Für Nordex war das Jahr 2018 schwierig. In diesem Jahr soll es für die Hamburger wieder besser werden. / Foto: Unternehmen

28.01.19 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Aktien-Favoriten , Anleihen / AIF

Leser-Frage: Was ist besser – die Nordex-Aktie oder die hochverzinste Anleihe?

Nordex hat zuletzt zahlreiche Großaufträge eingeheimst. Eine Partnerschaft mit innogy verspricht einen weiteren Umsatzanstieg. Aber wie aussichtsreich ist eine Investition in die Nordex-Aktie? Ein ECOreporter-Leser fragt: Bietet die Anleihe bessere Chancen?

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2018 hat Nordex Neuaufträge mit insgesamt 4,75 Gigawatt (GW) Leistung erhalten, 73 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch eine Partnerschaft mit der RWE-Tochter innogy trägt erste Früchte.

Im Großraum New York sind zwei Windpark-Projekte mit 346 Megawatt (MW) Leistung geplant. Es sollen noch weitere Windparks hinzukommen. Insgesamt will innogy zusammen mit Nordex Projekte mit einem Volumen von 1,7 Gigawatt realisieren. Die endgültigen Verträge stehen allerdings noch aus.

Im vergangenen Jahr hatte der Hamburger Windradbauer wie alle Unternehmen in der Branche mit dem Preisdruck auf dem Windkraftmarkt zu kämpfen. Seit zwei Jahren sinken die Preise für Windkraftanlagen, weil viele Länder zu Auktionssystemen übergegangen sind, anstatt Windkraft mit festen Einspeisetarifen zu vergüten.

Branchenkenner rechnen allerdings  in diesem Jahr mit einer Stabilisierung der Preise. Das dürfte zu einer Erhöhung der Margen für die Hersteller führen - wovon auch Nordex profitieren sollte.

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2018 Umsatzeinbruch, 2019 leichte Erholung für Nordex?

2018 waren die Nordex-Umsätze im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Im Geschäftsjahr 2017 hat das Unternehmen 3,08 Milliarden Euro Umsatz erzielt bei 300.000 Euro Gewinn. Für das Geschäftsjahr 2018 werden 2,45 Milliarden Euro Umsatz erwartet. Es werden aber auch Verluste von etwa 55 Millionen Euro in den Büchern stehen.

2019 sieht es für die Hamburger besser aus: Es wird ein Umsatzanstieg im Vergleich zum Vorjahr um fast 20 Prozent auf 2,93 Milliarden Euro erwartet. Allerdings soll auch 2019 unterm Strich kein Gewinn übrig bleiben. Mit einem positiven Geschäftsergebnis rechnen Experten erst 2020. Dann soll ein Umsatz von über 3 Milliarden Euro erwirtschaftet werden, bei einem Gewinn von gut 28 Millionen Euro.

Lohnt sich die Aktie?

Die Nordex-Aktie steht momentan an der Börse Xetra bei 9,77 Euro (25.1., 16:37 Euro). Seit Anfang des Jahres hat die Nordex-Aktie mehr als 20 Prozent Kurszuwachs erzielt. Beim derzeitigen Kurs notiert sie leicht über ihrem Buchwert, der laut Schätzungen für 2019 bei 9,22 Euro pro Aktie liegt.

Der Buchwert entspricht den materiellen Vermögenswerten eines Unternehmens nach Abzug der Schulden. Ein Buchwert kleiner als 1 bedeutet, dass man Unternehmensanteile günstiger erwirbt, als sie nach Abzug aller Verbindlichkeiten wert sein sollten.

Ist die Nordex-Aktie damit ein Schnäppchen? Unternehmen, die leicht über ihrem Buchwert notieren, müssen nicht zwingend attraktiv sein. Verlusterwartungen über längere Zeiträume lassen Anleger oft aus vermeintlich billigen Aktien fliehen, weil die Verluste auch zu einem Verzehr des Eigenkapitals führen können.

Was zudem oft für eine niedrige Bewertung spricht: die Wachstumsaussichten. Bei Nordex sind die langfristigen Umsatz- und Gewinnwachstumsaussichten im Vergleich zur Konkurrenz niedriger. Die Konkurrenten Vestas und Siemens Gamesa produzieren nicht nur Windkraftanlagen für den Betrieb an Land, sondern auch auf hoher See (Offshore-Anlagen). Die beiden Unternehmen sind Marktführer in diesem Segment.

Dieses Geschäftsfeld verspricht in den kommenden Jahren ein starkes Wachstum zwischen 15 und 20 Prozent pro Jahr. Demgegenüber ist Nordex auf Windkraftanlagen an Land spezialisiert - ein Segment, das in den kommenden Jahren nur ein Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich verzeichnen soll. Am florierenden Offshore-Markt wird Nordex damit nicht teilhaben. Das quittiert die Börse mit niedrigeren Kursen.

Wie attraktiv ist die Anleihe?

Niedrige Umsatz- und Gewinnsteigerungen müssen allerdings Investoren kein Dorn im Auge sein - wenn sie auf Anleihen setzen. Denn der Anleiheninvestor will nur die vereinbarten Zinsen und am Ende sein Geld zurück, das er dem Unternehmen geliehen hat.

Die Nordex-Anleihe 2018/2023 bietet einen Zinskupon von 6,5 Prozent. Sie kam im Januar 2018 auf den Markt und läuft bis zum 1. Februar 2023. Die vereinbarten Zinsen werden zweimal pro Jahr ausgezahlt. Die Anleihe ist zudem besichert. Aber: Sie ist nur in Stückelungen von 100.000 Euro handelbar und somit für die meisten privaten Anleger nicht geeignet.

Derzeit steht die Anleihe bei knapp 91 Prozent ihres Emissionswerts. Allerdings erscheint es heute wahrscheinlich, dass Nordex in den kommenden Jahren die Zinsen an die Anleger ausschütten kann.

Das Anleihevolumen von 275 Millionen Euro macht derzeit weniger als ein Zehntel des erwarteten Jahresumsatzes für 2019 von 2,93 Milliarden Euro aus. Da Nordex 2020 wieder die Gewinnzone erreichen könnte, dürfte auch Geld in Rückstellungen fließen. Die Rückzahlung der Anleihe dürfte bei stabilen oder leicht steigenden Umsätzen sehr wahrscheinlich sein.

Fazit:

Für die Anleger würde das bedeuten: 6,5 Prozent Zinsen pro Jahr auf den Nennwert der Anleihe plus am Ende 100 Prozent Rückzahlung. Da Anleger für die Anleihe derzeit circa 91.000 Euro auf den Tisch legen müssen, würde eine Zinsausschüttung in Höhe von 6.500 Euro pro Jahr eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von 7,12 Prozent bedeuten.

Nur: Sollte Nordex wider Erwarten doch in Turbulenzen geraten, dann steht die Rückzahlung im Risiko. Von daher: Wer über 100.000 Euro investieren kann und damit nicht mehr als ein halbes bis ein Prozent seines Vermögens einsetzt, der hat mit der Anleihe ein nachhaltiges Investment, das sich im positiven Fall richtig lohnt.

Wer weniger investieren kann, dem bleibt die Aktie - sie ist nachhaltig und attraktiv. Aber Vorsicht: Sie ist auch sehr spekulativ.

Nordex SE: ISIN DE000A0D6554 / WKN A0D655

Nordex SE Senior Notes (18/23): ISIN XS1713474168 / WKN A2GSSM

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