Biohacks verkauft u.a. Bio-Energy-Drinks. / Foto: Unternehmen

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Biohacks GmbH: Anleihe mit 3,5 % Zins, einem Jahr Laufzeit – und hohen Risiken?

Die Biohacks GmbH handelt mit veganen und Bio-zertifizierten Lebensmitteln. Um im Bereich der sogenannten „Functional Foods“ zu wachsen, hat das Unternehmen aus Düsseldorf zur Finanzierung eine Anleihe für Privatanlegerinnen und -anleger aufgelegt. Diese bietet einen Zins von 3,5 Prozent bei einer Laufzeit von nur einem Jahr. Die Mindestzeichnung beträgt 1.000 Euro.

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Bei der Anleihe handelt es sich auf den Inhaber lautende Teilschuldverschreibungen der Emittentin Biohacks GmbH mit der Bezeichnung „3,5 % Biohacks - Anleihe 2021/2022“. Die Laufzeit der Teilschuldverschreibungen beginnt am 1. Februar 2021 und endet am 31. Januar 2022. Die Veräußerbarkeit der Teilschuldverschreibungen ist eingeschränkt, da sie nicht an einem geregelten Markt notiert sind. Eine solche Notierung ist laut Wertpapier-Informationsblatt (WIB, Stand: 21.1.2021) auch nicht vorgesehen. Das maximale Emissionsvolumen der Anleihe beträgt 999.000 Euro.

Biohacks GmbH mit vielfältigen Geschäftstätigkeiten


Der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit der Emittentin ist laut WIB „der Einkauf und Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln, diätischen Lebensmitteln und Lebensmitteln (online/Einzelhandel), gesundheitsberatene Tätigkeiten, Herstellung, Design und Verkauf von Merchandisingartikeln, Organisierung und Durchführung von Events, Beratung von Private Labels, Marketingdienstleistungen, Beratung, Serviceleistungen sowie der Betrieb einer Werbeagentur“.

Erfolgreichstes Geschäftsjahr – mit Verlust

Laut News der Biohacks GmbH vom 5. Februar 2020 war 2019 das erfolgreichste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte. In diesem Geschäftsjahr 2019 verzeichnete die Emittentin laut Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) einen Fehlbetrag von rund 72.000 Euro. Dadurch weist der Jahresabschluss der Emittentin zum 31. Dezember 2019 einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Jahresfehlbetrag von rund 26.000 Euro aus. Die Emittentin ist damit zum 31. Dezember 2019 bilanziell überschuldet. Sollte es der Emittentin laut WIB nicht gelingen, in Folgejahren diesen Fehlbetrag auszugleichen, oder sollte sie wiederholt weitere Jahresfehlbeträge erzielen, kann dies zur Insolvenz der Emittentin und zum Totalverlust des investierten Kapitals der Anlegerinnen und Anleger führen.

Große Ziele

Das Sachanlagen-Vermögen der Biohacks GmbH ist laut Jahresabschluss 2019 mit 4.153 Euro gering. Es bestand Ende 2019 aus einem PKW (1.765 Euro), der Betriebsausstattung (1.021 Euro) und der Büroeinrichtung (1.367 Euro).

Laut GuV betrug das Rohergebnis der Emittentin für das Geschäftsjahr 2019 rund 366.000 Euro (2018: 412.000 Euro). Mittelfristig wird nach Angaben der Emittentin „ein Jahresumsatz von ca. 90 Millionen Euro bei einer attraktiven Marge angestrebt“. Das Ziel soll von einer neuen Geschäftsführung erreicht werden. Die beiden Gründer der Biohacks GmbH sind gemäß Einträgen im Unternehmensregister, die im Januar 2021 veröffentlicht wurden, nicht mehr Geschäftsführer des Unternehmens.

Risiken

Das ordentliche Kündigungsrecht der Anlegerinnen und Anleger ist ausgeschlossen. Das Recht zur außerordentlichen Kündigung der Anlegerinnen und Anleger aus wichtigem Grund bleibt unberührt. Ein wichtiger Grund liegt laut WIB z.B. vor, wenn ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens oder ein ähnliches Verfahren gegen die Emittentin von einem Gläubiger bei Gericht eingereicht wird und dieser Antrag nicht binnen 60 Tagen nach Einreichung abgewiesen oder ausgesetzt wurde oder wenn die Emittentin ein solches Verfahren einleitet.


Im Falle einer Insolvenz der Emittentin sind die Anlegerinnen und Anleger laut WIB nach Maßgabe der Insolvenzordnung mit den sonstigen nicht bevorrechtigten Gläubigern der Emittentin gleichgestellt. Vor den Ansprüchen der Anlegerinnen und Anleger werden laut WIB besicherte Ansprüche Dritter bedient. Ein Totalverlust ist möglich.

Die Fähigkeit der Biohacks GmbH zur Kapitalrückzahlung und Zinszahlung hängt vom Erfolg ihrer Geschäftstätigkeit ab. Maßgebliche Einflussfaktoren dafür sind laut WIB die Entwicklung des Wettbewerbs und der Nachfrage nach den von der Emittentin angebotenen Produkten, insbesondere nach Nahrungsergänzungsmitteln und/oder diätischen Lebensmitteln. Sollte es der Emittentin nicht gelingen, sich mit ihren Produkten in diesem wettbewerbsintensiven Markt durchzusetzen, könnten die erwarteten Umsatzentwicklungen ausbleiben, und es könnte zur Insolvenz der Emittentin. Zudem bestehen laut WIB Risiken aus Gewährleistungsansprüchen, im Zusammenhang mit Genehmigungen und der Einhaltung sonstiger regulatorischer Anforderungen sowie Finanzierungs-, Liquiditäts- und Kreditrisiken.

Fazit:

Falls die Biohacks GmbH ihre Wachstumspläne umsetzen und ihre ambitionierten mittelfristigen Umsatzziele erreichen sollte, würde das die Renditechancen für Anlegerinnen und Anleger erhöhen, die die Emittentin jetzt mit Eigenkapital ausstatten. Für die Zeichner der Anleihe ist als Fremdkapitalgeber die Rendite aber auf nur 3,5 Prozent für lediglich ein Jahr begrenzt, sodass die Risiken des Anleiheangebots überwiegen.

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