Jes.Green ist auf Dach-Solaranlagen spezialisiert. Das Unternehmen möchte über eine Anleihe weiteres Wachstum finanzieren. / Foto: Jes.Green

  Anleihen / AIF, ECOanlagecheck

Unabhängige Analyse: 7%-Anleihe von Jes.Green

Die Jes.Green Invest GmbH bietet eine neue Solaranleihe mit einem Zins von 7 Prozent pro Jahr an. Die Anleihe 2023/2028 hat eine Laufzeit von fünf Jahren, ein Einstieg ist ab 1.000 Euro möglich. ECOreporter hat das Angebot geprüft.

Anbieterin und Emittentin der Anleihe ist die Jes.Green Invest GmbH aus Broderstorf nahe Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Das Unternehmen erwirbt mittelbar hauptsächlich kleine Aufdach-Photovoltaikanlagen. Bislang sind es über 2.000. Mit der neuen Anleihe will Jes.Green Invest den Kauf weiterer kleiner Anlagen in Deutschland finanzieren.

Das Emissionsvolumen der Anleihe beträgt bis zu 10 Millionen Euro. Die Kosten für das Angebot belaufen sich laut Wertpapierprospekt (vom 13.3.2023) auf bis zu 750.000 Euro bei einer Vollplatzierung. Die Laufzeit der Anleihe beträgt fünf Jahre, vom 17. Mai 2023 bis zum 17. Mai 2028. Die Emittentin kann die Schuldverschreibungen ab dem 17. Mai 2026 vorzeitig zurückzahlen. Die Anleihe wird laut Prospekt voraussichtlich am 17. Mai 2023 in den Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse einbezogen.

Die Emittentin hat laut Prospekt innerhalb der Jes.Group die Vorfinanzierung der zu verpachtenden Aufdach-Photovoltaikanlagen, im Wesentlichen im Kleinanlagenbereich, übernommen. Die Emittentin kauft die Solaranlagen nicht unmittelbar, sondern über Tochtergesellschaften. Die Pachtdauer für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer bei dem angebotenen Vertragsmodell „JES.Solarflat“ beträgt 20 Jahre gemäß den Angaben auf der Jes.Group-Internetseite: „Wir verpflichten uns zu einem Rückbau der Photovoltaik-Anlage nach ihren 20 Jahren Laufzeit. Alternativ ist es möglich, den Pachtvertrag zu verlängern oder die Anlage zu günstigen Konditionen zu erwerben.“

Lesen Sie im Premium-Bereich, welche Stärken und Schwächen das Anleiheangebot hat und welchen Punkt Anlegerinnen und Anleger vor einer Investitionsentscheidung besonders beachten sollten.

Basisdaten

Anbieterin und Emittentin: Jes.Green Invest GmbH, Broderstorf OT Neu Roggentin
Anlageform: Anleihe (Inhaber-Schuldverschreibungen)
Emissionsvolumen: bis zu 10 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme: 1.000 Euro
Agio: 0 Prozent
Laufzeit: 5 Jahre (bis zum 17.5.2028)
Zinssatz: 7,0 Prozent pro Jahr
Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen
Prospekt-Billigung: CSSF (luxemburgische Finanzaufsichtsbehörde)
Handelbarkeit: Handel an Frankfurter Wertpapierbörse geplant
ISIN: DE000A30V661

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Unternehmensprofil Jes-Gruppe

Die Emittentin der Anleihe, die Jes.Green Invest GmbH, wurde im Oktober 2020 gegründet. Sie ist laut Prospekt eine Holdinggesellschaft mit keinem eigenen wesentlichen Geschäftsbetrieb. Zusammen mit ihren Tochtergesellschaften bildet die Emittentin die Jes.Green Invest Group.

Die Emittentin gehört zu 100 Prozent der Jes.Holding GmbH. An dieser sind laut Prospekt die JH Holding Invest GmbH zu rund 53 Prozent und der Skopos Impact Fund II SICAV-SIF zu rund 47 Prozent beteiligt. Alleiniger Gesellschafter der JH Holding Invest GmbH ist Jonas Holtz (Jahrgang 1988), Gründer der Jes-Unternehmensgruppe und Geschäftsführer der Emittentin. Der Skopos Impact Fund II SICAV-SIF wurde laut einer Pressemitteilung der Emittentin vom 28. September 2021 von Anthos Fund & Asset Management gegründet, das Teil der Cofra-Unternehmensgruppe ist. Diese gehört der Unternehmerfamilie Brenninkmeijer. Zur Cofra Holding gehört auch das Bekleidungsunternehmen C&A.


Jonas Holtz hat die Jes-Gruppe gegründet. / Foto: Jes.Green

Insgesamt beschäftigt die Jes-Gruppe nach eigenen Angaben ca. 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese verteilen sich laut Prospekt aktuell wie folgt auf die größeren Unternehmen der Gruppe: HK Solartec GmbH (15), HL Elektro GmbH (46), HL GmbH (60), Holtz & Partner GmbH (5), Solar Express GmbH (6) und Jes AG (88). Dazu kommen laut Prospekt etwa 100 eigenständige Handelsvertreter, die für die Jes AG deutschlandweit im Einsatz sind. Die 2019 gegründete Jes AG ist nach Einschätzung der Emittentin aufgrund ihrer Vertriebstätigkeit das Gesicht der Gruppe, wenn es um Photovoltaikanlagen auf Einfamilienhäusern geht. Zudem kann laut Prospekt jeder Stromverbraucher in Deutschland seinen Ökostrom über die Jes AG beziehen.

Die Klein-Solaranlagen werden seit 2019 in der Jes.Group durch die HK Solartec GmbH realisiert.  Zur Jes.Group gehören unter anderem auch die HL GmbH, die unter anderem Photovoltaikanlagen montiert, und die HL Elektro GmbH, die Elektroarbeiten an den Photovoltaikanlagen übernimmt, sowie die Solar Express GmbH als Großhandel mit Schwerpunkt Photovoltaik.

Zahlen für das Geschäftsjahr 2022

Das Anlagevermögen der Anleiheemittentin Jes.Green Invest GmbH besteht laut ihrem Jahresabschluss zum 31. Dezember 2022 hauptsächlich aus Ausleihungen an verbundene Unternehmen von rund 6,9 Millionen Euro, bestehend aus mehreren Darlehen an die Tochtergesellschaften sowie an den Gesellschafter (rund 900.000 Euro). Die Vermögensstruktur ist somit nach Jahresabschlussangaben unverändert durch den hohen Anteil des mittel‐ und langfristig gebundenen Vermögens (90,2 Prozent) gekennzeichnet. Demgegenüber stehen auf der Passivseite der Bilanz Verbindlichkeiten insbesondere aus der Anleihe 2021/2026, von der rund 7,2 Millionen Euro platziert wurden.

Für das Geschäftsjahr 2022 verzeichnete die Emittentin laut Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) einen Jahresfehlbetrag von rund 215.000 Euro (2021: Jahresfehlbetrag von rund 885.000 Euro). Da die Verluste nicht durch das Stammkapital (25.000 Euro) und die Kapitalrücklage (1 Million Euro) gedeckt sind, ergibt sich für 2022 ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von rund 76.000 Euro.

Laut Prognosebericht, der im Lagebericht für das Geschäftsjahr 2022 enthalten ist, rechnet die Emittentin für das Geschäftsjahr 2023 mit einem leicht positiven Jahresergebnis (Stand: 22.2.2023). Allerdings hat die Emittentin nach eigenen Angaben erst am 13. März 2023 die Emission der neuen Anleihe 2023/2028 beschlossen. Insofern wäre es möglich, dass die Kosten für die Emission der neuen Anleihe (bis zu 750.000 Euro) noch nicht (vollständig) bei der Ergebnisprognose für 2023 berücksichtigt wurden.

Einen Konzernabschluss, der auch ihre Tochtergesellschaften umfasst, hat die Emittentin nicht veröffentlicht. Die Emittentin wird nach eigenen Angaben in den Konzernabschluss ihrer Muttergesellschaft Jes.Holding GmbH einbezogen. Ein Jahresabschluss der 2021 gegründeten Jes.Holding GmbH ist im Unternehmensregister bislang weder veröffentlicht noch hinterlegt (Stand: 17.3.2023).

Geplante Investitionen

Die Emittentin beabsichtigt laut Prospekt, den nach Abzug der Emissionskosten von maximal 750.000 Euro verbleibenden Emissionserlös von bis zu 9,25 Millionen Euro zur Finanzierung von Investitionen der Jes.Green Group im Bereich der Erneuerbaren Energien zu verwenden. Zur Jes.Green Group zählen laut Prospekt neben der Emittentin und ihren Tochtergesellschaften auch Schwestergesellschaften und deren Tochtergesellschaften.

Vornehmlich sollen Darlehen innerhalb der Jes.Green Group ausgegeben werden, die laut Prospekt im Wesentlichen dem Erwerb von Aufdach-Photovoltaikanlagen zumeist im Kleinanlagenbereich in Deutschland dienen sollen. Aber auch der Erwerb von gewerblichen Aufdachanlagen bleibt vorbehalten. Laut Prospekt „ist in der Planung noch offen, ob die von anderen Gesellschaften gehaltenen Aufdach-Kleinanlagen unter Tilgung der mittelfristigen Bankfinanzierungen und der teilweise gestundeten Forderungen der HK Solartec GmbH ohne Preisaufschlag übernommen werden sollen.“ Die Emittentin behält sich nach eigenen Angaben abweichende Zwischenanlagen im Bereich der Erneuerbaren Energien vor, wenn aufgenommene Mittel nicht unmittelbar für die vorgesehenen Zwecke verwendet werden können.

Risiken


Jes.Green Invest hat bislang mittelbar mehr als 2.000 Solaranlagen gekauft. / Foto: Unternehmen

Das Finanzierungsmodell der Emittentin basiert laut Prospekt darauf, dass die Anleihefinanzierung sukzessive in den nächsten Jahren und bis zur Rückzahlung der Anleihe sogar vollständig durch eine andere Finanzierung ersetzt werden soll. Es besteht das Risiko, dass eine andere Finanzierung nicht abgeschlossen werden kann oder eventuell hohe Finanzierungszinsen nicht oder nicht in vollem Umfang an Endkunden weitergegeben werden können. Dies würde laut Prospekt die Ertragslage der Emittentin erheblich negativ berühren, da für den Anleihezeitraum eine Mischkalkulation von ungesicherten, höher verzinslichen Anleihemitteln und niedriger verzinslichen besicherten Bankkrediten eingeplant sei. Zudem ist zu berücksichtigen, dass Solarprojekt-Darlehen in der Regel eine längere Laufzeit als die Anleihe (fünf Jahre) haben. Falls gegebenenfalls erforderliche Anschlussfinanzierungen nicht abgeschlossen werden können, besteht das Risiko, dass die Emittentin die Anleihe 2023/2028 am Laufzeitende nicht oder nur teilweise zurückzahlen kann.

Laut Prospekt werden viele Aufdach-Kleinanlagen auf Neubauten errichtet, deren Bauherren derzeit oftmals ebenfalls von einem erhöhten Zinsniveau sowie von steigenden Bau- und Materialkosten betroffen sind. Soweit eine Abschwächung der Konjunktur im Baubereich auftritt, wirkt sich dies laut Prospekt auf die Menge der fertiggestellten Häuser aus, was negative Auswirkungen auf die geplante Gewinnung von Neukunden haben werde. Auch könnten sich staatliche Förderungen, die (statt der Pacht) den Erwerb von Aufdach-Solaranlagen begünstigen, negativ auf die Neukundengewinnung und damit die Geschäftslage der Emittentin auswirken.

Der Betrieb von Solaranlagen ist mit Risiken verbunden. Beispielsweise können Schäden und technische Problem auftreten und die Instandhaltungs- und Versicherungskosten steigen. Der Geschäftsführer der Emittentin ist mittelbar auch an Gesellschaften beteiligt, die Leistungen zur Installation und den Betrieb der Aufdach-Photovoltaikanlagen erbringen und die neu errichteten Solaranlagen an die Tochtergesellschaft der Emittentin verkaufen. Daher besteht ein Potenzial für Interessenskonflikte, beispielsweise bei der Kaufpreisfindung oder falls Schäden an den Solaranlagen auftreten sollten.

Die Vermögenswerte der aktuellen Tochtergesellschaft oder der zukünftigen Tochtergesellschaften der Emittentin stehen zunächst laut Prospekt den ungesicherten und besicherten Gläubigern der Tochtergesellschaften zur Befriedigung von Ansprüchen zur Verfügung. Bei der Finanzierung von Schwestergesellschaften und deren Tochtergesellschaften bestehen laut Prospekt von vornherein lediglich schuldrechtliche Ansprüche der Emittentin aus den Finanzierungsverträgen, die insbesondere gegenüber Gläubigern der Tochtergesellschaften nachrangig sind. Für die Anleihegläubigerinnen und Anleihegläubiger der Emittentin besteht ein erhebliches Risiko, ihr eingesetztes Kapital teilweise oder vollständig zu verlieren.

Stärken

  • Risikostreuung über eine vierstellige Anzahl von Solaranlagen
  • Derzeit hohe Strompreise
  • Keine Projektentwicklungsrisiken
  • Wachstumsmarkt Photovoltaik

Schwächen

  • Verringerte finanzielle Transparenz der Unternehmensgruppe
  • Gestiegene Zins- und Baukosten für Solar- und Wohnungsneubauprojekte
  • Potenzial für Interessenskonflikte
  • Emittentin bilanziell überschuldet

Fazit

Es ist vorgesehen, dass die Emittentin der Anleihe mittelbar kleine Aufdach-Solaranlagen erwirbt, die für 20 Jahre an die jeweiligen Hauseigentümer verpachtet sind. Der Ausbau der dezentralen Energieversorgung ist politisch gewollt und ökologisch sinnvoll. Risiken können für die Emittentin aufgrund der gestiegenen Zins- und Baukosten bestehen.

Die Emittentin ist eine Holding, hat aber keinen Konzernabschluss für ihre Gruppe veröffentlicht. Zudem gewährt auch der Wertpapierprospekt nur wenig Einblick in die konkreten wirtschaftlichen Entwicklungen auf Ebene der Tochtergesellschaft(en) der Emittentin, sodass die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Geschäftsmodells nur eingeschränkt nachvollzogen werden kann. Daher ist die Transparenz des Anleiheangebotes derzeit verringert. Nach Einschätzung von ECOreporter ist es sinnvoll, vor einer Anlageentscheidung die Veröffentlichung eines aktuellen Konzernabschlusses der Emittentin oder ihrer Muttergesellschaft abzuwarten.

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