Bei dem Crowd-Projekt geht es um kleine Solaranlagen, mit denen Privathaushalte elektrische Geräte betreiben können. / Foto: Pixabay

02.04.20 Crowd-Investment , Wachhund

Crowd-Investment: Solarstrom und Fernsehen in Kenia - 8 % Rendite trotz Corona?

Während die Corona-Pandemie sich intensiviert, kommen derzeit einige Crowd-Investment-Angebote auf den Markt, die Projekte etwa in Afrika oder Indien finanzieren. Also in Ländern, in denen die gesundheitliche Versorgung wesentlich kritischer werden könnte als in Europa.

Ein Beispiel: Eine Crowd-Plattform bietet stolze 8 Prozent Zinsen pro Jahr für 5 Jahre für ein Projekt in Kenia an. Es geht um Solaranlagen, aber auch unter anderem um Fernseher. Eine sogenannte deutsche Zweckgesellschaft ist die Anbieterin des Crowd-Investments. Wie ist das Angebot zu beurteilen?

Das Nachrangdarlehen können Anleger ab 250 Euro über die Online-Plattform bettervest zeichnen. Zweckgesellschaft und Emittentin des Nachrangdarlehens ist die Pawame Germany UG. UG bedeutet haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft. Es ist die kleine Variante einer GmbH. Das Kapital der Anleger soll an das in Kenia tätige Unternehmen Pawame Kenya Limited (kurz: Pawame) weitergeleitet werden.

Solar-Home-Systeme um Fernseher erweiterbar

Insgesamt sollen 325.000 Euro eingesammelt werden. Mit diesem Geld, aber abzüglich der Nebenkosten will Pawame 2.300 Solar-Home-Systeme (SHS) erwerben und diese dann an kenianische Haushalte verkaufen und bei ihnen installieren. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf soll das Nachrangdarlehen samt Zinsen an die Anleger (zurück)gezahlt werden. Die  2016 gegründete Pawame hat nach eigenen Angaben bislang circa 12.000 dieser Systeme verkauft.

Ein SHS besteht aus einem Solarmodul, einer Batterie mit Batteriemanagementsystem und einem Zahlungssystem mit Pay-as-you-go-(PAYG)-Technologie. Die Produkte sind nach Angaben von Pawame modular aufgebaut und können mit weiteren Solarmodulen und Batterieblocks sowie durch Lampen, Ventilatoren, Radios oder Fernseher erweitert werden.

Über den Solarprodukt-Verkauf das Kreditgeschäft ankurbeln

Dank des Systems könnten sich nach Angaben von Pawame die Kunden von ihren gesundheitsschädlichen Petroleumlampen und Kerzen trennen. Das Unternehmen fungiert zusätzlich als Kreditagentur für die zuverlässig zahlenden Kunden. Die Zahlungshistorie werde in der Kreditverwaltungssoftware von Pawame erfasst und bietet den Kunden eine umfassende Kredithistorie. Eine positive Kredithistorie ermöglicht nach Pawame-Angaben den Kunden den Kauf zusätzlicher Haushaltsgeräte wie Kühlschränke oder Kochherde, aber auch Zugang zu Finanzdienstleistungen wie Studentenkrediten, Mikrokrediten oder Krankenversicherungen.

Pawame: bislang Verluste

Die kenianische Pawame hat in den Jahren 2016 bis 2018 jeweils Verluste verzeichnet. Gemäß dem "Cash Flow Statement“ erhielt Pawame 2019 Zahlungseingänge  von Kunden in Höhe von rund 960.000 US-Dollar. Dem standen 2019 ein Warenankauf von rund 1,34 Millionen US-Dollar und Betriebskosten von rund 1,39 Millionen US-Dollar gegenüber, sodass sich ein "negativer operativer Cash Flow“ von 1,77 Millionen US-Dollar ergab. Zur Erläuterung: Anders als beim Gewinn werden dem Cashflow unbare Ausgaben wie Abschreibungen oder Rückstellungen nicht zugerechnet. Er zeigt also die tatsächliche Ertrags- und Finanzkraft eines Unternehmens und gibt an, wie viel Geld ein Unternehmen während eines bestimmten Zeitraums wirklich erwirtschaftet hat. 1,77 Millionen US-Dollar negativer Cash Flow – das ist eine Menge. Insbesondere im Vergleich zum gesamten Crowd-Investment von maximal 325.000 Euro, um die es hier gehen soll. Außerdem betrug der Kassenbestand des Unternehmens Ende 2019 nur rund 26.000 US-Dollar.

Pawame erwartet laut "Cash Flow Statement“, dass sich der "negative operative Cash Flow“ zunächst weiter deutlich erhöht und erst 2025 positiv wird. Das sind 5 lange Jahre mit negativen Ergebnissen. Um den Geschäftsbetrieb weiter ausbauen zu können und dabei liquide zu bleiben, plant Pawame, mehrere Millionen US-Dollar an Fremdkapital aufzunehmen.

Der wirtschaftliche Erfolg von Pawame hängt beispielsweise davon ab, wie erfolgreich das hier beschriebene Projekt werden wird. Und dabei geht es vor allem um die Zahlungsfähigkeit der Kunden.  

Corona-Situation in Kenia

Mit 59 bestätigten Fällen (Quelle: Johns Hopkins Universität, Stand: 31.3.2020) ist Kenia gesundheitlich-medizinisch bislang noch weniger von der Corona-Pandemie betroffen. Wobei die Anzahl der gemeldeten Infizierten stark davon beeinflusst ist, ob es überhaupt Corona-Tests gibt und wie viele Personen getestet werden. Hierzu gibt es keine überprüfbaren Aussagen. Gleichwohl hat die kenianische Regierung bereits Vorsichtsmaßnahmen getroffen, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen haben. Nach Angaben des deutschen Auswärtigen Amts (Stand: 31.3.2020) sind in Kenia seit dem 25. März alle Flughäfen geschlossen. Seit dem 27. März gilt eine landesweite nächtliche Ausgangssperre von 19 bis 5 Uhr.

Fazit: Solaranlagen für Kenianer sind ein Beitrag zu einer nachhaltigen Energieversorgung in dem Land. Aber wird das Geld der Anleger dieses Crowd-Investments sein Ziel überhaupt komplett erreichen? Zum Vergleich: In Deutschland hatten am 30. März 470.000 Unternehmen Anträge auf Kurzarbeit gestellt. Es ist nicht ersichtlich, warum sich in Kenia die wirtschaftliche Situation besser darstellen sollte als in Deutschland, wenn sich dort das Coronavirus auch verbreiten sollte. Wenn die Wirtschaft in Kenia "nur“ so stark leidet wie in Deutschland, ist zu befürchten, dass die Solaranlagen, um die es unter anderem in diesem Projekt geht, wenig Absatz finden werden. Und wenn sie Abnehmer finden, ist die Frage, wie lange diese zahlen können.

Angesichts der äußerst dünnen finanziellen Decke von Pawame sieht ECOreporter dieses Investment als finanziell höchst riskant an. Die Nachhaltigkeit des Projektes kann das nicht ausgleichen, denn wenn Pawame eine Krise nicht aussitzen kann, ist fraglich, ob Solaranlagen angeschafft, vertrieben und installiert werden. Oder eben gar nicht geliefert werden oder in Lagerhäusern alt werden. Insofern: Kenia wird in jedem Fall angesichts der Coronakrise Hilfe benötigen. Hier scheinen Spenden sinnvoller als höchst riskante Investments.

Ein ECOreporter-Porträt der Plattform bettervest können Sie hier lesen.

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