Royal Group Industries will Solarstrom von einer ecoligo-Gesellschaft beziehen. / Foto: ecoligo

  Anleihen / AIF, Crowd-Investment

Crowdinvestment für Solarprojekt in Kenia mit 6 % Zins – und hohen Risiken?

Die in Kenia ansässige ecoligo Ltd. möchte ein weiteres Solarprojekt umsetzen. Anlegerinnen und Anleger können das bei Royal Group Industries geplante Solarprojekt ab 100 Euro über die Online-Plattform ecoligo.investments mittelbar finanzieren. Der Zinssatz der Nachrangdarlehen der deutschen ecoligo Projects One UG (haftungsbeschränkt) beträgt 6 Prozent pro Jahr bei einer geplanten Laufzeit von rund sechs Jahren.

Welche Risiken bestehen bei den Nachrangdarlehen? Wie ist die Transparenz zu beurteilen? Und warum sind Anlegerinnen und Anleger des Kenia-Solarprojekts mittelbar auch davon abhängig, dass andere kenianische Unternehmen Blumen verkaufen können, Verpackungen aus Vietnam gefragt sind und Touristen nach Costa Rica reisen?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der Käufer des Solarstroms (Endkunde) in Kenia, Royal Group Industries, wurde 2014 gegründet und hat sich laut ecoligo seit Produktionsbeginn im Jahr 2015 auf die Herstellung von Wassertanks und Leitungsrohren für den Transport von Wasser, Öl und Gas spezialisiert. Am Firmensitz in Nakuru, zu dem ein Büro, eine Lagerhalle und vier Produktionshallen gehören, arbeiten zurzeit 169 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Quelle: ecoligo-Projektseite, Abruf 8.2.2021). Auf dem Dach des Firmensitzes soll eine Solaranlage mit einer Gesamtkapazität von 450 Kilowattpeak (kWp) installiert werden.

Leasingvertrag mit fünf Jahren Laufzeit

Die Emittentin ecoligo Projects One UG (haftungsbeschränkt) soll die Nettoeinnahmen aus den Nachrangdarlehen an die Projektinhaberin, die in Kenia ansässige ecoligo Ltd., weiterleiten. Die Projektinhaberin soll das Solarprojekt nach der Errichtung betreiben und Erträge aus einem Leasingvertrag mit dem kenianischen Solarstrom-Endkunden erwirtschaften. Die Einnahmen aus dem Leasingvertrag mit nur fünf Jahren Laufzeit sollen laut Wirtschaftlichkeitsberechnung ausreichen, um die Verzinsung und Rückzahlung der Nachrangdarlehen zu ermöglichen.

Es besteht laut Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB, Stand: 14.1.2021) unter anderem das Risiko, dass die Solaranlage nicht die Leistungswerte erreicht, die die Projektinhaberin ihrem Endkunden im Rahmen einer „Performance-Garantie“ zusichert, und sich damit die Höhe der Leasing-Raten verringert.

Risiken der Projektinhaberin

Es besteht das Risiko, dass der in Kenia ansässigen Projektinhaberin in Zukunft nicht die erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen, um ihren Verpflichtungen gegenüber der Emittentin vollständig nachzukommen. Der wirtschaftliche Erfolg der Projektinhaberin hängt laut VIB von mehreren Faktoren ab, „von dem erfolgreichen Abschluss des finanzierten Solarprojekts im geplanten Kostenrahmen, der Entwicklung des Strompreises oder des Preises anderer Energieträger, dem Marktumfeld, Nachfrage- und Absatzsituation, Lieferantenbeziehungen, dem politischen Umfeld und politischen Entwicklungen, Länder- und Wechselkursrisiken, Umweltrisiken, technologischen Entwicklungen, Schutzrechten, gesetzlichen Rahmenbedingungen, Wettbewerbern und weiteren Faktoren“.

Emittentin hat bereits mehrere Vermögensanlagen angeboten

Die Emittentin ecoligo Projects One UG (haftungsbeschränkt) hat laut VIB in den letzten zwölf Monaten Vermögensanlagen von rund 2,52 Millionen Euro angeboten, davon rund 2,32 Millionen Euro verkauft und rund 140.000 Euro vollständig getilgt. Diese Anlegergelder hat sie mittelbar beispielsweise in Solaranlagen bei einer Universität in Ghana, Blumenfarmen und Rosenzüchtern in Kenia, einem Verpackungshersteller in Vietnam und in Klimaanlagen eines Hotelbetriebs in Costa Rica investiert. Es liegt der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2019 der Emittentin vor, der die Lage der Emittentin im Februar 2021 nicht abbilden kann.

Blumenfarmen und Hotels in Corona-Zeiten

Es besteht das Risiko, dass solche anderen Projekte, die die Anlegerinnen und Anleger des aktuellen Kenia-Solarprojektes nicht selbst finanziert haben, zu Zahlungsausfällen bei den Anlegerinnen und Anlegern führen. Dies kann etwa der Fall sein, wenn ein anderes Projekt der ecoligo GmbH oder einer der lokal ansässigen Tochtergesellschaften wirtschaftlich fehlschlägt und in der Folge fällige Verbindlichkeiten gegenüber der Emittentin nicht bedient werden können. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn Solarstrom-Endkunden ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen können, weil z.B. infolge der Corona-Krise die kenianischen Unternehmen weniger Blumen ins Ausland verkaufen und der Hotelbetrieb in Costa Rica weniger Gäste hat.

Fazit:

Für Anlegerinnen und Anleger sind die Nachrangdarlehen der ecoligo Projects One UG (haftungsbeschränkt) mit hohen Risiken verbunden. Da die Emittentin mittelbar in zahlreiche Projekte in verschiedenen Ländern investiert ist und ein Jahresabschluss inklusive Lagebericht für ihr Geschäftsjahr 2020 noch nicht veröffentlicht wurde, sind die aktuell bestehenden Risiken im Detail derzeit nicht transparent.

Verwandte Artikel

08.11.21
 >
03.02.21
 >
23.11.20
 >
02.11.20
 >
04.09.20
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x