Der auf Wasserkraft spezialisierte Stromversorger Verbund wehrt sich gegen Vorwürfe, seine Preise zu spät zu senken. / Foto: Unternehmen

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Verbund will Strompreise für Bestandskunden senken

Der österreichische Stromversorger Verbund plant, die Preise für seine Kundinnen und Kunden wieder zu senken. Vorwürfe, dass die Preissenkung zu spät komme, wies Verbund-Chef Michael Strugl zurück.

"Wir werden sehr wahrscheinlich noch im Juni unseren Kunden hier ein Angebot machen. Es wird vermutlich unter 20 Cent sein, von jetzt 24 Cent", sagte Strugl am Samstag im "Ö1-Mittagsjournal" des Österreichischen Rundfunks (ORF). Erst am 1. März hatte der Konzern den Preis für seine rund 500.000 Haushaltskunden auf 23,9 Cent netto pro Kilowattstunde (kWh) erhöht.

Kritik an Gewinnabschöpfung

In dem Interview verteidigte Strugl die Tarifpolitik des Konzerns. Demnach seien im Vorjahr die Großhandelspreise viel stärker und schneller gestiegen als die Tarife vieler Kundinnen und Kunden. Die hohen Preise im Einkauf seien bei den Haushalten erst verzögert und nicht zur Gänze angekommen.

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Dass die Preiserhöhungen schneller weitergegeben wurden als nun die Preissenkungen, stimme zudem nicht, so Strugl. Preissenkungen könnten demnach nur mit einer gewissen Verzögerung weitergereicht werden, da Unternehmen Strom im Voraus kaufen würden. Eine Weitergabe der geänderten Preise würde naturgemäß zeitlich verzögert erfolgen, das liege in der Natur des sogenannten "Hedgings" – des Absicherns von Einkäufen.

Strugl erklärte, er könne den Ärger vieler Menschen zwar nachvollziehen, auch seien hohe Strompreise natürlich eine Belastung. Die Energiepreise seien allerdings mittlerweile nicht mehr der Treiber der Inflation. Diese Aussage "hatte für das Vorjahr Gültigkeit, nicht aber für dieses Jahr".

Sich rein darauf zu beschränken, bei den Stromversorgern Gewinne abzuschöpfen, würde daher als Maßnahme gegen die Inflation nicht reichen. Die österreichische Regierung hatte Anfang Mai angekündigt, die Gewinnabschöpfung auszuweiten, sollten die Energieversorger nicht rasch die Preise senken. Im ersten Quartal 2023 hatten Gewinnabschöpfungen in Deutschland, Österreich und Rumänien das Verbund-Ergebnis mit 68,6 Millionen Euro belastet. Der Konzern erzielte aber dennoch einen hohen Gewinn.

Aktuell erwirtschaftet Verbund laut Strugl im Endkundengeschäft Verluste. Jeder Euro, der übrig bleibe, würde zudem in Investitionen für die Energiewende fließen. "Wenn mehr abgeschöpft wird, wird halt weniger investiert", so Strugl. Man müsse sich überlegen, wie man die Abschöpfung gestalte, denn "wenn wir die Energietransformation stemmen wollen, werden wir Milliarden für Investitionen brauchen".

Als Reaktion auf das Interview vom Wochenende gewann die Verbund-Aktie im Handel am gestrigen Montag rund 2 Prozent. Aktuell ist sie am Frankfurter Finanzplatz Xetra 0,6 Prozent im Minus zum Vortag und kostet 69,15 Euro (Stand: 6.6.2023, 9:04 Uhr).

Aktie bleibt langfristig stark

Nach dem steilen Kursanstieg im vergangenen Jahr und einem Allzeithoch im September steckt die Verbund-Aktie in einer anhaltenden Korrekturbewegung fest. Langfristig steht die Aktie mit einem Wertgewinn von 145 Prozent über fünf Jahre aber weiter glänzend da. ECOreporter schätzt die Aussichten von Verbund unverändert als gut ein. Die Diskussionen über Gewinnabschöpfung und Preispolitik sind eine Momentaufnahme - mit seinen klimafreundlichen Kraftwerken und seiner sehr guten Marktposition dürfte der Konzern weiterhin zu den Gewinnern der Energiewende gehören.

Die erwartete Dividendenrendite für das Geschäftsjahr 2023 liegt bei attraktiven 4,8 Prozent. Zudem ist die Aktie mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2023 von 11,5 nach wie vor günstig bewertet. Für Anlegerinnen und Anleger gibt es weiterhin Einstiegsmöglichkeiten.

Verbund ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Nachhaltige Mittelklasse. Ein Unternehmens-Porträt finden Sie hier.

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Verbund AG: ISIN AT0000746409 / WKN 877738

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