Obwohl insbesondere Öl- und Kohleaktien stark zulegten, haben sich nachhaltige Fonds 2022 nicht schlechter entwickelt als herkömmliche. / Foto: Pixabay

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Nachhaltige Fonds bleiben beliebt und attraktiv

Trotz der allgemeinen Börsenschwäche ist die Nachfrage nach nachhaltigen Fonds auch 2022 weiter gestiegen. Wie grün diese Fonds tatsächlich sind, bleibt allerdings umstritten.

Nach Angaben des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) legte das Gesamtvolumen nachhaltiger Fonds im letzten Jahr um 12 Prozent auf 739 Milliarden Euro zu. Der BVI berücksichtigte in seinen Berechnungen alle Fonds, die nach Artikel 8 oder 9 der EU-Offenlegungsverordnung als nachhaltig ausgewiesen sind. Diese Fonds machen mittlerweile 47 Prozent des gesamten Vermögens von Publikumsfonds aus.

Laut dem Branchenverband haben in der zweiten Jahreshälfte Fondsanbieter mehr als 20 Prozent ihrer Artikel-9-Fonds auf Artikel 8 heruntergestuft, nachdem die EU die Anforderungen an Artikel-9-Fonds erhöht hatte. Gleichzeitig wandelten die Anbieter 10 Prozent ihrer herkömmlichen Fonds in Nachhaltigkeitsfonds nach Artikel 8 um. Laut BVI gibt es mittlerweile ungefähr 6.000 Publikumsfonds, die als nachhaltig gemäß der Offenlegungsverordnung beworben werden.

Nachhaltigkeit ist auch aus Renditesicht eine gute Idee

Finanziell sind grüne Fonds im letzten, sehr schlechten Börsenjahr vergleichsweise solide gelaufen. Über alle wichtigen Anlageklassen hinweg (Aktien, Anleihen, Sachwerte, Währungen) verloren nachhaltige Fonds nach Berechnungen des BVI 10 Prozent an Wert. Bei herkömmlichen Fonds betrug das Minus 13 Prozent. Die Differenz rührt nach Angaben des Verbands vor allem daher, dass Aktien in grünen Fonds eine nicht ganz so große Rolle spielen wie in herkömmlichen. Aktien hatten sich 2022 schlechter entwickelt als Anleihen oder Sachwerte. Bei der Wertentwicklung in den einzelnen Anlageklassen gab es laut BVI kaum Unterschiede zwischen nachhaltigen und nicht-nachhaltigen Produkten.

Auch wenn die EU ihre Anforderungen an Artikel-8/9-Fonds in den letzten Monaten verschärft hat: Die Anbieter dürfen ihre Produkte weiterhin selbst in eine der Nachhaltigkeitsschubladen einsortieren, viele Kriterien sind im Detail weiter unklar, und eine unabhängige Qualitätskontrolle findet bislang kaum statt. ECOreporter bleibt daher bei seiner Einschätzung, dass eine Einstufung nach Artikel 8 oder 9 für sich genommen wenig über die tatsächliche Nachhaltigkeit eines Fonds aussagt. Mehr dazu können Sie unter anderem hier lesen.

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