Die Geschäftsführer von solargrün (v.l.n.r.): Thomas Broschek, Dennis Schilling, Björn Meyer. / Foto: solargrün

  Anleihen / AIF, Crowd-Investment

Im Test: Crowdinvesting von solargrün auf GLS Crowd – sind 4,25 % Zins angemessen?

Die solargrün GmbH bietet über die Crowd-Plattform der GLS Bank ein Nachrangdarlehen an, um den Bau von Solaranlagen zu finanzieren. Neben einem festen Zins von 4,25 Prozent winkt ein umsatzabhängiger Bonuszins. ECOreporter hat das Crowd-Angebot eingehend analysiert.

Dazu dient das Geld der Anlegerinnen und Anleger:

Die solargrün GmbH will Solar-Freiflächenanlagen in Deutschland planen, von Partnerfirmen bauen lassen und verkaufen. Das Unternehmen ist noch sehr jung, die Erlöse aus dem Crowd-Angebot sollen für den Geschäftsaufbau verwendet werden.

solargrün besitzt bislang eigenen Angaben zufolge Pachtverträge für Solarprojekte mit einer Leistungskapazität von 40 Megawatt peak (MWp; Stand Anfang März 2021). Die Wachstumsziele sind ambitioniert: In diesem Jahr möchte das Unternehmen Verträge über weitere 90 MWp abschließen, ab 2022 sollen 135 MWp pro Jahr hinzukommen.

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solargrün plant, für ungefähr drei Viertel der gebauten Solaranlagen langfristige private Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements, PPAs) abzuschließen. Für die übrigen 25 Prozent möchte sich das Unternehmen Zuschläge bei Solarausschreibungen sichern. Diese Anlagen bekämen dann feste Vergütungssätze nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Fertigstellen will solargrün die ersten Anlagen 2022.

Wem leihen die Anlegerinnen und Anleger ihr Geld?

Die solargrün GmbH ist im August 2020 gegründet worden. Die Geschäftsführer Björn Meyer, Thomas Broschek und Dennis Schilling haben langjährige Erfahrung im Erneuerbare-Energien-Bereich, unter anderem arbeiteten sie beim rheinland-pfälzischen Projektentwickler juwi. Zusammen mit einem vierten in das Tagesgeschäft eingebundenen Gesellschafter besitzen sie 49,9 Prozent der Anteile an der solargrün GmbH. Mehrheitsgesellschafter ist mit 50,1 Prozent die französische Gesellschaft Cantella SC. Das Unternehmen gehört Carsten Reins, einem ehemaligen Manager des französischen Solarkonzerns Luxel SAS.

solargrün hat seinen Hauptsitz in Saulheim bei Mainz, weitere Standorte sind Sindelfingen in Baden-Württemberg und Malchow in Mecklenburg-Vorpommern. Aktuell beschäftigt das Unternehmen elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

solargrün will schnell wachsen


solargrün will bis 2022 die ersten Solaranlagen fertigstellen und verkaufen. / Symbolfoto: Unternehmen

solargrün befindet sich in einer frühen Unternehmensphase und erwirtschaftet bislang planmäßig keine Umsätze. Die ersten Solaranlagen sollen 2022 verkauft werden, bereits im gleichen Jahr will das Unternehmen das erste Mal ein positives Jahresergebnis erreichen.

2023 sollen Anlagen mit 100 MWp verkauft werden, ab 2024 pro Jahr 135 MWp – das entspricht laut Geschäftsplan sieben bis zehn Solarprojekten. Ab 2024 kalkuliert das Unternehmen mit einem Jahresgewinn von mindestens 8 Millionen Euro.

Für die Anlauffinanzierung veranschlagt solargrün einen Kapitalbedarf von 4,025 Millionen Euro. Unternehmensangaben zufolge verfügt die GmbH über ein Eigenkapital von 225.000 Euro sowie 800.000 Euro aus einem Gesellschafterdarlehen von Cantella SC. Die übrigen 3 Millionen Euro sollen über insgesamt drei Crowd-Projekte eingesammelt werden.

Das Crowd-Angebot

Ab 250 Euro können Anlegerinnen und Anleger solargrün über die GLS Crowd Nachrangdarlehen gewähren. Dafür sollen sie pro Jahr 4,25 Prozent Zinsen erhalten. Die Darlehen laufen bis zum 31. März 2025. Erzielt das Unternehmen bis Ende 2024 einen Umsatz von mehr als 30 Millionen Euro, erhalten die Investoren zum Laufzeitende mit der Rückzahlung ihres eingesetzten Kapitals einen einmaligen Bonuszins von 1 bis 10 Prozent. Je höher der Umsatz des Unternehmens, desto höher der Bonuszins.

solargrün kann die Nachrangdarlehen vorzeitig kündigen, erstmalig zum 31. Dezember 2023. Das Unternehmen müsste den Anlegerinnen und Anlegern dann noch die Hälfte der Zinsen zahlen, die bis zum regulären Laufzeitende fällig geworden wären. Dazu käme ein einmaliger Bonuszins von 4,0 Prozent.

Die Crowd-Finanzierung kommt zustande, wenn die Gesamtsumme der Nachrangdarlehensangebote mindestens 750.000 Euro beträgt (Fundingschwelle). Das Fundinglimit liegt bei 1 Million Euro. Die übrigen 2 Millionen Euro für die Anlauffinanzierung will das Unternehmen in diesem und im nächsten Jahr über zwei weitere Crowd-Angebote einwerben. Sollte über die Crowd nicht genug Geld hereinkommen, sind laut solargrün zusätzliche Darlehen von Cantella SC möglich.

Unternehmensangaben zufolge werden die Cantella-Darlehen nachrangig zum Crowd-Kapital behandelt. Das heißt: Muss solargrün Insolvenz anmelden, werden die Ansprüche von Cantella erst bedient, wenn die Crowd-Investoren ihr Geld zurückerhalten haben.

Für das aktuelle Crowd-Angebot zahlt solargrün eine Vermittlungspauschale von 6 Prozent an die GLS Crowd. Dazu kommt eine jährliche Management-Gebühr von 0,8 Prozent des Darlehenskapitals.

Risiken

  • Mit dem Geld der Anlegerinnen und Anleger wird der Aufbau eines Unternehmens finanziert. Das ist mit erhöhten Risiken verbunden: Sollte die Gewinnzone nicht planmäßig erreicht werden, kann es zu Liquiditätsengpässen kommen. Gleiches gilt, wenn das Unternehmen es nicht schaffen sollte, wie vorgesehen weitere 2 Millionen Euro über Crowd-Angebote einzusammeln.
  • Die Darlehen der Anlegerinnen und Anleger sind unbesichert. Zudem sind sie zwar vorrangig zu Gesellschafterdarlehen der Cantella SC eingestuft, aber nachrangig zu möglichen zukünftigen Bankkrediten. Und sie sind mit einer sogenannten vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre versehen. Das bedeutet: Liegt Insolvenzgefahr vor, muss solargrün seine Zins- und Tilgungszahlungen an die Anlegerinnen und Anleger aussetzen. Kommt es zu einer Insolvenz, können Investoren ihr eingesetztes Kapital vollständig verlieren.

Dazu kommen neben allgemeinen Projektentwicklungsrisiken spezifische Risiken der Solarbranche:

  • solargrün ist stark abhängig vom schwankungsanfälligen Projektentwicklungsgeschäft, das Unternehmen hat keine anderen Einnahmequellen. Bislang hat solargrün keine Solaranlage gebaut und auch noch keine PPAs und Anlagenverkäufe vertraglich fixiert.
  • Die geografische Diversifizierung ist eingeschränkt, weil das Unternehmen nur Solar-Freiflächenanlagen in Deutschland errichten will – was auf der anderen Seite auch ein Vorteil sein kann.
  • Nach Angaben von solargrün herrscht in der Solarbranche derzeit eine starke Nachfrage nach erfahrenen Fachkräften. Es besteht die Gefahr, dass Wettbewerber wichtige Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter abwerben.
  • Das Unternehmen selbst spricht in Unterlagen, die ECOreporter vorliegen, von einem „ruinösen Wettbewerb um Flächen unter Projektentwicklern“. Ob solargrün seine Wachstumsziele erreichen kann, ist ungewiss. Zudem könnte die gestiegene Nachfrage nach Solarflächen die Pachtpreise deutlich erhöhen.
  • In der Corona-Krise können sich Projekte verzögern oder ganz scheitern, beispielsweise weil Genehmigungsbehörden und Gerichte derzeit nur eingeschränkt arbeiten.
  • solargrün strebt für ungefähr 25 Prozent seiner Projekte Zuschläge aus Solarausschreibungen an. Ob dies gelingen wird, ist unklar. Die letzten Solarausschreibungen in Deutschland waren mehrfach überzeichnet.

Stärken

  • Geschäftsführer und Team mit viel Erfahrung im Solarbereich
  • Fokussierung auf Solarfreiflächen in Deutschland
  • Wachstumsbranche Solarenergie

Schwächen

  • Unternehmen noch im Aufbau
  • Starker Wettbewerb
  • Zeitplan kann möglicherweise nicht eingehalten werden

    Fazit

    Aus nachhaltiger Sicht ist das Crowd-Projekt ein sinnvolles Investment: solargrün hat ein tiefgrünes Kerngeschäft, Solaranlagen sind eine wichtige Säule der Energiewende.

    Und finanziell? Die Geschäftsführer von solargrün haben viel Erfahrung mit Solarprojekten. Gut möglich, dass ihr Geschäftsplan aufgeht. Dann winkt den Investoren ein Bonus zusätzlich zu dem Kupon von 4,25 Prozent. ECOreporter sieht allerdings auch Risiken, vor allem weil das Unternehmen sehr jung ist und in einem umkämpften Markt schnell profitabel werden will. Anlegerinnen und Anleger finanzieren hier nicht Projekte eines etablierten Solarkonzerns, sondern den Aufbau eines neuen Unternehmens. Dafür erscheint ECOreporter der Darlehenszins von 4,25 Prozent als niedrig.

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