Nikola setzt für seine Wasserstofftankstellen offenbar nicht länger auf Nel. / Foto: Unternehmen

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Nikola schließt Partnerschaft für Wasserstofftankstellen – Nel bleibt außen vor

Der Elektrofahrzeug-Hersteller Nikola hat mit dem Synthetik-Treibstoffhersteller Opal Fuels eine Absichtserklärung über den Bau und Betrieb von Wasserstofftankstellen in Nordamerika unterzeichnet. Überraschend kommt damit nicht Nikolas bisheriger Wasserstoff-Partner Nel zum Zug.

Im Rahmen der vorläufigen Vereinbarung wollen Nikola und Opal Fuels gemeinsam die Technologie entwickeln, die erforderlich ist, um die Einführung von Elektrofahrzeugen mit Brennstoffzellen zu beschleunigen. Außerdem wollen sie die Verwendung von erneuerbarem Erdgas erforschen.

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Nikola und Opal Fuels wollen sich nach eigener Aussage zunächst auf die Infrastruktur für private Transportunternehmen konzentrieren. Dann soll geprüft werden, wie sinnvoll ein öffentliches Netz für Wasserstofftankstellen wäre. Bis heute hat Opal mehr als 350 Tankstellen für erneuerbares Erdgas gebaut.

Doch kein Tankstellennetz mit Nel

Mit der neuen Kooperation scheint überraschend der norwegische Wasserstoffhersteller Nel bei Nikola nicht mehr gefragt zu sein. Ursprünglich hatten beide Konzerne angekündigt, in den USA gemeinsam das größte Wasserstoff-Tankstellennetz der Welt aufbauen zu wollen. Mitte vergangenen Jahres hatte Nikola Elektrolyseanlagen zur Wasserstoffherstellung und fünf Wasserstofftankstellen zu Testzwecken bei Nel bestellt. Am Markt war man davon ausgegangen, dass dies lediglich den Beginn der Kooperation markierte – nun könnte es bereits deren Ende sein.

Nikola hat sich zudem frisches Kapital besorgt: Bereits im Juni hatte der E-Fahrzeugbauer eine Vereinbarung über den Verkauf von Aktien im Wert von bis zu 300 Millionen Dollar an die Investmentbank Tumim Stone Capital geschlossen. Nun hat Nikola einen zweiten Kaufvertrag mit der Bank unterzeichnet, wodurch sich das Gesamtvolumen auf 600 Millionen Dollar erhöht.

Nikola plant noch in diesem Jahr den Start der Kleinserienfertigung des batterieelektrischen Lkws Nikola Tre in Ulm. Die ersten Exemplare sollen an ausgewählte Kunden in den USA gehen. Im kommenden Jahr ist die Markteinführung des Tre in Europa vorgesehen. Unter anderem soll der Hamburger Hafen Pilotkunde werden. Mittelfristig ist geplant, die Produktion in Ulm auf 3.000 Fahrzeuge pro Jahr zu erhöhen.

Die Nikola-Aktie ist im Tradegate-Handel aktuell 0,5 Prozent im Minus zum Freitag und kostet 9,12 Euro (Stand: 4.10.2021, 11:07 Uhr). Auf Monatssicht hat die Aktie 0,8 Prozent an Wert gewonnen, im Jahresvergleich ist sie 55,5 Prozent im Minus.

Noch immer keine Produktion bei Nikola

Pläne für den Beginn der Produktion in diesem Jahr stehen bei Nikola, das weiterhin noch keinen Umsatz macht, schon länger – doch noch immer scheint die Fertigung nicht angelaufen zu sein. Stattdessen wurde die angekündigte Zahl von geplanten Fahrzeugen von 50 bis 100 auf 25 bis 50 reduziert. Die Staatsanwaltschaft New York hat Nikolas Gründer und Ex-Chef Trevor Milton zudem wegen Betrugs angeklagt. Milton soll Aktionäre über den technischen Stand von Nikola-Prototypen getäuscht haben, um den Aktienkurs in die Höhe zu treiben. Milton weist die Vorwürfe zurück, er musste aber wegen der Affäre bereits als Nikola-Chef zurücktreten.

ECOreporter rät Anlegerinnen und Anlegern, die Finger von Nikola-Aktien zu lassen.

Die Nel-Aktie notiert aktuell im Vergleich zum Freitag 2,8 Prozent im Minus und steht bei 1,28 Euro (Stand: 4.10.2021, 11:07 Uhr). Im Monatsvergleich ist sie 8,8 Prozent im Minus, im Jahresvergleich hat sie 18,3 Prozent an Wert eingebüßt.

Der Nel-Kurs hat in diesem Jahr bereits deutlich gelitten, seit Januar steckt die Aktie in einer anhaltenden Korrektur fest. Hinzu kommen Projektabsagen und ausbleibende Aufträge, auch wenn sich Nel zuletzt den Zuschlag für ein Prestigeprojekt in Schottland sicherte. Auch diese Nachricht konnte allerdings keine Trendwende einleiten. Dass die Kooperation mit Nikola offenbar nicht ausgeweitet wird, ist ein weiterer Rückschlag. Aktuell bietet die Nel-Aktie kaum attraktive Aussichten.

ECOreporter rät bei Aktien von Unternehmen aus dem Wasserstoffsektor allerdings grundsätzlich zur Vorsicht. Einen Massenmarkt für grüne Wasserstofflösungen wird es wahrscheinlich nicht vor 2030 geben. Wer Aktien aus der Branche kauft, geht eine langfristige Wette auf die Entwicklung einer noch nicht konkurrenzfähigen Technologie ein.

Einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Wasserstoffaktien finden Sie hier.

Nikola Motors: ISIN US6541101050 / WKN A2P4A9

Nel ASA:  ISIN NO0010081235 / WKN A0B733

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