Die meisten Blockheizkraftwerke werden mit Erdgas betrieben. Das verringert in der Energiekrise ihren Marktwert. / Foto: Luana

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Luana Blockheizkraftwerke Deutschland 4: Warum ist Biomethan keine Alternative für Erdgas? (Interview)

Wegen des massiven Anstiegs der Erdgaspreise haben sich die finanziellen Risiken für Betreiber von Blockheizkraftwerken deutlich erhöht. Das betrifft auch die Anlegerinnen und Anleger, die sich vor rund vier Jahren mit 8,8 Millionen Euro an „Blockheizkraftwerke Deutschland 4“ (BHKW 4) von Luana Capital beteiligt haben. Die Geschäftsführung der Beteiligungsgesellschaft hat ihnen nun den Verkauf der BHKW zu einem Preis vorgeschlagen, der für die Investoren einen Teilverlust ihres eingesetzten Kapitals bedeuten würde.

Bereits vor wenigen Wochen hatte die Geschäftsführung der Beteiligungsgesellschaft „Blockheizkraftwerke Deutschland 3“ (BHKW 3) ihren Anlegerinnen und Anleger den Verkauf der BHKW vorgeschlagen. Zu den Hintergründen hat ECOreporter Marc Banasiak hier befragt. Banasiak ist einer der zwei Luana-Gründer, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaften BHKW 3 und BHKW 4 sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Luana AG.

Was wird aus den anderen Luana-Angeboten?

Nach Angaben von Luana Capital haben die Anlegerinnen und Anleger von BHKW 3 dem Verkauf der BHKW inzwischen mit qualifizierter Mehrheit zugestimmt. Wie stellt sich die Situation für die Beteiligungsgesellschaft BHKW 4 dar? Ist das von der Bundesregierung beschlossene Erdgas-Soforthilfegesetze hilfreich? Kann die Beteiligungsgesellschaft von der Dezemberhilfe und der Gaspreisbremse profitieren? Wie sieht Luana die Perspektiven für die Emittentinnen der Angebote Luana BHKW 5 bis BHKW 7 sowie Energieversorgung Deutschland? Dazu hat ECOreporter erneut Marc Banasiak interviewt. Zudem erläutert Banasiak die Hintergründe der Finanzierung der Verkaufsangebote von BHKW 3 und BHKW 4 und welches Problem es bei Biomethan gibt.

Den Gesellschafterinnen und Gesellschaftern der Beteiligung „Blockheizkraftwerke Deutschland 4“ wurde von der Geschäftsführung der Beteiligungsgesellschaft „LCF Blockheizkraftwerke Deutschland 4 GmbH & Co. KG“ (kurz: Emittentin) der Vorschlag unterbreitet, dass die Emittentin ihre Blockheizkraftwerke verkauft und damit danach die Beteiligung beendet wird.

ECOreporter: Herr Banasiak, im Gegensatz zu der Beteiligung BHKW 3 ist bei BHKW 4 die geplante Laufzeit noch nicht erreicht, die prospektierte Mindestlaufzeit endet im Dezember 2024. Warum sollten die Anlegerinnen und Anleger einem vorzeitigen Verkauf jetzt zustimmen? Und wie hoch wäre voraussichtlich die Gesamtausschüttung, wenn die Investoren dem vorgeschlagenen Verkauf zustimmen würden?

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Marc Banasiak: Nachdem die Erdgaspreise im Vorjahr bereits um 440 Prozent gestiegen waren, haben sich die Preise in 2022 nochmals deutlich erhöht, und die zukünftige Entwicklung ist von erheblicher Unsicherheit geprägt. Wer zukünftig Energie erzeugen und veräußern will, muss dafür deutlich mehr Liquidität vorhalten. Wir werden es langfristig mit einem deutlich erhöhten Preisniveau zu tun haben.

Der Liquiditätsbedarf der Beteiligungsgesellschaft steigt nicht nur durch die hohen Erdgaspreise, sondern auch durch die zusätzlich ab Oktober 2022 anfallenden Umlagen überproportional an. E.ON, Entega und Enercity haben in der Woche des Gesetzesbeschlusses zum Erdgas-Wärme-Soforthilfegesetz (EWSG) noch einen Brandbrief an die Regierung verfasst, in dem sie die Umsetzbarkeit der Dezember-Hilfe in Frage stellen. Sie hatten dringende Änderungen an dem Gesetzentwurf verlangt, aufgrund der Folgen für die Liquidität. Das Gesetz ist allerdings ohne Änderungen beschlossen und vom Bundesrat gebilligt worden.


Marc Banasiak ist unter anderem Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft BHKW 4. / Foto: Luana

Im Ergebnis ist bei der Beteiligung „Blockheizkraftwerke Deutschland 4“ aus einem politisch geförderten Infrastruktur-Investment mit ausgereifter Technologie seit Ende Februar 2022 eine aktuell nicht mehr planbare Art der Energieversorgung geworden. Der Charakter der einstigen Beteiligung entspricht nicht mehr der jetzigen Situation. Die Gesamtausschüttung würde bei einer Zustimmung zum Verkaufsangebot bei rund 70 Prozent liegen. Darüber hinaus gibt es einen Besserungsschein, ausgestaltet als erfolgsabhängige zusätzliche Kaufpreiszahlung.

Der Staat übernimmt im Rahmen des Erdgas-Soforthilfegesetzes die im Dezember fälligen Abschlagszahlungen für Gas. Zudem soll mit der Gaspreisbremse voraussichtlich ab März 2022 für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs der Preis auf 12 Cent je Kilowattstunde gedeckelt werden. Ist damit das Risiko nicht deutlich verringert, dass die Emittentin von BHKW 4 Liquiditätsprobleme bekommt?

Die Beteiligungsgesellschaft muss ihre Erdgaskosten im Dezember wie gewohnt direkt begleichen. Sie hat keinen Anspruch auf Erstattung der Kosten für ihren Erdgaseinkauf, da sie unter § 2 Abs. 1 Nr. 2 des neuen Erdgas-Wärme-Soforthilfegesetz (EWSG) fällt. Sie ist einer der 1.500 Wärmeversorger, die „Erdgas für den kommerziellen Betrieb von Strom und Wärmeerzeugungsanlagen beziehen“. Aus diesem Grund sind unsere Juristen auch davon ausgegangen, dass die für März avisierte Preisbremse für den Gaseinkauf der Beteiligungsgesellschaft nicht greifen wird. Der am Dienstag erschienene Entwurf des Erdgas-Wärme-Preisbremsengesetzes (EWPBG) bestätigt dies.

Biomethan kommt in der Regel aus Deutschland, sodass es vom Stopp für russisches Erdgas nicht direkt betroffen ist. Wäre daher nicht der Umstieg von Erdgas auf Biomethan eine Option für die Beteiligungsgesellschaft BHKW 4?

Wir haben aufgrund der gestiegenen Preise für Erdgas Alternativen geprüft. Dabei war auch eine Umstellung der Standorte auf Biomethan in der Diskussion. Die Blockheizkraftwerke funktionieren nämlich grundsätzlich auch damit, und Biomethan korreliert grundsätzlich nicht mit dem Erdgasmarkt und den aktuellen Preisentwicklungen. 2020 war Biomethan noch rund dreimal so teuer wie Erdgas, derzeit ist es günstiger als Erdgas. Es besteht allerdings ein Beschaffungsproblem, da Biomethan aktuell einen Anteil von rund 2 Prozent der gesamten Gasmenge in Deutschland darstellt und damit ein deutlicher Nachfrageüberhang besteht. Mit anderen Worten: Wir bekommen Biomethan einfach nicht für die Standorte des BHKW 4.

Bei den Angeboten Luana BHKW 5 bis BHKW 7 sowie Energieversorgung Deutschland handelt es sich um Nachrangdarlehen. Daher haben die Anlegerinnen und Anleger bei den Angeboten kein Mitbestimmungsrecht. Wie sieht Luana die finanzielle Situation und die Perspektiven der Emittentinnen dieser Angebote? Wäre die Muttergesellschaft der Emittentinnen, die Luana Asset GmbH, bzw. deren Mutter Luana AG bereit, diese Gesellschaften notfalls mit zusätzlicher Liquidität auszustatten?

Es trifft diese Gesellschaften nicht in dem Maße, da in diesen Portfolios sukzessive eine Abkehr vom Erdgas stattgefunden hatte und somit teilweise BHKW dort bereits mit Biomethan geplant waren und darüber hinaus sowohl Photovoltaikanlagen als auch Wärmepumpen zur Energieversorgung installiert worden sind. Die Luana AG wird die notwendigen Maßnahmen ergreifen und die Liquidität erhöhen.

Sind aufgrund der unsicheren Situation für mit Erdgas betriebene BHKW Banken und andere Fremdkapitalgeber bei der Finanzierung deutlich vorsichtiger geworden? Wie kann Luana einen Kauf der Portfolien von BHKW 3 und BHKW 4 finanzieren?

Wir haben in der Luana Gruppe Anfang 2022 den Zuschlag von der Bundesnetzagentur für die Errichtung und den Betrieb von vier großen BHKW mit 16 Megawatt elektrischer Leistung erhalten, die unter dem Erneuerbare-Energien-Gesetz einspeisen. Diese haben ein Finanzierungsvolumen von etwa 14 Millionen Euro. Die Projekte laufen nicht mit Erdgas, sondern mit Biomethan. Entsprechende Kontingente wurden für zehn Jahre gesichert. Es ist uns gelungen, die Finanzierungsanfrage unter anderem für die Beteiligungsgesellschaften BHKW 3 und BHKW 4 zu erweitern.

Die Anforderungen seitens des Finanzierers sind hoch. Zum Beispiel wird eine Überkreuzbesicherung vorausgesetzt; das heißt die einzelnen Portfolios besichern sich gegenseitig. Anders formuliert: Das aktuell als „sicher“ eingestufte Biomethan-Portfolio besichert das Erdgasportfolio. Wir als Luana AG müssen im Rahmen der Finanzierungszusage zusätzlich für etwa 1 Million Euro bürgen und weiteres Eigenkapital von 10 Prozent mitbringen. Gewinne der Gesellschaft fließen zunächst dem Finanzierer zu.

Die Luana AG bzw. ihre zu gründende Tochter, die das Portfolio kaufen soll, übernimmt das volle operative Risiko. Die Tochter wird in dem Fall eine deutlich höhere Liquidität vorhalten, als es aktuell bei der Beteiligungsgesellschaft der Fall ist, und so die zusätzliche Liquiditätsbelastung aus der Vorfinanzierung des Erdgaseinkaufs deutlich besser überbrücken können.

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