Auch ältere Windräder sollen sich weiter drehen und Strom produzieren. / Foto: Nordex

  Erneuerbare Energie, Meldungen

Energieanbieter Naturstrom AG für Weiterförderung alter Windräder

Die Corona-Krise hat die Preise an den Strombörsen abstürzen lassen. Der Energieanbieter Naturstrom AG fürchtet deshalb um die wirtschaftliche Perspektive älterer Windräder, bei denen die Förderung ausläuft – und im Falle ihres Abschaltens einen Verlust „erheblicher Ökostrommengen“. Das Unternehmen schlägt daher eine „befristete, kostengünstige und unbürokratische Auffanglösung“ vor.

Zum Jahresende laufe für rund 5.000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 3,7 Gigawatt (GW) die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus, wie das Unternehmen mitteilt. Das sei deutlich mehr als das Dreifache des letztjährigen Zubaus und entspricht einer Produktion von rund fünf Milliarden Kilowattstunden Ökostrom pro Jahr.

Angesichts der eingebrochenen Energiepreise ließen sich durch den Verkauf des Ökostroms die Kosten für den Weiterbetrieb aber kaum wieder einspielen. Deshalb drohe die Abschaltung. „Wenn viele dieser günstig produzierenden Altanlagen 2021 aus dem Markt gehen, steht unter dem Strich womöglich ein Rückbau der Windenergie in Deutschland“, so Oliver Hummel, Naturstrom-Vorstand für Energiebelieferung. 2022 seien weitere alte Anlagen mit einer Gesamtleistung von 2,4 Gigawatt betroffen.

Überschaubare Kosten in zwei Jahren

Deshalb fordert das Unternehmen die Politik zu einer zeitlich befristeten Weiterförderung auf. Betreiber von Altanlagen sollen gemäß dem Naturstrom-Konzept weiter über das EEG-System eine Auffang-Vergütung für den eingespeisten Strom bekommen können, allerdings nur noch in Höhe von 3,2 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) im Basisfall, einem Bruchteil der bisherigen Vergütung

Je nach Anlagengröße und Standort soll es bestimmte Auf- und Abschläge auf diese Grundprämie geben. Größere Anlagen an den bestmöglichen Standorten erhalten dem Konzept zufolge 2,2 ct/kWh, für kleinere Anlagen an schlechten Standorten gilt eine Obergrenze von 4,5 ct/kWh. Das Modell soll auf zwei Jahre begrenzt sein und einen monatlichen Wechsel in die freie Vermarktung an Energiehändler erlauben.

Die Kosten wären laut Naturstrom mit 15 Millionen Euro in den kommenden beiden Jahren überschaubar. Windräder könnten weiterproduzieren und sich nach einer Preiserholung an den Strombörsen wieder selbst tragen. „Der Weiterbetrieb funktionstüchtiger alter Windräder ist deutlich kostengünstiger als der vorzeitige Ersatz durch neu zu errichtende Kraftwerke jedweder Technologie“, erklärt Hummel.

Dem Strommarktcrash dürfe nicht auch noch ein plötzlicher Einbruch der Ökostromerzeugung folgen. Hummel: „Nicht zuletzt mit Blick auf den wachsenden Strombedarf durch Elektromobilität und Wärmepumpen benötigen wir schnell mehr statt weniger Ökostrom in Deutschland.“

Von der Naturstrom AG gibt es eine nicht börsennotierte Aktie. Wie Sie die Aktie kaufen können, erfahren Sie hier.

ECOreporter hat eine Anleihe von Naturstrom in einem ECOanlagecheck hier analysiert.

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