

Verzögerungen und Ausfälle bei Solarprojekten können dazu führen, dass die Greencells GmbH-Gruppe Zahlungen verspätet oder gar nicht erhält. In diesem Fall kann für die Emittentin ein Liquiditätsrisiko entstehen. Falls die Emittentin bzw. ihre Tochtergesellschaften Solarparks nicht zu einem vertraglich festgelegten Termin in Betrieb nehmen, kann das auch Schadensersatzforderungen von Vertragspartnern zur Folge haben. Vertragspartner bei der Errichtung der Solarparks ist neben Dritten auch die Schwestergesellschaft der Emittentin, die Greencells Group Holdings, bzw. deren Projektgesellschaften, sodass beispielsweise bei Vertragsverletzungen Interessenkonflikte auftreten können.

Fazit

Die Emittentin der Anleihe, die Greencells GmbH, errichtet Solarparks und übernimmt deren technische Betriebsführung. Diese hauptsächlichen Geschäftsbereiche, die damit verbundenen Risiken sowie die wirtschaftliche Lage und Perspektive der Emittentin werden im Anleiheprospekt sehr informativ und detailliert erläutert. Die Emittentin ist nach den vorliegenden Informationen gut im wachsenden Solarmarkt positioniert und verfügt über eine umfangreiche Projektpipeline.

Die wirtschaftliche und finanzielle Lage der Schwestergesellschaft der Emittentin, der Greencells Group Holdings Limited, wird in dem Prospekt nicht näher betrachtet. Dabei plant die Emittentin, das Anleihekapital hauptsächlich an die Schwestergesellschaft weiterzureichen, die damit schwerpunktmäßig die Entwicklung von Solarprojekten ausbauen soll. Auch die Sicherheiten für die Anleihegläubiger werden hauptsächlich von der Schwestergesellschaft gehalten.

Es hätte die Angebotsstruktur vereinfacht und die Transparenz erhöht, wenn die Schwestergesellschaft selbst die Anleihe begeben hätte. Allerdings hätte es die in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Schwester wahrscheinlich deutlich schwerer gehabt, sich auf dem deutschen Kapitalmarkt zu günstigen Konditionen zu finanzieren.

Die wirtschaftliche Situation der Schwester und die Pläne der saudischen Zahid-Gruppe können auf Basis des Prospektes nicht beurteilt werden. Zudem ist derzeit nicht absehbar, wie lange die Corona-Pandemie noch andauern wird und in welchem Umfang sie sich auf die Solar-Bauprojekte der Emittentin und deren finanzielle Lage auswirken wird. Auch der Wert der gestellten Sicherheiten kann sich verringern, wenn sich die Entwicklung von Solarprojekten verzögert. Daher bestehen aufgrund der Corona-Pandemie derzeit erhöhte Risiken.

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