Eine Filiale der von United Natural Foods übernommenen US-Supermarktkette SuperValu. / Foto: Unternehmen

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien

Nachhaltiges Investieren: Bis zu 58 % Plus mit veganen Aktien

Seit Sommer 2017 verfolgt ECOreporter die Entwicklung einiger ausgewählter veganer Aktien. Welche von ihnen konnten in den letzten drei Monaten im Kurs zulegen – und welche schwächelten?

Was sollte man unter einer veganen Aktie genau verstehen? Viele Unternehmen stellen tierfreie Produkte her – etwa der Technologiekonzern Siemens oder der Windradbauer Vestas. Dennoch würde ein vegan lebender Mensch Aktien dieser Unternehmen nicht als "vegan" bezeichnen.

Das wäre genauso, als wenn man ein Handy als veganes Produkt bewerben würde. Plausibler ist es, Unternehmen als vegane Firmen einzustufen, wenn sie vorrangig Lebensmittel ohne Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs herstellen.

ECOreporter hat hier eine Reihe von Unternehmen vorgestellt, die in dieses Raster fallen. Hundertprozentig vegan sind allerdings die wenigsten von ihnen. Der Bio-Lebensmittel-Großhändler United Natural Foods verkauft beispielsweise auch tierische Produkte in Bio-Qualität. John B. Sanfilippo & Son stellt neben Nüssen Snacks mit Schokolade und anderen Milcherzeugnissen her. Und der Bio-Lebensmittelkonzern Hain Celestial führt auch nicht vegane Marken. Immerhin: Der Fleischersatzhersteller Beyond Meat, den ECOreporter seit dem Börsengang Anfang Mai 2019 beobachtet, hat in seinem Sortiment nur vegane Produkte.

Der globale Aktienindex MSCI World hat seit Anfang Juni 3,5 Prozent an Wert gewonnen. Besser schnitten nur drei vegane Unternehmen ab – das beste schaffte in den letzten drei Monaten ein Plus von mehr als 58 Prozent.

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Die Gewinner

Beyond Meat Inc.: Plus 137 Prozent seit Anfang Mai

Die Aktie des veganen Fleischersatzherstellers Beyond Meat hat ihren Höhenflug in den letzten drei Monaten fortgesetzt. Seit Anfang Juni ist der Kurs um 58,6 Prozent gestiegen, seit dem Börsengang Anfang Mai beträgt das Plus fast 137 Prozent.

Ende August hat das US-Unternehmen einen Kooperationsvertrag mit der Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) abgeschlossen (ECOreporter berichtete hier). Sollten Markttests positiv verlaufen, will KFC in allen US-Filialen das Hühnerfleischimitat "Beyond Fried Chicken“ anbieten.

Beyond Meat schreibt bislang noch rote Zahlen. Erste Gewinne werden frühestens für 2020 erwartet.

ECOreporter bleibt bei seiner Einschätzung: Beyond Meat ist ein spannendes Unternehmen, aber viel zu hoch bewertet. Und die Konkurrenz schläft nicht – zahlreiche andere Anbieter, darunter auch mehrere Großkonzerne, drängen derzeit in den Markt der veganen Fleischersatzprodukte. Wer Beyond Meat-Aktien in seinem Depot hat, kann in Erwägung ziehen, einen Teil der Papiere zu verkaufen und bislang erzielte Kursgewinne mitzunehmen.

John B. Sanfilippo & Son Inc.: Die Kostenbremse greift

Der US-Nussproduzent John B. Sanfilippo hat seine hohen Betriebskosten endlich in den Griff bekommen. Im Geschäftsjahr 2019, das Ende Juni abgeschlossen wurde, sank zwar der Umsatz von 889 auf 876 Millionen US-Dollar. Unter dem Strich blieb aber ein Nettogewinn von 39,5 Millionen US-Dollar. 2018 waren es nur 32,5 Millionen US-Dollar gewesen. Für das abgelaufene Geschäftsjahr schüttet das Unternehmen eine Dividende von 2,55 US-Dollar (2,31 Euro) je Aktie aus.

Der Kurs der John B. Sanfilippo-Aktie ist in den letzten drei Monaten um mehr als 24 Prozent gestiegen. In den vergangenen Jahren war die Aktie großen Wertschwankungen unterworfen. Aktuell ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mit 27 vergleichsweise hoch. Die Aktie eignet sich in erster Linie für risikofreudige Anleger, die zwischenzeitliche Kursverluste verkraften können.

Natura & Co. S.A.: Nettogewinn fast verdoppelt

Der brasilianische Naturkosmetikkonzern Natura hat in der ersten Jahreshälfte 2019 einen Umsatz von umgerechnet 1,55 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet – 9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn verdoppelte sich fast von 13,7 auf 26,5 Millionen US-Dollar.

Das Unternehmen, dem unter anderem die Handelskette The Body Shop gehört, hatte Ende Mai die Übernahme des britischen Konkurrenten Avon Products bekannt gegeben (Kostenpunkt: 3,3 Milliarden US-Dollar). Natura steigt dadurch zum viertgrößten reinen Kosmetikkonzern der Welt auf. Die Übernahme soll bis Anfang 2020 abgeschlossen sein.

Natura steht wirtschaftlich gut da. Mit einem erwarteten KGV für 2019 von 48 ist die Aktie momentan aber hoch bewertet. Anleger sollten einen langen Anlagehorizont mitbringen oder auf sinkende Kurse warten, bevor sie einsteigen.

Die Verlierer

United Natural Foods Inc.: Mehr als 70 Prozent Minus in einem Jahr

Die Aktie des umsatzstärksten US-Bio-Lebensmittel-Großhändlers United Natural Foods (UNF) hat in den letzten drei Monaten weiter an Wert verloren. Seit Anfang Juni ist der Kurs um 8,5 Prozent gesunken, auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Aktie mehr als 70 Prozent im Minus. Anfang August hat die Canadian Bank Of Montreal ihren Zielkurs für UNF auf umgerechnet 4,52 Euro halbiert. Aktuell notiert die Aktie im Tradegate-Handel bei 8,33 Euro (9.9., 14:10 Uhr).

UNF hatte nach der Übernahme der US-Supermarktkette SuperValu im Sommer 2018 umfangreiche Umstrukturierungsmaßnahmen in die Wege geleitet, die nach wie vor nicht abgeschlossen sind. Gesunkene Margen und zwischenzeitliche Probleme in der Lieferkette drückten in den letzten Quartalen auf das Ergebnis. Für das Geschäftsjahr 2019 wird ein Verlust im dreistelligen Millionenbereich erwartet.

ECOreporter bleibt bei seiner Einschätzung: Die UNF-Aktie eignet sich nur für sehr risikoaffine Anleger, die von einer nachhaltigen Erholung des Unternehmens ausgehen und die derzeit niedrige Bewertung der Aktie als Chance sehen.

Herbalife Inc.: Vertriebsprobleme in China

Im zweiten Quartal 2019 ging der Umsatz von Herbalife im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 1,29 auf 1,24 Milliarden US-Dollar zurück. Der Nettogewinn sank von 94,4 auf 76,5 Millionen US-Dollar.

Der US-Diätproduktehersteller hat mit Vertriebsschwierigkeiten in seinem wichtigsten Wachstumsmarkt China zu kämpfen. Umfangreiche staatliche Inspektionen behinderten in den letzten Monaten die dortige Direktvermarktung von Herbalife-Produkten. 2018 war China der zweitgrößte Markt für das Unternehmen gewesen.

Branchenfachleute befürchten, dass die chinesische Regierung das bisherige Direktvertriebsmodell von Herbalife dauerhaft untersagen wird. Das würde den Konzern empfindlich treffen und wahrscheinlich auch den Aktienkurs weiter belasten (in den letzten drei Monaten betrug das Minus 12 Prozent). Anleger sollten bis auf Weiteres keine Herbalife-Aktien kaufen.

SunOpta Inc.: Wann wird der Abwärtstrend gestoppt?

SunOpta kommt nach wie vor nicht aus den roten Zahlen heraus. Im zweiten Quartal 2019 lag der Umsatz des kanadischen Bio-Lebensmittelunternehmens bei 293 Millionen US-Dollar – im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 319 Millionen US-Dollar gewesen. Der Nettoverlust stieg von 3,1 auf 8,9 Millionen US-Dollar.

SunOpta hat sich vor einigen Monaten von seiner defizitären Soja/Mais-Sparte getrennt. Noch wirkt sich dies jedoch nicht positiv auf die Geschäftszahlen und den Aktienkurs aus. In den letzten drei Monaten hat die Aktie um mehr als 37 Prozent nachgegeben. Seit September 2018 ist der Kurs um über 65 Prozent gefallen.

Wie sich SunOpta weiter entwickeln wird, ist derzeit schwer abzuschätzen. Anleger sollten abwarten, bis die derzeit laufenden Umstrukturierungsprozesse abgeschlossen sind und die Aktie einen Boden gebildet hat.

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