Eine "Austern"-Solaranlage von SunOyster. Das Unternehmen wirbt derzeit Geld über die Crowd ein. / Foto: SunOyster Systems GmbH

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Bis 69 % Rendite? Crowdinvesting von SunOyster Systems mit Erfolgsbeteiligung

Die SunOyster Systems GmbH verfügt über ein Portfolio von Solaranlagen, die zweiachsig der Sonne nachgeführt werden. Sie erzeugen dabei Wärme und/oder Strom. Um den Ausbau des Geschäftsbetriebs zu finanzieren, bietet das Unternehmen ab 100 Euro Nachrangdarlehen an. Diese haben eine Laufzeit von rund fünf Jahren und erfolgsabhängige Zinsen. Die geplante Rendite im Basisszenario beträgt 56 Prozent pro Jahr. Welche Risiken bestehen?

Anbieterin und Emittentin der Nachrangdarlehen ist die SunOyster Systems GmbH aus Halstenbek bei Hamburg. Geschäftstätigkeit der Emittentin sind Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Solarenergieanlagen, insbesondere auf der Grundlage der Patente über die Solartechnologie SunOyster, die Entwicklung von Solarenergieprojekten sowie sämtliche damit zusammenhängenden Geschäfte.

Die SunOystern heißen laut Projekt-Beschreibung auf der Internet-Dienstleistungsplattform Fundernation (Stand: 22.6.2022, im Folgenden kurz: Projektprofil) so, weil sich ihre Parabolspiegel bei Sturm in eine flache Sicherheitsposition (Oystering-Position) schließen, ebenso wie sich Austern bei Gefahr fest verschließen. Die Emittentin entwickelt seit 2012 die SunOyster-Technologie und hat laut Projektprofil bislang rund 10 Millionen Euro an Fördermitteln, Investorengeldern und ersten Umsätzen investiert, um die erforderliche Präzision der SunOyster hinreichend preiswert zu machen. Die Produkte sind nun nach Angaben des Unternehmens weitgehend fertig entwickelt.

Wozu dient das Anlegerkapital?

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Das Emissionsvolumen der Nachrangdarlehen beträgt bis zu 1 Million Euro. Die Nettoeinnahmen bei Vollplatzierung von voraussichtlich rund 850.000 Euro will die Emittentin laut Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB, Stand: 18.5.2022) wie folgt investieren:

  • Einstellung von Personal in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Installation (zusammen 25 Prozent der Nettoeinnahmen)
  • Einstellung von Personal in den Bereichen Technologie, Produktion und Produktentwicklung (zusammen 17 Prozent der Nettoeinnahmen)
  • Beauftragung eines externen Dienstleisters mit der Zertifizierung der neuen Produkte „SunOyster 8 heat“, „SunOyster 8 hybrid“ und „PVmover“ (10 Prozent der Nettoeinnahmen)
  • Erwerb von Komponenten für die zu verkaufenden Solarenergieanlagen (43 Prozent der Nettoeinnahmen).

Laut VIB handelt es sich um zwölf Hauptlieferanten, und es sollen Komponenten für 65 Solarenergieanlagen zuzüglich Zubehör (insbesondere thermische und elektrische Speicher) angeschafft werden. Zu den Komponenten zählen laut VIB unter anderem Stahlteile, Aluteile, Antriebe, Steuerungen (Eigenbau), Photovoltaik-Module (Trina Solar) und Wechselrichter (Growatt). Für die Anschaffung der Komponenten bestehen laut VIB bereits etablierte Lieferantenbeziehungen.

Laufzeit und Zins

Die Nachrangdarlehen haben eine Laufzeit bis zum 30. Juni 2027.

100 Euro Nachrangdarlehensbetrag entsprechen laut VIB bei Vollplatzierung einer Beteiligungsquote von 0,000909 Prozent an der Emittentin. Frühzeichner erhalten 5 Prozent mehr, somit 0,000952 Prozent.

Als jährlichen Erfolgszins gewährt SunOyster eine Verzinsung in Höhe der Beteiligungsquote am Jahresüberschuss der Emittentin. Falls die Emittentin ihren Unternehmenswert zum Ende der Laufzeit steigern konnte, gibt es einen Bonuszins, der sich nach dem Verhältnis von Unternehmenswertsteigerung zu Beteiligungsquote berechnet. Gemäß dem im Projektprofil dargestellten Finanzplan soll der Umsatz im Zielszenario von 2021 bis zum für den Bonuszins entscheidenden Jahr 2026 von gut 100.000 Euro auf rund 100 Millionen Euro anwachsen. Im Zielszenario geht die Emittentin von einer Rendite für die Anlegerinnen und Anleger von 69 Prozent pro Jahr aus.

Falls die Emittentin während der Laufzeit mehrheitlich veräußert werden sollte, gibt es laut VIB als Exitzins einen prozentualen Anteil, der sich nach dem Verhältnis von Netto-Erlös zur Beteiligungsquote berechnet.

Hohe Risiken

Bei der Vermögensanlage handelt es sich partiarische Nachrangdarlehen mit vorinsolvenzlicher Durchsetzungssperre. Der letzte aufgestellte Jahresabschluss der Emittentin für das Geschäftsjahr 2020 ist im Unternehmensregister nicht veröffentlicht, sondern dort nur hinterlegt. Laut VIB weist die Emittentin zum 31. Dezember 2020 ein negatives Eigenkapital aus.

Der wirtschaftliche Erfolg der Emittentin hängt laut VIB insbesondere davon ab, ob es dem Unternehmen gelingt, technische Risiken der komplexen Solarenergieanlagen (wie etwa Serienfehler) zu kontrollieren und qualifiziertes Fachpersonal anzuwerben. Es besteht das Risiko, dass die Nachfrage nach den neuartigen Solarenergieanlagen künftig unter den Erwartungen der Emittentin bleibt.  Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn kapitalstärkere Wettbewerber effizientere Solartechnologien entwickeln und/oder ihre Produkte kostengünstiger produzieren und anbieten können. Derzeit besteht für die Emittentin angesichts der stark gestörten Lieferketten das Risiko, dass sie die für ihre Produkte erforderlichen Komponenten nur verzögert und/oder zu stark erhöhten Preisen beschaffen kann.

Für Anlegerinnen und Anleger besteht ein erhebliches Risiko, dass sie ihr bei der Emittentin eingesetztes Kapital vollständig verlieren.

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