Bettervest-Solarprojekt in Kenia: Bettervest hat bis jetzt für 71 Projekte mit einem Volumen von 9,3 Millionen Euro Crowdinvestoren gefunden. / Foto: Unternehmen

03.07.18 Crowd-Investment , Crowd-Porträt

Crowd-Portale im Vergleich: Bettervest

Crowdinvesting boomt: In Deutschland hatte der Crowdinvesting-Markt 2017 ein Volumen von 200 Millionen Euro. Ein Plus von 117 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wir stellen das Portal Bettervest vor, das auf Erneuerbare Energien spezialisiert ist.

Ob Solaranlagen für  Landbewohner in Namibia oder Dörfer in Kenia oder die energetische Sanierung eines denkmalgeschützten Hauses in Ladenburg: Anleger konnten sich an den Vorhaben beteiligen. Es sind Crowdinvesting-Projekte der Plattform Bettervest. Die Renditen lagen bei 4,25 bis 7,5 Prozent. Die drei Projekte machen Energieerzeugung effizienter oder speisen sich aus erneuerbaren Quellen. Das ist eine Spezialität von Bettervest. Das Portal will Projekte finanzieren, die den Klimawandel bremsen können.

Welche Art von Projekten?

Bettervest vermittelt Kapitalanlagen in Erneuerbare-Energien- oder Energieeffizienz-Projekte.

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Patrick Mijnhals, Teil des Gründertrios von Bettervest, gibt Anlegern den Ratschlag, bei Crowdinvestments breit zu streuen. / Foto: Unternehmen

Der Geschäftsführer Patrick Mijnhals erklärt: "Wir orientieren uns bei der Auswahl der Projekte an den UN-Zielen zur nachhaltigen Entwicklung. Unser primärer Fokus liegt auf Ziel 7, also allen Menschen zu preiswerter und nachhaltiger Energie zu verhelfen." Aber auch andere Ziele, die die Vereinten Nationen 2015 aufgestellt haben, spielen bei der Projektauswahl eine Rolle, so Mijnhals, etwa nachhaltiges Wirtschaftswachstum oder nachhaltiger Konsum.

Bettervest wurde 2012 gegründet und war die erste Online-Plattform weltweit für Erneuerbare-Energien-Beteiligungen. Bis jetzt konnten Anleger in 71 Projekte investieren.

Wie prüft Bettervest?

Die Projekte, für die Bettervest Anleger sucht, sollen sich selbst tragen, auf der Grundlage der kalkulierten Einnahmen. Die aus dem Projekt erzielten Einnahmen sollen spätestens nach zehn Jahren die Rückzahlung der Darlehen erlauben. Wichtig sei auch die technische Machbarkeit; hier prüfe ein unabhängiger Energieberater, so Bettervest. Seine Einschätzung sei für Anleger auf der Plattform einsehbar. Auch Informationen über die Bonität des Emittenten seien den Anlegern zugänglich.

Das Bettervest-Team besteht derzeit aus neun Vollzeitangestellten, darunter befinden sich auch Ingenieure und andere Fachleute.

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Ablehnungskriterien

Bettervest hat auf Nachfrage von ECOreporter einen Negativkriterienkatalog für Unternehmen oder Branchen aufgestellt, die das Portal nicht unterstützen will. Beispielsweise fördert Bettervest keine Massentierhaltung und monokulturelle Agrarwirtschaft. Sämtliche Formen von Waffen sowie Lebensmittelspekulationen werden ebenfalls ausgeschlossen.

Laut Auskunft von Bettervest werden auch keine frühphasigen Start-ups oder "unausgereiften Projekte" für das Crowdfunding zugelassen.

Geld eingesammelt – und nun?

Bettervest übernimmt die Kommunikation mit den Anlegern. Das Crowdportal informiert die Anleger über die Entwicklung der Projekte, führt die Anlegerverwaltung durch und berichtet regelmäßig nach den Vorgaben des Bundesverbands Crowdfunding e.V.

Leistungsbilanzen

Haben Anleger bei Bettervest Geld verloren? Bettervest-Gründer Mijnhals erläutert: "Von insgesamt 71 Projekten sind fünf vollständig verzinst zurückgezahlt und 60 befinden sich im Rückzahlungsmodus." Es bleiben fünf weitere: "Bei drei Projekten wird es durch laufende Insolvenzverfahren zu einem vollständigen Ausfall kommen, bei zwei weiteren zu einem Teilausfall", sagt Mijnhals. Und bei einem Projekt sei das Geld der Anleger kurz nach dem Start direkt und unverzinst zurückgezahlt worden, weil es nicht umgesetzt werden konnte.

Ein Scheitern von drei Projekten bei 71 Projekten entspricht einer Ausfallquote von gut 4 Prozent. Bezieht man die Teilausfälle mit ein, kommt man auf eine Ausfallrate von 7 Prozent.

Gebühren

Für Anleger erhebt Bettervest keine Gebühren, weder für die Zeichnung des Darlehens noch für die Verwaltung der Rückzahlungen. Für den Projektinitiator fällt bei der Emission des Darlehens eine einmalige Gebühr an: maximal 10,75 Prozent der "Fundingsumme" (des Geldes der Anleger). Diese Gebühr deckt vom Marketing bis zur Vermittlung an die Crowdinvestoren alles ab. Außerdem fällt ab dem zweiten Jahr der Laufzeit  des Darlehens für den Emittenten eine jährliche Verwaltungsgebühr von einem Prozent der Fundingsumme an.

Fazit:

Bettervest ist ein Crowdinvestment-Portal mit einer im Vergleich zu anderen Anbietern recht hohen Anzahl von Projekten (bis Juni 2018 insgesamt 71). Davon haben fünf Projekte ihre Versprechen nicht eingehalten. Bettervest-Gründer Mijnhals empfiehlt Anlegern, vorsichtig zu sein. "Crowdinvesting sollte eine zusätzliche Investmentmöglichkeit unter anderen sein – neben Aktien, Anleihen oder der Investition in Sachwerte. Da bei Crowdinvesting Nachrangdarlehen vorgeschrieben sind, ist das Risiko des Totalverlusts immer gegeben", warnt Mijnhals. Das Anlagekapital sollte nicht nur über mehrere Projekte verteilt sein, sondern auch von unterschiedlichen Emittenten stammen und möglichst über verschiedene Länder und Projekttypen (etwa Energie, Immobilien oder Kapital für Unternehmen) gestreut sein.

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