In unsicheren Börsenzeiten spekulieren viele Leerverkäufer auf Kursverluste, etwa beim Elektroautobauer Fisker. / Foto: Fisker

  Nachhaltige Aktien

Encavis, Nordex, Beyond Meat, Fisker & Co. – Vorsicht vor Shortseller-Attacken!

Nachhaltige Aktien sind ein spannendes Investment-Thema – auch für Leerverkäufer, die nach den hohen Zuwächsen grüner Aktien in den letzten Jahren derzeit verstärkt auf fallende Kurse wetten. Aktuell sind mehrere nachhaltige US-Werte und deutsche Aktien im Fokus der Spekulanten.

Wenn Profianleger sich Aktien gegen eine kleine Gebühr ausleihen, sie verkaufen und später zu im Idealfall deutlich niedrigeren Kursen zurückkaufen, spricht man von Leerverkäufen. Leerverkäufer, auch Shortseller genannt, spekulieren auf sinkende Aktienkurse. Oft funktioniert das, aber längst nicht immer (ECOreporter berichtete unter anderem hier).

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Nach Angaben der Plattform MarketWatch sind an US-Börsen momentan fünf nachhaltige Aktien bei Shortsellern besonders gefragt – die Prozentzahlen beziehen sich auf den Anteil der Aktien in Streubesitz, die Shortseller wieder zurückkaufen müssen:

  • Beyond Meat (34,4 %)
  • EVgo (34,0 %)
  • Fisker (30,1 %)
  • Nikola Motor (28,4 %)
  • Blink Charging (26,7 %)

Die Aktie des veganen Fleischersatzherstellers Beyond Meat empfiehlt ECOreporter schon seit ihrem Börsenstart nicht - sie ist auch nach erheblichen Kursverlusten immer noch hoch bewertet und bislang vor allem ein Spekulationsobjekt, nicht nur für Shortseller.

Blink Charging und EVgo verkaufen Ladegeräte für Elektroautos, in den USA nach wie vor ein Geschäft mit hohen Risiken. Fisker und Nikola stellen Elektrofahrzeuge her und sind nach Einschätzung von ECOreporter ebenfalls sehr riskante Investments. Mehr zu diesen E-Auto-Firmen können Sie in folgendem ECOreporter-Dossier lesen: Junge Elektroauto-Aktien - Mit Vollgas in den Abgrund?

Fünf deutsche Aktien im Fadenkreuz

In Deutschland müssen Leerverkäufer Short-Positionen ab 0,5 Prozent im Bundesanzeiger veröffentlichen. Im Folgenden sind Meldungen seit Anfang Juli aufgeführt. Die tatsächlichen Short-Quoten werden höher sein, weil viele Leerverkäufer unter der 0,5-Prozent-Grenze bleiben, um ihre Wetten nicht öffentlich machen zu müssen.

  • SMA Solar (4,2 %)
  • fox e-mobility (3,1 %)
  • Encavis (2,6 %)
  • Nordex (1,3 %)
  • Wacker Chemie (0,7 %)

Besonders beliebt bei Leerverkäufern ist seit Monaten der Wechselrichter-Hersteller SMA Solar. Das Unternehmen aus dem hessischen Niestetal plant eine Verdoppelung seiner Produktionskapazität, hat im ersten Halbjahr aber wegen Lieferkettenproblemen rote Zahlen geschrieben. Dazu ist die Prognose für das Gesamtjahr aufgrund des weltweiten Halbleitermangels sehr vage und rechtfertigt nicht den derzeit vergleichsweise hohen Preis der Aktie.

Shortseller interessieren sich auch weiterhin für den Elektroautohersteller fox e-mobility. Das Unternehmen aus München, das 2023 sein erstes Serienfahrzeug ausliefern will, hat wegen Problemen mit einer geplanten Kapitalerhöhung seinen Jahresbericht 2021 nach wie vor nicht veröffentlicht. Das sorgt für Unruhe an der Börse: Im Jahresvergleich notiert die Aktie 91 Prozent im Minus. Nach Einschätzung von ECOreporter ein hoch spekulatives Investment.

Wirtschaftlich sehr viel besser steht der Hamburger Wind- und Solarparkbetreiber Encavis da. Der Konzern hat im ersten Halbjahr 2022 deutlich mehr Geld verdient als erwartet und seine Jahresprognose Anfang August angehoben. Encavis dürfte nach Einschätzung der Redaktion auch zukünftig zu den Gewinnern der Energiewende gehören. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2022 von 33 ist die Aktie aktuell allerdings etwas teuer für einen Einstieg. 

Von einem Einstieg beim Hamburger Windanlagenbauer Nordex rät ECOreporter weiterhin ab.  Das Unternehmen befindet sich schon seit längerer Zeit in der Verlustzone, konnte seine letzten Quartalszahlen wegen eines Hackerangriffs nicht rechtzeitig veröffentlichen und verlor deshalb seinen Platz im SDAX und TecDAX. Die Zukunftsaussichten sind unklar.

Der Münchner Spezialchemie-Konzern Wacker Chemie macht derzeit trotz hoher Rohstoffpreise ausgezeichnete Geschäfte. Seine Umsatz- und Gewinnprognose hat Wacker im Juli deutlich angehoben. Allerdings sieht das Management Risiken wegen der stark gestiegenen Gaspreise und möglicher Energieengpässe - Wacker benötigt für seine Produktion viel Gas. Das sorgt für erhöhte Unsicherheiten bei der Aktie.

Fazit: Wenn die Rechnung der Leerverkäufer aufgehen sollte, könnten die Kurse der oben aufgeführten Aktien in nächster Zeit deutlich nachgeben. Sicher ist das aber nicht. Langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger sollten sich nicht mit Put-Optionen oder ähnlichen Instrumenten an diesen Wetten beteiligen. Geben Kurse tatsächlich nach, bietet es sich eher an, die Aktien von Encavis, Wacker Chemie oder SMA Solar zu dann attraktiveren Preisen zu kaufen. Bei den anderen Aktien bleibt ein Einstieg auch zu deutlich niedrigeren Kursen riskant, weil die Zukunftsperspektiven der Unternehmen zu unklar sind.

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