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Mikrofinanzfonds: Verbraucherzentrale verklagt Invest in Visions
Die Verbraucherzentrale Hamburg wirft dem Frankfurter Mikrofinanzanbieter Invest in Visions irreführende Werbung vor und hat deshalb Klage vor dem Landgericht Frankfurt eingereicht. Invest in Visions weist die Anschuldigungen zurück.
Konkret geht es um den 2011 gestarteten IIV Mikrofinanzfonds von Invest in Visions. Die Verbraucherzentrale wirft dem Unternehmen vor, Verbraucherinnen und Verbraucher über die nachhaltige Wirkung des Fonds zu täuschen. Invest in Visions suggeriere in seiner Werbung, dass mit einer Investition in den Mikrofinanzfonds Armut bekämpft, eine soziale Wirkung erzielt sowie ein Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen erreicht werde. Dies habe Invest in Visions bislang nicht belegen können.
„Ein klarer Fall von Impact Washing“
„Dass aufgrund der Mikrokreditvergabe tatsächlich Armut reduziert, Geschlechtergerechtigkeit verbessert, Arbeitsplätze gefördert oder Ungleichheiten bekämpft werden, wird von IIV gar nicht überwacht“, heißt es in einer Pressemeldung der Verbraucherzentrale. „Ein messbarer Beitrag zu einer Verbesserung der sozialen oder wirtschaftlichen Lage der Kreditempfänger ist mit den vom Anbieter zusammengetragenen Daten nicht feststellbar. Ein klarer Fall von Impact Washing.“
Die Verbraucherzentrale Hamburg hält die Einordnung des IIV Mikrofinanzfonds als anspruchsvollen nachhaltigen Fonds nach Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung für unzulässig. Da Invest in Visions nicht bereit war, eine entsprechende Unterlassungserklärung abzugeben, soll der Fall jetzt vor Gericht gehen.
„Ein wichtiges Mittel zur Bekämpfung von Armut“
„Wir weisen die Anschuldigungen der Verbraucherzentrale Hamburg entschieden zurück“, teilt Invest in Visions auf Anfrage von ECOreporter mit. „Mikrofinanzkredite leisten einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Armut in der Welt. Der Zugang zu Finanzdienstleistungen (Finanzielle Inklusion) ist ein wichtiges Mittel zur Bekämpfung von Armut und Ungleichheiten. Expertinnen und Experten der Entwicklungspolitik – u.a. die Vereinten Nationen – bewerten dies ebenso. Daher haben die Vereinten Nationen dies auch in verschiedene Unterziele ihrer Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz: SDGs) aufgenommen.“
Als Beispiele nennt Invest in Visions die SDGs 1 („Armut in jeder Form und überall beenden“), 5 („Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen“), 8 („Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern“) und 10 („Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern“).
„Weltfremd und kontraproduktiv“
Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Ein allgemeiner Zusammenhang zwischen der Verbreitung von Mikrofinanz und einer Abnahme von Armut und Ungleichheit wurde durch mehrere makroökonomische Studien belegt. Dass darüber hinaus die Wirkung vergebener Kredite auf einzelne Darlehensnehmer zu messen sei – wie es die Verbraucherzentrale Hamburg fordert –, ist nach derzeitigem Stand der Wissenschaft nicht möglich. Ein solches Verfahren müsste schließlich die Wirkung des Kredits isoliert von allen anderen Einflussfaktoren im Leben eines Darlehensnehmers abbilden können. Ein solches von der Verbraucherzentrale gefordertes Verfahren gibt es nicht und kann es nicht geben! Daher ist die Forderung der Verbraucherzentrale weltfremd und kontraproduktiv. Invest in Visions lässt regelmäßig seinen Prozess zum Impact-Management von einer internationalen unabhängigen Prüfgesellschaft überprüfen.“
Als Belege für die positive Wirkung von Mikrofinanz nennt Invest in Visions folgende Studienquellen: Emily Breza / Cynthia Kinnan (2018), „Measuring the Equilibrium Impacts of Credit: Evidence from the Indian Microfinance Crisis“; Katsushi Imai et al., „Microfinance and Poverty. A Macro Perspective“, in: „World Development 40“ (2012); Lansana Bangoura et al., „Impact of Microfinance on Poverty and Inequality. A Heterogeneous Panel Causality Analysis“, in: „Revue d’économie politique 126“ (2016), S. 789 - 818; Maricruz Lacalle-Calderón et al., „Microfinance and income inequality: New macrolevel evidence“, in: „Review of Development Economics 23“ (2019), S. 860 - 876; Asma Boussetta, „Microfinance, Poverty and Education“, in: „Comparative Economic Studies“ (2021); Kamel Ben Hadj Miled / Moheddine Mounsi / Monia Landolsi, „Does microfinance program innovation reduce income inequality? Cross-country and panel data analysis“, in: „Journal of Innovation and Entrepreneurship 11“ (2022).
ECOreporter hat den IIV Mikrofinanzfonds und drei weitere Mikrofinanzfonds hier eingehend getestet. Die Redaktion schätzt alle vier Fonds als sehr nachhaltig ein.