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Anleihen / AIF, ECOanlagecheck, Windenergie-Investments
Unabhängige Analyse: Anleihe 2025 der WEB Windenergie AG
Die WEB Windenergie AG will mit den Einnahmen aus ihrer Anleihe 2025 insbesondere neue Wind- und Solaranlagen realisieren. Derzeit besitzen das österreichische Unternehmen und seine Tochtergesellschaften über 280 Windkraftanlagen und über 50 Photovoltaikanlagen in Europa und Nordamerika. Die Anleihe bietet einen Zinssatz von 4,5 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von neun Jahren. Die Mindestzeichnung beträgt 1.000 Euro. ECOreporter hat das Anleiheangebot ausführlich analysiert.
Bei der Anleihe der WEB Windenergie AG (Emittentin) handelt es sich um Inhaber-Teilschuldverschreibungen. Diese werden laut Prospekt in Österreich und Deutschland vom 12. August 2025 bis voraussichtlich 16. September 2025 öffentlich zur Zeichnung angeboten. Die Emittentin beabsichtigt, die Schuldverschreibungen in den Vienna MTF der Wiener Börse AG, Marktsegment corporates prime (ESG Bonds), einbeziehen zu lassen. Die Einbeziehung soll am oder um den Laufzeitbeginn (26. September 2025) herum erfolgen.
Anleihevolumen bis zu 40 Millionen Euro
Das Emissionsvolumen der Anleihe beträgt bis zu 20 Millionen Euro mit Aufstockungsmöglichkeit auf bis zu 40 Millionen Euro. Der Zinssatz beträgt 4,5 Prozent pro Jahr bezogen auf den jeweils ausstehenden Gesamtnennbetrag. Gemäß den Anleihebedingungen soll die Tilgung der Schuldverschreibungen ab dem fünften Laufzeitjahr mit jährlich 20 Prozent des Nennbetrages erfolgen.
Umfangreiche Projektpipeline
Die 1999 gegründete WEB Windenergie AG ist das Mutterunternehmen der W.E.B-Gruppe. Die Haupttätigkeit der Gruppe ist die Projektentwicklung und der Betrieb von Wind- und Solarkraftwerken. Die Projektentwicklungspipeline der W.E.B umfasst nach Unternehmensangaben aktuell mehr als 100 Windkraft- und Photovoltaikprojekte in verschiedenen Entwicklungsstadien in mehreren Ländern mit einem Gesamtvolumen von rund 4.000 Megawatt (MW). Darunter ist beispielsweise ein Windpark mit Nordex-Turbinen in Kanada, der als bislang größtes W.E.B-Projekt bereits 2026 in Betrieb gehen soll.
Auf welche Märkte verteilen sich die Projekte der Pipeline? Wie verlief die geschäftliche Entwicklung von W.E.B nach dem Ausnahmejahr 2023? Wie hat sich der Preis der Aktien des Unternehmens entwickelt? Welches diesjährige Ereignis kann für die Anleihegläubiger noch an Bedeutung gewinnen? Welche Stärken und Schwächen haben die WEB Windenergie AG und ihr Anleiheangebot?
Antworten auf diese und weitere Fragen sowie das Fazit von ECOreporter erhalten Sie im folgenden Premium-Bereich der ausführlichen Analyse.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Unternehmensprofil WEB Windenergie AG
Die WEB Windenergie AG mit Sitz in Pfaffenschlag in Niederösterreich ist das Mutterunternehmen der W.E.B-Gruppe (W.E.B-Konzern, Gruppe). Die Gruppe beging im vorigen Jahr ihr 30-jähriges Firmenjubiläum. W.E.B ist das Kürzel für die 1994 gegründete Windkraftanlagen Errichtungs- und Betriebsgesellschaft mbH.
Der Vorstand der Emittentin besteht aus vier Mitgliedern, die jeweils seit über zehn Jahren in der W.E.B-Gruppe in führenden Positionen tätig sind. Stefanie Markut, Florian Müller und Roman Prager gehören dem Vorstand erst seit 2024 an, Finanzvorstand Michael Trcka ist bereits seit 2009 Vorstandsmitglied der Emittentin. Der W.E.B-Konzern hat laut seinem Lagebericht zum 31.12.2024 176 Mitarbeiter und 117 Mitarbeiterinnen, davon insgesamt 203 in Österreich.

Das Hybridkraftwerk von W.E.B in Grafenschlag in Österreich besteht aus Windrädern und einer Photovoltaikanlage. / Foto: W.E.B
Der Emittentin ist nach eigenen Angaben seit Beginn ihrer Tätigkeit das Fundament einer breiten Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung sehr wichtig. Die Aktien der Emittentin befinden sich im Streubesitz; zum 31. März 2025 hat die Emittentin 6.895 Aktionärinnen und Aktionäre. Die größte, der Emittentin bekannte, Beteiligung eines einzelnen Aktionärs beträgt 2,78 Prozent am Grundkapital der Emittentin. Die Dividendenpolitik der Emittentin zielt auf eine möglichst stabile Ausschüttungsquote ab. Es soll ein Drittel des Konzerngewinnes ausgeschüttet werden.
Bei den Aktien handelt es sich um vinkulierte Namensaktien, die nicht an der Börse notieren. Ihre Übertragung ist gemäß Satzung an die Zustimmung der Gesellschaft gebunden, die durch den Vorstand in Rücksprache mit dem Aufsichtsrat erteilt werden kann. Gemäß Satzung wird das Stimmrecht für Aktionäre beschränkt: Auch, wer mehr als 10 Prozent der Aktien besitzt, kann Stimmrechte nur für Aktien im Ausmaß von maximal 10 Prozent des Grundkapitals ausüben.
Da die W.E.B Aktie nicht börsennotiert ist, wird auch kein Kurs gebildet. Eine Kaufs- bzw. Verkaufsabwicklung wird aber kostenlos auf einer Online-Plattform, dem Traderoom von W.E.B, angeboten. Der Jahresdurchschnittspreis der Aktie im Traderoom für 2024 lag bei 136,14 Euro (2023: 173,50 Euro; 2022: 196,52 Euro; 2021: 112,97 Euro). Nach einem zuvor starken Anstieg geht es für den Aktienpreis seit 2022 abwärts. Das hat sich auch im ersten Halbjahr 2025 fortgesetzt. So lag der Durchschnittspreis der Aktie im zweiten Quartal 2025 nur noch bei 102,44 Euro und damit wieder auf dem Niveau von vor vier Jahren. Die Durchschnittspreise werden von W.E.B aus den Transaktionen via Traderoom ermittelt. Im Jahr 2024 wechselten laut Geschäftsbericht insgesamt 55.125 Aktien mit einem Volumen von rund 7,5 Millionen Euro ihre Besitzerinnen und Besitzer.
Geschäftsfelder und Märkte der W.E.B-Gruppe
Die W.E.B-Gruppe beschäftigt sich mit der Projektentwicklung und dem Betrieb von Kraftwerken auf Basis Erneuerbarer Energien, insbesondere in den Bereichen Windkraft und Photovoltaik. Die dritte Säule neben Projektentwicklung und Kraftwerksbetrieb der Gruppe ist nach Angaben der Emittentin die Stromvermarktung (direkter Stromvertrieb). Zudem erbringt die Gruppe technische Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Betrieb von Kraftwerken, insbesondere für die eigenen Windkraftanlagen, und ist im Bereich Elektromobilität tätig.
Die W.E.B-Gruppe ist laut Konzernlagebericht in acht Ländern in Europa und Nordamerika aktiv: in Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Tschechien und in der Slowakei sowie in Kanada und den USA. In den USA fokussiert sie sich auf die Staaten im Nordosten, insbesondere Maine, New York und Massachusetts.
Das Anlagenportfolio der W.E.B-Gruppe umfasst (Stand: 31.12.2024) insgesamt 335 Anlagen (284 Windkraftanlagen und 51 Photovoltaikanlagen). 169 Anlagen (320 MW) davon befinden sich in Österreich und 42 Anlagen (107 MW) in Deutschland. Die übrigen Anlagen sind auf Frankreich (44 Anlagen, 103 MW), Kanada (25 Anlagen, 40 MW), die USA (12 Anlagen, 37 MW), Tschechien (8 Anlagen, 9 MW) und Italien (35 Anlagen, 128 MW) verteilt. Im Geschäftsjahr 2024 kamen 24 Anlagen in Italien hinzu, wo die W.E.B-Gruppe den bislang größten Windpark (84 Megawatt) ihrer Unternehmensgeschichte in Betrieb genommen hat.
Geschäftszahlen
Der Jahresabschluss des Konzerns der WEB Windenergie AG ist nach den Regeln der in der EU anzuwendenden Internationalen Standards für die Finanzberichterstattung (International Financial Reporting Standards – IFRS) aufgestellt. Im Geschäftsjahr 2024 verringerten sich die Umsatzerlöse des Konzerns gegenüber dem Vorjahr deutlich auf rund 170 Millionen Euro (2023: 232 Millionen Euro, 2022: 174 Millionen Euro). Der Gewinn des Konzerns verringerte sich im Geschäftsjahr 2024 auf rund 20,3 Millionen Euro (2023: 52,7 Millionen Euro, 2022: 29,7 Millionen Euro).
Hauptursächlich war ein Umsatzrückgang in Österreich von rund 148 Millionen Euro (2023) auf rund 86 Millionen Euro (2024). Insbesondere der im Vergleich zu 2022/2023 deutlich gesunkene Strommarktpreis wirkte sich negativ auf den Umsatz aus. Aber auch das Windaufkommen war 2024 unterdurchschnittlich. Auch im ersten Quartal 2025 war das Windaufkommen in mehreren Märkten ungewöhnlich gering. Auch wenn der Solaranteil im Konzern steigt, wurde 2024 noch rund 96 Prozent des Stroms von Windkraftanlagen produziert.

Vorstand der WEB Windenergie AG (v.l.n.r.): Michael Trcka, Roman Prager, Stefanie Markut, Florian Müller / Foto: Astrid Knie, www.astridknie.at
Laut Konzernlagebericht entfielen vom Umsatz in 2024 rund 122 Millionen Euro auf den Windenergiebereich, rund 29 Millionen Euro auf Erlöse aus dem Verkauf von Strom direkt an Endkunden und aus dem Stromvertrieb, rund 11 Millionen Euro auf Spotgutschriften und rund 9 Millionen Euro auf den Bereich Photovoltaik. Auf Österreich entfiel 2024 mit rund 86 Millionen Euro ungefähr die Hälfte des Umsatzes. Danach folgten Frankreich (21 Millionen Euro), Deutschland (20 Millionen Euro), Italien (18 Millionen Euro), Kanada (15 Millionen Euro) und die USA (7 Millionen Euro).
Gemessen an den langfristigen Vermögenswerten des Konzerns ist der Anteil der österreichischen Kraftwerke mit rund 35 Prozent geringer. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Anlagen des Konzerns in Österreich, wo W.E.B bereits seit 30 Jahren aktiv ist, im Durchschnitt deutlich älter sein könnten als in den ausländischen Märkten des Konzerns. Laut Prospekt gehören die meisten Windenergieanlagen der Emittentin in die Leistungsklasse von nur 2 MW. Der überwiegende Teil der Windkraftanlagen der Emittentin stammt laut Prospekt vom Hersteller Vestas. Im Zuge von Repowering-Projekten werden diese alten Windenergieanlagen nach Angaben der Emittentin laufend abgebaut und durch neue, leistungsfähigere Windenergieanlagen mit über 4 MW ersetzt. Von den 284 Windenergieanlagen, die die Emittentin zum 31.12.2024 betrieb, gehören laut Prospekt 37 Windenergieanlagen der neuesten Generation an.
Die Bilanzsumme des Konzerns stieg von rund 883 Millionen Euro (zum 31.12.2023) auf rund 948 Millionen Euro (zum 31.12.2024). Die Eigenkapitalquote liegt zum 31.12.2024 mit 25,3 Prozent unter dem Wert von 2023 (27,2 Prozent). Auf der ordentlichen Hauptversammlung der WEB Windenergie AG am 9. Mai 2025 erreichte der Beschlussvorschlag zur geplanten Kapitalerhöhung mit 71,2 Prozent Ja-Stimmen nicht die erforderliche Mehrheit von 80 Prozent. Insofern ist es möglich, dass die Emittentin die benötigten Finanzmittel künftig verstärkt über Fremdkapital akquirieren muss und in der Folge die Eigenkapitalquote sinkt. Bereits 2023 und 2024 hatte die Emittentin zwei Anleihen mit einem Gesamtvolumen von rund 88 Millionen Euro platziert.
Investitionen
Den Nettoemissionserlös der Anleihe 2025 schätzt die Emittentin laut Wertpapierprospekt (Billigung am 16. Juli 2025, kurz: Prospekt) auf zwischen 19,65 Millionen Euro und 39,65 Millionen Euro, abhängig vom Platzierungsvolumen und einer möglichen Aufstockung des Emissionsvolumens.
Die Emittentin beabsichtigt laut Prospekt, den erzielten Nettoemissionserlös zur Unterstützung des organischen und externen Wachstums in ihren Ländermärkten sowie zur Verbesserung der Kapitalausstattung oder gegebenenfalls zur Rückführung bestehender Verbindlichkeiten zu verwenden. Durch gezielte Akquisitionen sowie weitere Projektentwicklung oder Etablierung von Technologien und Vermarktungsformen will die Emittentin ihre Marktposition in ihren Märkten verbessern.
Die Projektentwicklungspipeline der W.E.B umfasst gemäß den Angaben in ihrer Anleihe-Marketingbroschüre (Stand: Juli 2025) aktuell 4 Gigawatt. Im Geschäftsjahr 2026 plant die Emittentin, Anlagen mit einer Gesamtleistung von 145 MW zu errichten. Darunter ist das Windparkprojekt Weavers Mountain in der am Atlantik gelegenen Provinz Nova Scotia in Kanada mit einer geplanten Gesamtleistung von etwa 94,4 MW. Außerdem sollen 2026 etwa jeweils ein Windpark in Frankreich (25,2 MW) und Deutschland (14,0 MW) sowie eine Photovoltaikanlage in Österreich (11,45 MW) in Betrieb gehen. In der Projektliste, die laut der Emittentin nur eine Auswahl darstellt, sind zudem zwei Windkraftprojekte in Österreich (zusammen 90 MW) aufgeführt, die 2028 in Betrieb gehen sollen.
Im Bericht des Vorstandes (PDF-Dokument am 16.5.2025 erstellt) wird die Projektentwicklungspipeline grafisch ohne Zahlenangaben unterteilt. Demnach verteilt sich die Pipeline schätzungsweise zu ungefähr 75 Prozent auf den Bereich Wind und ungefähr 25 Prozent auf den Solarbereich. Die Länderverteilung der Projektentwicklungspipeline ist anhand der Grafik grob geschätzt wie folgt: 35 Prozent USA und Kanada, 28 Prozent Italien und Frankreich, 28 Prozent Österreich und Deutschland und 9 Prozent Slowakei und Tschechien.
Bei ungefähr 80 Prozent der 4-GW-Pipeline ist laut Vorstandsbericht eine „gute Sichtbarkeit“ hinsichtlich der Umsetzung noch nicht gegeben. Bei den Projekten, die „gute Sichtbarkeit“ haben, wird eine Umsetzung zwischen 2027 und 2028/2029 erwartet. Projekte ohne „gute Sichtbarkeit“ können beispielsweise Windkraftprojekte sein, bei denen die Grundstücke gesichert sind, aber Netzverfügbarkeiten noch nicht abschließend geklärt sind oder der Genehmigungsantrag noch in Vorbereitung ist. Insbesondere bei Windkraftprojekten sind in Deutschland Entwicklungszeiten von über fünf Jahren aufgrund der bürokratischen Anforderungen nicht unüblich.
Ökologische Wirkung

Der bislang größte Windpark der W.E.B-Gruppe ging im vergangenen Sommer in Italien in Betrieb. / Foto: NoNoise
Die Emittentin betrieb Ende 2024 selbst oder durch ihre Tochtergesellschaften 284 Windkraftanlagen und über 50 Photovoltaikanlagen. Die Jahresproduktion der Anlagen betrug laut Geschäftsbericht 2024 rund 1.574 Gigawattstunden (GWh). Mit dem Anleihekapital wird voraussichtlich hauptsächlich die Entwicklung und der Bau neuer Wind- und Solaranlagen finanziert, so dass eine deutlich positive ökologische Wirkung zu erwarten ist.
Risiken
Die Emittentin entwickelt und errichtet hauptsächlich Wind- und Solaranlagen. Insbesondere in frühen Projektentwicklungsphasen kann ein hohes Risiko bestehen, dass Projekte sich deutlich verzögern oder scheitern. Aber auch in späteren Entwicklungs- und in Bauphasen, in denen in der Regel bereits hohe Kosten angefallen sind, können Projekte noch scheitern. Es ist auch möglich, dass bereits entwickelte Projekte nicht mehr wirtschaftlich realisiert werden können, weil zwischenzeitlich die Bau- und Finanzierungskosten gestiegen sind und/oder der Strommarktpreis gesunken ist.
Für die Emittentin besteht das Risiko, dass sich die Rahmenbedingungen in ihren wichtigen Märkten ungünstig entwickeln. So kann der Zubau an Wind- und Solarparks etwa politisch ausgebremst werden. Dies gilt insbesondere für die USA auf Bundesebene. Aber auch in Deutschland setzt die derzeitige Bundesregierung offenbar weniger auf den Ausbau von Stromnetzen und Speichern, der einen vollständigen Umstieg im Strombereich auf erneuerbare Energien ermöglichen könnte. Gemäß den Aussagen der Bundeswirtschaftsministerin ist stattdessen ein massiver Zubau an Gaskraftwerken geplant.
Die Emittentin hat die von ihr realisierten Anlagen in der Regel nicht an externe Investoren verkauft, stattdessen hat die W.E.B-Gruppe diese in den Eigenbestand übernommen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Windkraftanlagen, deren Erträge abhängig vom Windaufkommen starken jährlichen Schwankungen unterliegen können. Zudem bestehen beispielsweise die Risiken, dass sich die erzielbaren Strompreise verringern. Auch können schwerwiegende Schäden an den Anlagen auftreten, deren Reparaturkosten nicht (mehr) durch Versicherungen und/oder Gewährleistungen der Anlagenhersteller abgedeckt sind. Dieses Risiko ist für alte Windkraftanlagen erhöht, für die nach dem Auslaufen ihres Einspeisetarifs zudem das Risiko besteht, dass der erzeugte Strom nicht zu auskömmlichen Preisen auf dem Strommarkt verkauft werden kann.
Die W.E.B-Gruppe hat hohe Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten. Insbesondere die Baukosten von Wind- und Solarparks werden in der Regel hauptsächlich mit Bankkapital finanziert. Die Kreditverträge sehen laut Prospekt großteils die Bestellung von Sicherheiten durch die Emittentin oder eine ihrer Tochtergesellschaften vor. Die Anleihe ist dagegen nicht besichert. Nach Angaben des Konzerns werden in den Jahren 2025 bis 2029 geplante Tilgungen in Höhe von rund 229 Millionen Euro anfallen. Für Anlegerinnen und Anleger besteht das Risiko, dass sie ihr eingesetztes Kapital nur teilweise oder gar nicht zurückerhalten.
Stärken
- W.E.B.-Gruppe schon seit 1994 im Windkraftmarkt aktiv
- Hoher Eigenbestand an Windkraftanlagen
- Diversifizierung über mehrere Länder
- Umfangreiche Projektpipeline
Schwächen
- Projektentwicklungsrisiken
- Baurisiken
- Umsatzerlöse noch stark vom Windkraftanlagenbetrieb abhängig
Fazit
Finanziell
Die W.E.B-Gruppe verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Windenergiebereich in ihrem Heimatmarkt Österreich. In den letzten Jahren hat sich die Gruppe deutlich breiter aufgestellt und in mehreren Ländern inzwischen Projekte realisiert. Zudem investiert die Gruppe verstärkt auch in Solarprojekte, so dass sich die Abhängigkeit vom Windkraftbereich künftig verringern könnte.
Als Projektentwicklerin ist die Emittentin Marktproblemen mit gestiegenen Bau- und Finanzierungskosten und inzwischen wieder geringeren Strompreisen ausgesetzt. Dadurch sind Gewinne wie im Ausnahmejahr 2023 derzeit nicht zu erreichen. Da zudem die geplante Kapitalerhöhung nicht die erforderliche Mehrheit erhalten hat, ist es möglich, dass sich die Konzern-Eigenkapitalquote in diesem und den folgenden Jahren verringert. Dadurch könnte sich für Anleihegläubigerinnen und Anleihegläubiger künftig das Ausfallrisiko erhöhen.
Nachhaltigkeit
Das Anleihekapital soll voraussichtlich hauptsächlich die Entwicklung und Realisierung von Windkraft- und Solarprojekten finanzieren. Eine deutlich positive Nachhaltigkeitswirkung des Anleihekapitals ist daher zu erwarten.
ECOreporter-Empfehlung
Die W.E.B-Gruppe hat den Vorteil, dass sie durch den hohen Eigenbestand an Windparks über relativ kontinuierliche Einnahmen verfügt. Damit können Schwankungen im Bereich Projektentwicklungen teilweise kompensiert werden, wodurch sich die finanzielle Stabilität der Gruppe erhöht. Nach Einschätzung von ECOreporter ist im Verhältnis zum Risiko der Zinssatz der Anleihe aber etwas zu gering, um als angemessen gelten zu können.
Basisdaten
Prospektverantwortliche und Emittentin: WEB Windenergie AG, Pfaffenschlag bei Waidhofen an der Thaya, Österreich
Anlageform: Anleihe (Inhaberschuldverschreibungen)
Emissionsvolumen: 20 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 1.000 Euro
Laufzeit: 26. September 2025 bis 25. September 2034
Zinssatz: 4,5 Prozent pro Jahr
Prospektbilligung: FMA (Österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde)
Handelbarkeit: voraussichtlich ab Ende September 2025 an der Wiener Börse (Plan)
ISIN: AT0WEB2510A1