„Omas for Future“ beim Klimaprotest. / Foto: omasforfuture.de

  Erneuerbare Energie

Omas for Future: Jetzt macht auch die Generation 50+ Druck

„Was kann ich tun?“ – dieser Gedanke steht für Unternehmerin und Klimaschützerin Cordula Weimann im Mittelpunkt der von ihr gegründeten Bewegung „Omas for Future“, die für mehr Umweltschutz und gegen die Klimaerwärmung kämpft. Ihr Engagement versteht sie als natürliche Ergänzung der „Fridays for Future“-Aktivisten, die Weimann „Fridays“ nennt.

Wo die „Fridays“ vor allem Druck auf die Politik machen, geht es Weimann insbesondere darum, was jeder Einzelne tun kann, um umweltbewusster und klimafreundlicher zu leben. Auf der Website omasforfuture.de werden unter anderem Tipps genannt, wie Verbraucher CO2 einsparen können – etwa durch den Umstieg auf Ökostrom, klimafreundlicheres Reisen oder weniger Fleischkonsum.

Denn: Unsere Zeit läuft ab – davon ist Weimann überzeugt. Nur noch zwei bis drei Jahre bleiben der Menschheit, um die globale Erwärmung entscheidend zu verlangsamen.

Mit Mitstreitern gründete sie im Juli 2019 den Verein „Leben im Einklang mit der Natur“, Träger von omasforfuture.de. Weimann geht es um die Zukunft ihrer Enkel – aber auch um die eigene.


Cordula Weimann hat die „Omas for Future“ gegründet. / Foto: omasforfuture.de

Auf der Website lässt sich anschaulich nachvollziehen, welche Entwicklung Forscher für den Planeten und auch konkret für Deutschland prognostizieren, sollte die Erderwärmung nicht verlangsamt werden. Und wie sehr die Zeit drängt, bis zu viele der sogenannten Kipp-Punkte überschritten sind und auch eine drastische Reduzierung des weltweiten CO2-Ausstoßes eine weitere Überhitzung nicht mehr aufhalten könnte. Bis die Übersäuerung der Ozeane und das Auftauen der Antarktis nicht mehr zu stoppen sind.

Eine Umweltampel für die Industrie

Es gehe überhaupt nicht darum, Menschen irgendetwas wegzunehmen, erklärt Weimann. Stattdessen ist die 60-Jährige überzeugt: „Aus Liebe zum Planeten ist es nicht schwer, das eigene Verhalten zu ändern.“ Es sei ja schließlich auch „ein Unterschied, ob man hungert oder eine Diät macht. Und nach einer Diät geht es einem im Zweifelsfall sogar besser.“

Weimann selbst und ein Großteil ihres Bekanntenkreises haben mittlerweile beispielsweise auf Ökostrom umgestellt. Sie sei überzeugt, sagt Weimann, dass viele Menschen bereit sind, sich im Alltag klimafreundlicher zu verhalten. „Aber dem normalen Konsumenten fehlt oft das Bewusstsein dafür, welchen CO2-Fußbadruck er hinterlässt.“ Viele wüssten schlicht nicht, wie sehr sie dem Klima tagtäglich schaden. Deshalb brauche es mehr Aufklärung.

Eine der zentralen Forderungen der Gruppe ist deshalb auch eine Umweltampel auf jedem Produkt. Diese soll Herstellung, Transportwege und Entsorgung in die Kategorien rot, gelb und grün einteilen. Das Argument: Kunden würden sich von umweltschädlichen Produkten schnell abwenden, die Industrie deshalb umschwenken. „Seit Einführung der Energieampel auf jedem Elektrogerät gibt es in kürzester Zeit nur noch Geräte A bis A+++“, heißt es dazu auf der Website des Vereins.

Außerdem seien „unsere gelben Tonnen ein Wohlstands-Irrweg“. Weimann und ihre Mitstreiter möchten weg vom „ineffektiven Recyceln“. Wenn Verpackungen nötig sind, dann bitte als Mehrwegprodukt oder kompostierbar. Eine entsprechende Petition auf der Website hat mittlerweile 780 Unterschriften (Stand: 29.5.2020).

Und der Name „Omas for Future“? Tatsächlich käme auch immer wieder der Vorschlag, sich in „Senioren for Future“ umzubenennen. Weimann ist das zu spitzfindig. Selbstverständlich seien alle Geschlechter von der Initiative angesprochen, mehrere Opas seien auch von Anfang an dabei.

Als größte Herausforderung für die Bewegung bisher habe sich die Corona-Krise erwiesen. Die Zielgruppe der „Omas“ (und Opas) sei schließlich 50 Jahre und älter und über soziale Medien deshalb nur eingeschränkt erreichbar. Nicht auf die Straße gehen zu können, sei deshalb ein Problem.

Menschen sollen aufgerüttelt werden

Aus dieser Situation entwickelte sich eine Idee: Ein öffentliches Quiz, das Informationen vermittelt. So sollen in Parks Spaziergänger mit Schautafeln konfrontiert werden, die Fragen stellen. Wie viel Wasser wird für die Produktion eines bunten T-Shirts benötigt? Wie viel Prozent trägt die Nutztierhaltung zur weltweiten Treibhausgas-Emission bei?

Die Antworten würden Menschen oft aufrütteln, meint Weimann, sie würden die Zahlen nämlich kategorisch unterschätzen. Nun will sie auf die Rathäuser der Kommunen zugehen. So soll eine „Wanderausstellung“ entstehen, die Tafeln mit den Fragen dann immer wieder ausgetauscht. Dass es bereits wieder Lockerungen der Corona-Maßnahmen gibt, ändert nichts an dem Vorhaben.

Projekte haben Weimann und ihre Mitstreiter viele, auch im Internet. So befindet sich derzeit ein Wiki zum Thema Klimaschutz im Aufbau – also ein Onlinelexikon wie Wikipedia, allein für Klimaschutz. Aus der ersten Ortsgruppe in Leipzig sollen zügig 100 werden.

Getragen wird die Bewegung von Spenden, die Kontaktdaten finden sich direkt auf der Startseite der Homepage. „Und wenn ein Professor jetzt zum Beispiel einen Artikel für die Wiki schreiben möchte, dann ist er auch herzlich willkommen“, so Weimann. Sie freue sich über jede Beteiligung, auch wenn Geld natürlich wichtig sei.

Sie sei seit 40 Jahren Unternehmerin, erklärt Weimann, erst mit Gebäudesanierungen, dann mit ökologischem Häuserbau. Sie habe immer erwartet, mit 60 Jahren werde ihr Leben ruhiger werden, eine Wende nehmen. Weimann überlegt kurz und lacht dann. „Eine Wende genommen hat es ja auch. Nur anders, als ich das vermutet habe.“

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