CO2-Kompensationsmaßnahmen, insbesondere Aufforstungs- und andere Waldprojekte, geraten immer stärker in die Kritik. / Foto: imago images, Tuchong

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Angebliche Klimaneutralität: Deutsche Umwelthilfe sieht „immer dreistere Verbrauchertäuschung“

Die Deutsche Umwelthilfe vermutet bei sieben deutschen Unternehmen Greenwashing und hat sie dazu aufgefordert, Unterlassungserklärungen zu unterschreiben. Andernfalls will die Umweltschutzorganisation aus Hannover vor Gericht ziehen.

Konkret geht es um den Lebensmittel-Lieferdienst HelloFresh Deutschland, die Fluggesellschaft Eurowings, den Büromaterialhersteller A.W. Faber-Castell Retail, die Supermarktkette Netto Marken-Discount, das Lebensmittelunternehmen Danone Deutschland, den Flüssiggas-Anbieter Tyczka Energy und die GmbH & Co. KGaA des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln.

Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert, dass die sieben Unternehmen eine Klimaneutralität ihrer Produkte und Dienstleistungen versprächen, ohne darzulegen, wie sie zu dieser Aussage kommen. Teilweise würden die Firmen keine konkreten Informationen zur Senkung ihrer CO2-Emissionen bereitstellen. In anderen Fällen seien die veröffentlichten Daten für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht verständlich. Zudem würden CO2-Emissionen durch Emissionsgutschriften für zweifelhafte Wald- und Aufforstungsprojekte im globalen Süden nur auf dem Papier ausgeglichen.

"Betrügerische Kompensationsprojekte"

„Wir fordern die Unternehmen auf, die Umweltauswirkungen ihrer Produkte ehrlich zu verringern und nicht durch Centbeträge für oft extrem fragwürdige oder gar betrügerische sogenannte Kompensationsprojekte grün zu waschen“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. „Wir brauchen ehrliche Maßnahmen zur Verringerung des Rohstoffverbrauchs und der Klimagasemissionen. Insbesondere Großunternehmen versuchen zunehmend, sich durch Alibi-Kompensationsmaßnahmen billig von ihrer gesellschaftlichen Verantwortung freizukaufen.“

Die Deutsche Umwelthilfe hat die sieben Unternehmen aufgefordert, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben und sich damit zu verpflichten, die wettbewerbswidrige Werbung künftig zu unterlassen. Sollten sie der Aufforderung nicht nachkommen, will der Verein Klage einreichen. Die Unternehmen haben sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

„Die Zahl an angeblich ‚klimaneutralen‘ Produkten wächst enorm“, erläutert Agnes Sauter, Leiterin ökologische Marktüberwachung bei der Deutschen Umwelthilfe. „Dabei führen Begriffe wie ‚klimaneutral‘ oder ‚CO2-neutral‘ Verbraucherinnen und Verbraucher hochgradig in die Irre, weil sie suggerieren, dass der Konsum des Produkts keine schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima hat. Diese Greenwashing-Strategie wird in der Werbung immer häufiger genutzt, um Produkten ein positives Image zu geben. Die Verwendung solcher Werbebegriffe sollte deshalb grundsätzlich verboten werden.“

ECOreporter bewertet in seinen Nachhaltigkeitsanalysen Aussagen zu einer vermeintlichen Klimaneutralität nur positiv, wenn das Unternehmen seine Klimaziele in erster Linie dadurch erreicht, dass es seinen Energieverbrauch senkt und Energie aus regenerativen Quellen nutzt. Kompensationsmaßnahmen sieht die Redaktion ähnlich kritisch wie die Deutsche Umwelthilfe – mittlerweile sind so viele Fälle von Betrug und Täuschung bekannt geworden, dass das gesamte System zweifelhaft erscheint.

ECOreporter untersucht regelmäßig Aktien nachhaltiger Unternehmen. Eine Übersicht finden Sie hier.

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