Ørsted hat seinen Gewinn aus Offshore-Anlagen gesteigert. / Foto: Ørsted

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie

Massive Kapitalerhöhung angekündigt: Orsted-Aktie verliert mehr als 20 %

Der dänische Energiekonzern Ørsted hat im ersten Halbjahr 2025 seinen Gewinn deutlich steigern können. Überschattet werden die Zahlen allerdings von der Ankündigung einer milliardenschweren Kapitalerhöhung.

In den ersten sechs Monaten steigerte Ørsted das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 10 Prozent auf 15,5 Milliarden Dänische Kronen (2 Milliarden Euro). Das Unternehmen erklärte, man habe "gute Fortschritte in unserem gesamten Bauportfolio planmäßig erzielt".

Fortschritte beim Anlagenbau

In den USA wurden demnach 70 Prozent der Offshore-Windkraftanlagen des Windparks Revolution Wind installiert und die ersten Fundamente des Projekts Sunrise Wind gesetzt. Darüber hinaus habe man erfolgreich die erste Stromproduktion der taiwanesischen Offshore-Windparks Greater Changhua 2b und 4 erreicht, was laut Ørsted einen wichtigen Meilenstein für das Projekt darstellt.

Für einen Überblick zur Windenergiebranche lesen Sie unseren zweiteiligen Überblick zu Windaktien.

Wie ECOreporter die Ørsted-Aktie derzeit einschätzt, erfahren Sie im folgenden Premium-Bereich.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 8,2 Milliarden Kronen (1,1 Milliarden Euro), im Vergleich zu lediglich 931 Millionen Kronen im Vorjahreszeitraum. 2024 musste Ørsted im ersten Halbjahr massive Wertberichtigungen vornehmen. Allerdings stieg auch der Gewinn aus den Offshore-Standorten mit 12,5 Milliarden Kronen um 1,1 Milliarden Kronen gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Der Anstieg ist laut Unternehmen hauptsächlich auf die Hochfahrphase beim deutschen Nordsee-Windpark Gode Wind 3, Entschädigungen für Netzverzögerungen bei Borkum Riffgrund 3 und eine höhere Verfügbarkeit zurückzuführen. Dafür belasteten geringere Windgeschwindigkeiten.

Im ersten Halbjahr 2025 habe man sich "weiterhin auf die Effizienz unserer Organisation und die Steigerung unserer Wettbewerbsfähigkeit konzentriert", so Ørsted. 2025 und 2026 werde der Konzern seine Organisation weiter verschlanken und Kosten senken, um "im Rahmen unserer Erfolgsformel für die Zukunft wettbewerbsfähiger und flexibler zu werden".

Zwischen Januar und Juni gehörte zu den Schritten zur Effizienzsteigerung vor allem die Einstellung des Offshore-Projekts Hornsea 4 und die Entscheidung, in naher Zukunft nicht an den dänischen Ausschreibungen für die CO₂-Abscheidung und -Speicherung (CCS) teilzunehmen. Zudem hat Ørsted den Verkaufsprozess für eine mögliche vollständige Veräußerung seines europäischen Onshore-Geschäfts eingeleitet, also den Bestand von Windkraftanlagen an Land.

Die Prognose für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern. Ørsted erwartet weiterhin ein EBITDA von 25 bis 28 Milliarden Kronen (3 bis 4 Milliarden Euro) ohne Erträge aus neuen Partnerschaftsvereinbarungen und Auswirkungen von Stornierungsgebühren. Der Konzern will weiterhin 50 bis 54 Milliarden Kronen investieren.

Die Zahlen wurden allerdings durch die Ankündigung einer Kapitalerhöhung praktisch zur Nebensache. Ørsted will über die Ausgabe neuer Aktien demnach 60 Milliarden Dänische Kronen (8 Milliarden Euro) einsammeln. Das entspricht etwa 46 Prozent der Marktkapitalisierung des Unternehmens auf Basis des Schlusskurses in Kopenhagen vom Freitag.

Wesentlich gestützt werden die Pläne durch den dänischen Staat: Dieser hat sich laut Ørsted verpflichtet, 50,1 Prozent an der Bezugsrechtsemission zu zeichnen. Auch bestehenden Aktionären soll ein Bezugsrecht eingeräumt werden.

Einen konkreten Platzierungspreis für die neuen Aktien nannte der Konzern noch nicht. Die Genehmigung der umfangreichen Kapitalmaßnahme will Ørsted auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 5. September von den Aktionären erhalten.

"Die heute angekündigte Bezugsrechtsemission wird die Kapitalstruktur von Ørsted stärken und uns in den Jahren 2025 bis 2027, in denen wir unser Offshore-Windkraftportfolio von 8,1 GW realisieren werden, finanzielle Stabilität verschaffen", erklärte der Konzern in einer Mitteilung.

Kapitalerhöhung setzt Aktie unter Druck

Die Kapitalerhöhung wird zu einer deutlichen Verwässerung der bestehenden Aktien führen. Sind mehr Aktien am Markt, verteilt sich auch der Gewinn über eine größere Zahl von Anteilsscheinen. Das setzt die Aktie aktuell massiv unter Druck: Im Tradegate-Handel ist diese momentan 22,6 Prozent im Minus zum Freitag und kostet 30,83 Euro (Stand: 11.6.2025, 10:08 Uhr). Im Monatsvergleich hat die Aktie 17,1 Prozent eingebüßt, in den letzten zwölf Monaten ging es für den Kurs 45,3 Prozent abwärts.

Ørsted leidet schon seit Jahren unter stark gestiegenen Kosten für neue Windprojekte. Hinzu kommen Probleme im wichtigen US-Markt, dessen Aussichten unter Präsident Donald Trump unklar sind. Seit 2020 geht es für die Aktie nahezu beständig abwärts, auf fünf Jahre gesehen hat sie 75 Prozent an Wert verloren. Zuletzt hatte der Kurs seit April eine leichte Erholung verzeichnet.

ECOreporter sieht Ørsted trotz der aktuellen Probleme solide aufgestellt. Das Unternehmen schaffte 2024 die Rückkehr in die schwarzen Zahlen, verfügt weltweit über eine gute Marktposition und dürfte langfristig vom weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien profitieren. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie ist mit 15 für 2025 vertretbar.

Risikoaffine Anlegerinnen und Anleger können den Einstieg nach wie vor wagen. Sie sollten allerdings mindestens für die nächsten dreieinhalb Trump-Jahre starke Nerven und viel Geduld mitbringen.

Ørsted A/S:  ISIN DK0060094928 / WKN A0NBLH

(Aktuelle Kursdaten zu der Aktie erhalten Sie, wenn Sie auf das Symbol hinter der WKN klicken.)

Verwandte Artikel

11.07.25
 >
03.07.25
 >
19.08.26
 >
18.08.26
 >
21.05.25
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x