Jürgen Koppmann ist eines von drei Mitgliedern im Vorstand der UmweltBank. In seiner Verantwortung liegen die Bereiche Sparen, Wertpapiere und Vorsorge sowie Marketing und Kommunikation. / Foto: Unternehmen

14.03.18 Finanzdienstleister

Jürgen Koppmann, UmweltBank: "Komplexität ist in Gelddingen ein Nachteil"

Wettbewerb durch Fintechs, Niedrigzinsen, Spezialisierung: UmweltBank-Vorstand Jürgen Koppmann spricht im Interview über große Herausforderungen für die Bank. 

In Teil 1 geht es unter anderem um die Alleinstellungsmerkmale der UmweltBank aus Nürnberg und die wachsende Digitalisierung. Wie stellt sie sich dafür auf? 


ECOreporter.de: Herr Koppmann, welche drei Stärken fallen Ihnen zuerst ein, wenn Sie über Ihre Bank nachdenken?

Jürgen Koppmann: Da fallen mir die drei Begriffe Glaubwürdigkeit, Einfachheit und Ertragskraft ein. Wir haben im Herbst 2017 eine Kundenumfrage durchgeführt, die uns mit überwältigender Mehrheit Glaubwürdigkeit in Sachen Nachhaltigkeit bescheinigt. 98 Prozent der Befragten würden uns deswegen weiterempfehlen. Über die hohe Zustimmung freuen wir uns sehr.

Stärke Nummer Zwei: Unsere Angebote sind relativ einfach strukturiert und das soll auch so bleiben. Denn Komplexität ist in Gelddingen ein Nachteil. Und schließlich sind wir auch ertragsstark. Das macht uns robust gegenüber dem aktuell für alle Banken sehr schwierigen Marktumfeld.

 

Und wo sehen Sie die dringlichsten Entwicklungsschritte für die UmweltBank?

Wir setzen gerade unsere "3-P-Strategie" um: frische Produkte, moderne Prozesse und zusätzliches Personal. Auf der Produktseite befassen wir uns zum Beispiel mit einem ökologischen Verbraucherkredit, neuen Fondskonzepten und auch einem innovativen Girokonto für die grüne Generation.

Unsere Prozesse sind zum Teil noch nicht so digital, wie wir uns das wünschen. Deswegen investieren wir hier und stellen auch viele neue Mitarbeiter ein, besonders im IT- und Wertpapierbereich.

 

Die UmweltBank ist nicht als Erstbank für die Kunden bekannt, eher als Spezialbank. Wie sind hier die Ziele der Bank?

Ja, richtig. Bislang sind wir die Spezialisten für nachhaltiges Sparen und die Finanzierung von Umweltprojekten. Aber wir werden oft von Kunden nach einem laufendem Konto oder einem Kredit für ein Elektroauto gefragt. Deshalb befassen wir uns mit diesen Produkten und wollen uns etwas breiter aufstellen. Ein Gemischtwarenladen werden wir aber nie werden.

 

Wird die UmweltBank weiter eine Direktbank bleiben, also keine Filialen eröffnen?

Ja, daran wird sich auch künftig nichts Grundsätzliches ändern. Unsere Kunden sind zufrieden mit den angebotenen Kommunikationskanälen. Wir denken allerdings über eine Repräsentanz in Berlin nach.

 

Die Bankenwelt redet über Fintechs. Muss sich die UmweltBank vor den hochtechnisierten Wettbewerbern fürchten?

Im Gegenteil. Wir arbeiten bereits jetzt mit Fintechs zusammen und prüfen gerade weitere  Kooperationen, um die Digitalisierung voranzubringen.   

 

Die UmweltBank hat ein Alleinstellungsmerkmal: Keine andere Bank nennt schon in ihrer Satzung die Aufgabe "Umweltschutz". Aber das Wort Umwelt hat auch Anklänge an die 70er und 80er Jahre. Wie sehen Sie das, wie empfinden Sie die Resonanz Ihrer Kunden auf dieses Thema? 

Das Wort Umwelt würde sich wahrscheinlich heute nicht mehr so prägen, denn die Silbe "um" bedeutet ja, dass sich der Mensch nicht als Teil dieser Welt sieht, sondern als ihr Zentrum. Tatsächlich sind wir aber im Kosmos integriert. Unsere ehemalige Aufsichtsrätin Dr. Irene Schöne hat deshalb immer empfohlen, von Mitwelt zu sprechen.

Der Begriff Umwelt ist aber aus unserem täglichen Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken. Und unter Umweltschutz verstehen wir alle den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Deswegen wird die UmweltBank auch weiterhin so heißen.

Anstelle des Begriffs Umweltschutz wird heute oft Nachhaltigkeit verwendet. Aber auch dieser Ausdruck ist etwas angeschlagen. Jeder versteht Nachhaltigkeit anders und sieht sich selbst als nachhaltig an. Für mich ist eine treffende Beschreibung von Umweltschutz auch Generationengerechtigkeit: alles das, was künftigen Generationen ein gutes Leben auf unserer Erde ermöglicht.

Die von den Vereinten Nation verabschiedeten nachhaltigen Entwicklungsziele, die sogenannten Sustainable Development Goals, sind eine wunderbar moderne und internationale Interpretation von Umweltschutz, Nachhaltigkeit und zugleich Generationengerechtigkeit. 

 

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Interviews - darin spricht Jürgen Koppmann unter anderem über das Ausscheiden des UmweltBank-Gründers Horst P. Popp und die nachhaltigen Kredite der Bank. 

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