Wer im März 2020 in die richtigen nachhaltigen Aktien investiert hat, darf sich über hohe Buchgewinne freuen. Und die Aussichten vieler grüner Papiere bleiben gut. / Foto: Pixabay

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Zehn nachhaltige Corona-Aktientipps: Haben sie sich ausgezahlt?

Vor exakt zwei Jahren, mitten im Corona-Börsencrash, hat ECOreporter zehn nachhaltige Aktien zum Kauf empfohlen. Einige haben ihren Wert seitdem mehr als verdoppelt, und trotz der hohen Kurszuwächse kann sich bei den meisten der Einstieg weiterhin lohnen.

Die zehn Aktien kommen aus ganz unterschiedlichen Branchen. Erneuerbare-Energien-Unternehmen sind dabei, aber auch IT-Firmen, Abfallspezialisten, ein Medizintechnikkonzern und eine Bank. Die Aktien haben sich auf Jahressicht sehr unterschiedlich entwickelt, seit Mitte März 2020 liegen sie aber fast alle deutlich im Plus. Auf Sicht von fünf Jahren hat die erfolgreichste mehr als 470 Prozent an Wert gewonnen. Welche der Aktien derzeit attraktiv sind, erfahren Sie im Premium-Bereich.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

IVU Traffic Technologies aus Berlin und init innovation in traffic aus Karlsruhe bieten IT-Lösungen für Bus- und Bahngesellschaften an. Mit ihren Software-Paketen lassen sich Ticketverkäufe abwickeln, der Flotteneinsatz steuern, und Fahrgäste können in Echtzeit über Anschlussmöglichkeiten und Verspätungen informiert werden. Der Markt ist in den letzten Jahren weltweit stark gewachsen, bei stabilen Gewinnmargen.

Nach Rekordergebnissen in 2020 ging es für beide Unternehmen 2021 wegen unterbrochener Lieferketten und gestiegener Personalkosten langsamer voran. init verfehlte seine Jahresziele knapp, weshalb die Aktie zuletzt an Wert verlor und jetzt mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2022 von 17 wieder moderat bewertet ist. IVU will seine Geschäftszahlen für das letzte Jahr am 31. März bekannt geben. Sollte es danach zu Kursrücksetzern kommen, könnten sich bei der momentan etwas teuren Aktie (KGV 28) Kaufgelegenheiten ergeben.

Wirtschaftlich sind beide Unternehmen gut aufgestellt und kaufen regelmäßig eigene Aktien zurück. Eine weiterhin positive Entwicklung ist wahrscheinlich. Seit dem Corona-Crash im März 2020 hat die init-Aktie 80 Prozent an Wert gewonnen, der Börsenkurs von IVU ist um 115 Prozent gestiegen (sieht Tabelle unten).

Mehr als 100 Prozent Plus

Der Wert der Vestas-Aktie hat sich seit dem 17. März 2020 mehr als verdoppelt. Der dänische Windradbauer ist profitabler als die wichtigsten Konkurrenten, hat aber wie die gesamte Windkraftbranche wegen Lieferengpässen und stark gestiegener Material- und Frachtkosten ein schwieriges Geschäftsjahr 2021 hinter sich. Der Gewinn brach um 77 Prozent ein, die Dividende soll radikal gekürzt werden. Auch 2022 erwartet Vestas einigen Gegenwind, selbst ein Umsatzrückgang wird nicht ausgeschlossen.

Langfristig bleibt die Aktie nach Einschätzung von ECOreporter ein aussichtsreiches Investment – aktuell ist sie allerdings mit einem erwarteten KGV für 2022 von 117 sehr teuer. Wer hier einsteigt, muss einen langen Anlagehorizont und viel Geduld mitbringen.

So haben sich die zehn Aktien entwickelt (sortiert nach der Zwei-Jahres-Performance):
UnternehmenBrancheWKNAktueller Kurs in € (17.3.2022)Kursent-wicklung 1 Monat (%)Kursent-wicklung 1 Jahr (%)Kursent-wicklung 2 Jahre (%)Kursent-wicklung
5 Jahre (%)
Markkapita-lisierung in Milliarden €
SuezWasser/AbfallA0Q41819,84*--118,5**--
IVU TrafficBahn-IT74485019,60-4,83,3114,9473,10,3
Vestas Erneuerbare EnergienA3CMNS28,2918,9-12,2103,294,928,4
StrykerMedizintechnik864952237,304,519,284,895,189,6
init innovationBahn-IT57598030,950,8-7,180,5112,80,3
VeoliaWasser/Abfall50145129,64-8,732,373,988,220,4
UmweltBankBank55708016,25-3,2-2,467,928,50,6
AlgonquinErneuerbare EnergienA0YDAV13,339,2-0,420,153,39,1
SAPIT/Kommunikation716460103,52-2,20,711,314,5122,1
EssityHygieneartikelA2DS2022,12-9,3-15,7-15,6***14,2

*Letzter Kurs 31.1.2022; **Kursentwicklung 17.3.2020 - 31.1.2022; ***Essity ist erst seit Juni 2017 börsennotiert

Um knapp 85 Prozent ist die Stryker-Aktie seit März 2020 im Wert gestiegen, nach dem ersten Corona-Schock hat sie sich als sehr robust erwiesen. Der US-Medizintechnikkonzern ist gut durchs zweite Pandemie-Jahr gekommen, das Nettoergebnis stieg 2021 um ein Viertel. Trotz eines hohen Wettbewerbsdrucks soll der Gewinn in diesem Jahr um weitere 5,5 bis 10 Prozent zulegen.

Stryker besitzt eine robuste Kapitalstruktur und stärkt schon seit Jahren durch strategische Unternehmenszukäufe seine Marktposition. Die Aktie ist mit einem erwarteten KGV von 25 kein Schnäppchen, aber noch akzeptabel bewertet, weil die Wachstumspläne des Konzerns überzeugen. Wer jetzt investiert, sollte allerdings Durchhaltevermögen haben – viele Kurse von Aktien aus dem Gesundheitsbereich schwankten in den letzten Jahren stark.

Nach langem Tauziehen war es im Dezember 2021 so weit: Die EU-Kommission genehmigte den Zusammenschluss der französischen Wasser- und Abfallunternehmen Veolia und Suez. Veolia übernimmt große Teile von Suez und festigt damit seine Position auf dem Weltmarkt. Die Suez-Aktie wird seit Ende Januar nicht mehr gehandelt, zuvor hatte sie seit dem Corona-Crash mehr als 118 Prozent an Wert gewonnen. Auch Veolia steht gut da: Auf Jahressicht notiert die Aktie 32 Prozent im Plus, seit Mitte März 2020 hat sie 74 Prozent zugelegt.

Für ECOreporter ist Veolia derzeit eine Aktie mit erhöhtem Risiko – noch lässt sich nicht abschätzen, wie gut die Integration der Suez-Sparten gelingen wird. Immerhin: Mit einem erwarteten KGV von 17 ist die Aktie nicht hoch bewertet.

UmweltBank startet zwei neue Fonds


Die UmweltBank finanziert Windräder, Vestas baut sie, Algonquin gewinnt mit ihnen Strom: Erneuerbare Energien werden immer wichtiger - und sind häufig eine gute Geldanlage. / Foto: Vestas

Kredite für Solaranlagen, Windräder, nachhaltige Immobilien, mittlerweile auch Wasserstoffprojekte – das ist einer der wichtigsten Geschäftsbereiche der UmweltBank. 2021 stieg der Kreditbestand des grünen Nürnberger Instituts um 11 Prozent. Den Vorsteuergewinn konnte die Bank zum Vorjahr leicht steigern, die Zahl der Kundinnen und Kunden stieg um mehr als 10.000 auf 132.000. Der Gewinn soll 2022 trotz zusätzlicher Kosten für eine IT-Umstellung auf Vorjahresniveau liegen, die erwartete Dividendenrendite beträgt 2,3 Prozent. In den nächsten Wochen will die UmweltBank zwei neue Fonds ihrer Eigenmarke UmweltSpektrum auf den Markt bringen. Die Aktie ist mit einem erwarteten KGV von etwa 21 weiterhin nicht zu teuer, ein Einstieg kann sich nach wie vor lohnen.

Ein Konzern auf dem Weg ins Grüne: Algonquin hat 2020 sein letztes Kohlekraftwerk stillgelegt. Der kanadische Energieerzeuger setzt nur noch auf Strom aus Wasser, Wind und Sonne und betreibt zudem ein einträgliches Versorgergeschäft. Ende 2021 übernahm Algonquin einen großen US-Kohlemeiler, machte ihn dicht und plant, ihn durch Erneuerbare-Energien-Kraftwerke zu ersetzen.

Umsatz und Gewinn konnte der Konzern 2021 im Vergleich zum Vorjahr trotz schlechterer Wetterbedingungen deutlich steigern. Weiteres Wachstum ist wahrscheinlich. Bei einem erwarteten KGV von 20 bieten sich derzeit Kaufchancen für die Aktie. Besonders attraktiv: die erwartete Dividendenrendite von 4,7 Prozent.

Milliardenschwere Investitionen in die Cloud

SAP hat ein Problem: Das Unternehmen investiert in die Zukunft, aber der Finanzmarkt dankt es ihm bislang nicht. Seit der Walldorfer IT-Konzern viel Geld ausgibt, um sich stärker auf das aussichtsreiche Geschäft mit Cloud-Software auszurichten, schwankt der Aktienkurs stark – trotz guter Berichtszahlen. Seit dem Corona-Crash beträgt der Wertzuwachs vergleichsweise niedrige 11 Prozent. Der Grund: Die Aktionäre müssen wahrscheinlich noch ein, zwei Jahre damit leben, dass die Gewinnmargen schwächer ausfallen als in der Vergangenheit – denn die Umstrukturierungen des weltweit verzweigten Konzerns sind teuer. Investoren, die auf kurzfristige Gewinne aus sind, wollen da nicht mitziehen und verkaufen ihre Aktien.

Auf lange Sicht sieht ECOreporter SAP auf dem richtigen Weg. Die Chancen stehen gut, dass sich die Cloud-Investitionen mittelfristig rentieren werden. Und auch im aktuellen Umbruch steht SAP finanziell immer noch sehr stabil da. Mit einem erwarteten KGV von 18 ist die Aktie für die Redaktion ein klarer Kaufkandidat.

Als einziger der zehn Corona-Aktientipps hat Essity in den letzten zwei Jahren an Börsenwert verloren (siehe Tabelle). Das liegt vor allem an stark gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Energie und Transport, die der schwedische Hygieneartikel-Hersteller bislang nicht in voller Höhe auf die Verkaufspreise aufschlagen kann. Einzelhandelsketten haben sich bereits geweigert, auch nur einen teilweisen Preisanstieg zu akzeptieren.

Aber: Als einer der Weltmarktführer bei Klopapier, Taschentüchern und Küchenrollen dürfte Essity mittelfristig Verkaufspreise durchsetzen können, die dem Konzern solide Gewinne garantieren. Die Produkte des Unternehmens werden immer gebraucht, auch in Krisenzeiten, und lassen sich kaum durch günstigere Alternativen ersetzen. Risikofreudige Anlegerinnen und Anleger mit einem langen Investitionshorizont können hier nach den jüngsten Kursverlusten – minus 26 Prozent seit Mitte November 2021 – Kaufchancen sehen.

Fazit

Fast alle Aktien, die ECOreporter 2020 nach dem Corona-Börsenabsturz zum Kauf empfohlen hat, sind weiterhin attraktiv. Bei Stryker, init, Algonquin, SAP und der UmweltBank bieten sich derzeit Einstiegsgelegenheiten. Wer Interesse an Vestas und IVU Traffic hat, sollte auf sinkende Kurse warten. Die Aktien von Veolia und Essity eignen sich derzeit nur für Anlegerinnen und Anleger, die keine Probleme mit erhöhten Risiken haben.

Die UmweltBank, Essity, Vestas, IVU Traffic, Stryker und SAP sind ECOreporter-Favoriten-Aktien.

Den Aktientipp-Artikel aus dem März 2020 finden Sie hier.

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