Nel Asa stellt Wasserstoff her und installiert etwa Tankstellen für den Energieträger. / Foto: imago images, Ritzau Scanpix

  Nachhaltige Aktien

Nel Asa: Rekordumsatz und hoher Verlust – Ausblick verhalten

Der norwegische Wasserstoffspezialist Nel hat mit seinen Zahlen zum vierten Quartal 2021 die Erwartungen übertroffen – in positiver wie negativer Hinsicht. Zwar stieg der Umsatz auf Rekordniveau und auch stärker, als von Analysten prognostiziert. Gleichzeitig fiel auch der Verlust noch höher aus als im Vorfeld geschätzt. Auch auf das Gesamtjahr gesehen steckt das Unternehmen tief in den roten Zahlen.

Bei der Auftragslage betont Nel zwar eine starke Entwicklung im abgelaufenen Jahr. Allerdings warnt das Unternehmen davor, dass Unterbrechungen in den Lieferketten sowie weitere Auswirkungen der Corona-Pandemie die Geschäfte auch in den kommenden Monaten negativ beeinflussen könnten.

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Für das finale Quartal 2021 meldete Nel einen Rekordumsatz von 248 Millionen Norwegischen Kronen (NOK; 24,5 Millionen Euro) und übertraf damit sowohl die Erwartungen (242,4 Millionen NOK) als auch das Vorjahresergebnis von 229 Millionen NOK. Der Verlust je Aktie lag hingegen bei 0,18 NOK (0,02 Euro) nach einem Gewinn von 0,90 NOK je Aktie im Vorjahreszeitraum.

Dass es rote Zahlen geben würde, war im Vorfeld zwar klar gewesen. Allerdings hatten Analysten im Schnitt nur ein Minus von 0,13 NOK je Aktie erwartet.

Corona sorgt für negativen Ausblick

Für das Gesamtjahr gingen Branchenexperten im Durchschnitt von einem Verlust von 1,57 Milliarden NOK aus. Auch hier lag das tatsächliche Minus mit 1,67 Milliarden NOK (165 Millionen Euro) höher. Der Umsatz stieg 2021 von 652 auf 798 Millionen NOK (79 Millionen Euro) – das wiederum war weniger als die von Analysten geschätzten 810 Millionen NOK.

Die Pipeline potenzieller Aufträge wuchs laut Unternehmen weiter und erreichte mit mehr als 12 Milliarden US-Dollar ein Rekordniveau. Die Pipeline umfasst demnach mehr als 22 Gigawatt installierte Elektrolyseurkapazität (Elektrolyseure sind Geräte zur Wasserstoffherstellung) und über 1.000 Projekte. "Die Projekte werden deutlich größer, die Kunden diversifizierter, und der geografische Markt wird breiter", heißt es von Nel-Chef Jon André Løkke in der entsprechenden Pressemitteilung.

Ein besonderer Erfolg sei die Aufnahme der Produktion in Herøya, Norwegen, der weltweit ersten und größten vollautomatischen Anlage zur Herstellung von Elektrolyseuren. Die Anlage sei im Zeit- und Kostenrahmen fertiggestellt worden und produziere im Dreischichtbetrieb mit neuen Produktionsrekorden pro Woche.

Nel habe zudem ein Standortauswahlverfahren für eine große PEM- und alkalische Anlage in den USA eingeleitet. Ziel ist, bis 2025 eine globale Produktionskapazität in den USA, Europa und Asien aufzubauen. PEM steht für "Proton Exchange Membrane", und bezeichnet eine spezielle Version einer Elektrolyseur-Anlage – also einer Anlage, die Wasser durch Zuführung von elektrischer Energie in gasförmigen Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt.

Gleichzeitig erklärte Nel, die Geschäftsentwicklung des Unternehmens werde voraussichtlich vorerst weiterhin negativ beeinflusst werden. Der Grund dafür seien Unterbrechungen in der Lieferkette sowie Einschränkungen durch die Corona-Pandemie.

Spekulative Aktie im Sinkflug

Die Nel-Aktie kostet im Tradegate-Handel aktuell 1,19 Euro und notiert damit zum Vortag praktisch unbewegt (Stand: 23.2.2022, 9:41 Uhr). Auf Monatssicht hat die Aktie 7,6 Prozent an Wert verloren, im Jahresvergleich ist sie 54,2 Prozent im Minus.

Die Aktie steckt seit einem Jahr in einer anhaltenden Korrekturbewegung fest, Ausbruchsversuche nach oben endeten stets mit erneuten Abstürzen auf ein noch etwas tieferes Niveau. Im vergangenen Jahr ging der Wasserstoffspezialist bei einigen Projektvergaben leer aus, was Profi-Anleger verstimmte.

Angesichts des russischen Einmarsches in die Ukraine und der unsicheren Stimmung an den Börsen dürften spekulative Werte wie die Nel-Aktie zudem weniger stark nachgefragt sein – Investoren hatten sich zuletzt bereits vermehrt aus ihrer Sicht krisenfesteren Aktien oder anderen Anlageprodukten zugewandt. Im Moment spricht daher auch bei einem langfristigen Anlagehorizont und entsprechendem Risikobewusstsein wenig für einen Einstieg bei Nel.

Der Wasserstoffsektor ist für Anlegerinnen und Anleger grundsätzlich riskant. Eine tiefergehende Analyse zu börsennotierten Unternehmen der Wasserstoffbranche und ihrer verschiedenen Geschäftsfelder können Sie im ECOreporter-Dossier Von Bloom Energy bis Linde: Das sind die besten Wasserstoff-Aktien lesen.

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