Offshore-Windkraftanlage von Vestas: Das dänische Unternehmen hat derzeit mit unterbrochenen Lieferketten zu kämpfen. / Foto: MHI Vestas

  Aktientipps, Nachhaltige Aktien, Aktien-Favoriten

Windaktien in der Corona-Krise - von minus 75 % bis plus 4 %

Auch der Windsektor leidet unter der Corona-Pandemie. Aber nicht jedes Unternehmen ist gleichermaßen betroffen. Welche Aktien sind derzeit aussichtsreich, welche riskant?

Unterbrochene Lieferketten und nationale Einschränkungen bremsen aktuell den Windsektor genaus aus wie viele andere Industrien. Der Branchenverband World Wind Energy Association (WWEA) erwartet, dass sich 2020 der Windkraftausbau aufgrund der Corona-Krise gegenüber dem Vorjahr deutlich verlangsamen wird.

Das Coronavirus macht vor allem Windanlagenbauern aufgrund von Lieferverzögerungen zu schaffen – ihnen fehlen wichtige Bauteile und Rohstoffe. Windparkprojektierer oder Windparkbetreiber sind hingegen nur geringfügig von der Corona-Pandemie  betroffen.

Windanlagenbauer

Vestas ist mit 16 Prozent Marktanteil in 2019 der weltgrößte Hersteller von Windkraftanlagen. Das dänische Unternehmen setzte im ersten Quartal 2020 2,2 Milliarden Euro um – ein Anstieg um 29 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis (EBIT) ging allerdings von 97 Millionen Euro auf minus 54 Millionen Euro zurück. Als Grund für den Verlust nennt der Konzernvorstand Corona-bedingte Lieferengpässe  sowie gesunkene Margen.

Aufgrund der Ungewissheit infolge der Corona-Pandemie hat Vestas seine Prognose für 2020 ausgesetzt. Das Vestas-Management hält es aber weiterhin für möglich, die ursprüngliche Prognose für 2020 zu erfüllen. Vor Beginn der Corona-Krise hatte Vestas für 2020 14 bis 15 Milliarden Euro Umsatz und eine EBIT-Marge zwischen 7 und 9 Prozent erwartet.

Für ECOreporter ist die Vestas-Aktie nach wie vor ein solides Langfristinvestment. Das Unternehmen dürfte zwar kurzfristig unter Einbußen infolge der Corona-Krise leiden. Auf mittlere bis lange Sicht sollte sich die Situation aber wieder normalisieren.

Investierte Anleger sollten dabei bleiben, Neueinsteiger sollten die Aktie beobachten. Falls Vestas im weiteren Verlauf des Jahres schlechte Zahlen veröffentlicht, könnten sich Einstiegschancen ergeben.

Vestas ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie der Kategorie Nachhaltige Mittelklasse. Ein Unternehmensporträt finden Sie hier.

Siemens Gamesa schlittert in Verlustzone

Siemens Gamesa meldete für das zweite Quartal seines Geschäftsjahres 2019/20 (Januar bis März) einen Verlust von 165 Millionen Euro. Im Vorjahr lag der Quartalsgewinn noch bei 49 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres hat der deutsch-spanische Windanlagenbauer damit bereits 339 Millionen Euro Verlust verbucht.

Das Management des Konzerns hat Anfang Mai wegen Projektverzögerungen und des anhaltenden Preisdrucks auf dem Windanlagenmarkt die Gewinnprognose für das aktuelle Geschäftsjahr gesenkt - bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Im laufenden Geschäftsjahr rechnet Siemens Gamesa nur noch mit einer operativen Gewinnmarge (EBIT-Marge) von 4,5 bis 6 Prozent. Zuvor war der Konzern von 5,5 bis 7 Prozent ausgegangen.

Branchenexperten rechnen bei Siemens Gamesa mit leichten Umsatzsteigerungen in den kommenden Geschäftsjahren. Analysten stufen die Aktie aktuell mehrheitlich als Halteposition ein. ECOreporter rät Neueinsteigern, die Siemens Gamesa-Aktie zu beobachten. Bereits investierte Anleger sollten ihre Anteile halten.

Nordex bleibt in der Verlustzone

Nordex steigerte im ersten Quartal 2020 seinen Umsatz von 399 Millionen Euro auf 964,6 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg von 3,3 auf 13,1 Millionen Euro. Allerdings machte Nordex unter dem Strich einen Verlust von 38 Millionen Euro – das Minus fiel sogar um 3 Millionen Euro höher aus als im Vorjahresquartal.  

Nordex erwartet im zweiten Quartal erhebliche Einbußen aufgrund der Corona-Pandemie. Eine Prognose für das laufende Jahr traut sich das Management aktuell nicht zu.

Auf Sicht von drei Monaten ist die Nordex-Aktie fast 40 Prozent im Minus. Wann das Unternehmen in die Gewinnzone vorstößt, ist ungewiss.

Ein Einstieg bei Nordex ist derzeit riskant. Anleger sollten sich bei anderen Branchenunternehmen umsehen, etwa dem Konkurrenten Vestas. Vestas ist deutlich größer als Nordex und zudem im Offshore-Windmarkt aktiv, der starkes Wachstum verspricht.

Senvion wird abgewickelt, Aktie noch handelbar

Der deutsch-luxemburgische Windanlagenbauer Senvion hat 2019 Insolvenz angemeldet. Trotzdem ist die Aktie des Unternehmens noch handelbar. Sie notiert an der Börse Frankfurt bei 0,017 Euro und ist auf Jahressicht 99 Prozent im Minus (Stand 13.5.2020; 16:30 Uhr). Auf Sicht von drei Monaten ist der Kurs um 75 Prozent gefallen. ECOreporter bleibt bei seiner Einschätzung: Aktuell gibt es keinen Grund, bei Senvion einzusteigen.

So haben sich die Kurse der Windaktien entwickelt (sortiert nach der Drei-Monats-Performance):

Welche Chancen haben Windparkprojektierer?

Der Wiesbadener Wind- und Solarparkentwickler ABO Wind rechnet für das Geschäftsjahr 2019 mit einem Gewinn von 11,4 Millionen Euro – 14 Prozent mehr als ursprünglich geplant. Den Jahresabschluss für 2019 will das Unternehmen am 9. Juni 2020 veröffentlichen.

ABO Wind hatte für das erste Halbjahr 2019 solide Geschäftszahlen veröffentlicht  (ECOreporter berichtete hier). Im April meldete das Unternehmen den Netzanschluss von Solarparks in Ungarn und Tunesien (hier und hier erfahren Sie mehr).

Die Projektpipeline von ABO Wind ist gut gefüllt. Das Unternehmen arbeitet aktuell eigenen Angaben zufolge in 16 Ländern an der Entwicklung von Wind- und Solarparks mit einer Gesamtleistung von rund 10 Gigawatt (GW).

ECOreporter sieht bei der ABO Wind-Aktie Potenzial – vor allem für Langfristanleger. Das internationale Geschäft von ABO Wind hat stark an Fahrt gewonnen. Dies sollte in den kommenden Jahren für steigende Umsätze sorgen. Hinzu kommt: Die Aktie ist mittlerweile für den Handel an der Börse Xetra zugelassen. Das macht sie für mehr Investoren attraktiv.

Energiekontor: Weniger Gewinn in 2019 – Aussichten gut

Der Bremer Wind- und Solarparkentwickler Energiekontor setzte 2019 63,7 Millionen Euro um. 2018 waren es 110,2 Millionen Euro. Der Nettogewinn ging von 6,7 auf 0,2 Millionen Euro zurück. Das Unternehmen erklärte die rückläufigen Zahlen mit Verzögerungen beim Bau eines Windparks in Nordrhein-Westfalen. Dieser konnte erst im Januar 2020 ans Netz angeschlossen werden und wurde daher nicht wie geplant 2019 bilanzwirksam.

Im April meldete Energiekontor, mit dem Versorger Engie einen Stromabnahmevertrag für einen 41,5-MW-Solarpark abgeschlossen zu haben. Der Solarpark soll 2021 ans Netz gehen. Eine Geschäftsprognose für 2020 hat Energiekontor bislang nicht abgegeben. Der Vorstand erwartet "keinen erheblichen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit durch das Coronavirus".

ECOreporter hatte im Mai 2019 bei Energiekontor zum Einstieg geraten. Da stand die Aktie bei 15,50 Euro. Seitdem ist sie um 22 Prozent gestiegen. Auch aktuell kann sich der Einstieg lohnen. Die langfristigen Aussichten des Unternehmens sind gut.

Energiekontor ist ein ECOreporter-Aktien-Favorit aus der Kategorie Grüne Spezialwerte. Lesen Sie auch unser ausführliches Unternehmensporträt.

PNE: Morgan Stanley-Übernahme gescheitert

Der Cuxhavener Windparkprojektierer PNE setzte 2019 132,8 Millionen Euro um. Der Nettogewinn lag bei 0,7 Millionen Euro.

PNE ist in 14 Ländern aktiv, unter anderem in den USA, Kanada, Südafrika, Deutschland und der Türkei. Aktuell entwickelt das Unternehmen Windparks mit einer Gesamtkapazität von 5 GW. Auch erste Photovoltaik-Projekte hat PNE bereits in Angriff genommen. Das Unternehmen betreibt darüber hinaus eigene Windkraftanlagen mit einer Gesamtkapazität von 130 MW. Bis 2023 soll das eigene Kraftwerksportfolio auf 500 MW anwachsen.

Die US-Bank Morgan Stanley ist mittlerweile mit 40 Prozent der Anteile größter PNE-Einzelaktionär. Im Dezember 2019 hatte Morgan Stanley versucht, sich die Aktienmehrheit an PNE zu sichern und das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Dieser Versuch scheiterte allerdings.

Die PNE-Aktie steht an der Börse Stuttgart derzeit bei 4,36 Euro. ECOreporter hatte die PNE-Aktie hier empfohlen. Seitdem hat sie mehr als 50 Prozent im Kurs zugelegt. Die Wachstumsaussichten des Unternehmens sind gut – obwohl der Windkraftausbau hierzulande stockt. Die Aktie der PNE Wind AG ist ein Kandidat für die Grünen Spezialwerte.

Welche Windstromerzeuger lohnen sich?

Das Encavis-Management hat ambitionierte Ziele. Das Hamburger Unternehmen möchte bis 2025 seine Stromerzeugungskapazität von aktuell 1,7 auf 3,4 GW verdoppeln. Der Umsatz soll, sofern das Wetter mitspielt, von 260 auf 440 Millionen Euro steigen, der operative Gewinn pro Aktie von 0,40 auf 0,70 Euro.

Um zusätzliche liquide Mittel zu erhalten, will Encavis Minderheitsbeteiligungen an einzelnen Wind- und Solarparks verkaufen. Im Dezember war die Versicherungskammer Bayern (VKB) als Ankeraktionär bei Encavis eingestiegen. Die VKB hatte sich über eine Kapitalerhöhung etwas mehr als 4 Prozent der Aktien des SDax-Konzerns gesichert. Umsatz- oder Gewinneinbußen infolge der Corona-Krise erwartet Encavis bislang nicht.

Die Encavis-Aktie steht aktuell bei 11,84 Euro. Auf Sicht von drei Monaten hat sie mehr als 4 Prozent an Wert gewonnen. Das erwartete KGV für 2020 liegt bei 29. Damit ist die Aktie hoch bewertet. Investierte Anleger sollten dabei bleiben, Neueinsteiger sollten günstigere Kurse abwarten.

ECOreporter hat die Encavis-Aktie hier ausführlich analysiert und empfohlen. Seit der Empfehlung hat die Aktie 94 Prozent im Kurs zugelegt.

Encavis ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Grüne Spezialwerte.

Orsted: Mehr Gewinn – trotz Corona

Der dänische Windstromerzeuger Ørsted machte im ersten Quartal 2020 trotz der Corona-Krise mehr Gewinn. Die Pandemie soll sich auch im weiteren Verlauf des Jahres nur geringfügig auf das Geschäft des Grünstromkonzerns auswirken.

Ørsted will als weltweit erster großer Energiekonzern bis 2025 kein CO2 mehr ausstoßen. Bis 2023 möchte das Unternehmen seine letzten verbliebenen Kohlekraftwerke abschalten oder zu Biomassekraftwerken umbauen. Im selben Zeitraum will Ørsted neue Windparks mit einer Stromerzeugungskapazität von 20 GW errichten. Zudem denkt der Konzern darüber nach, seine Fahrzeugflotte bis 2025 komplett auf Elektroantriebe umzustellen.

Ørsted veröffentlichte für das Geschäftsjahr 2019 leicht rückläufige Zahlen (mehr können Sie hier lesen). Für 2020 erwartet das Unternehmen einen weiteren leichten Rückgang beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA).

Wirtschaftlich ist Ørsted sehr solide aufgestellt. Die Kosten für die Ausrichtung auf Erneuerbare Energien belasten die Geschäftsergebnisse nicht stärker als erwartet, und die Zukunftsaussichten des Konzerns sind gut – Ørsted ist der weltgrößte Betreiber von Windparks auf hoher See. Mit einem erwarteten KGV für 2020 von aktuell 32,5 ist die Aktie allerdings nicht günstig bewertet. Wer bei Ørsted einsteigen will, sollte einen langen Investitionshorizont mitbringen oder auf Kurskorrekturen warten.

Ein ECOreporter-Porträt von Ørsted finden Sie hier.

Abo Invest nähert sich der Gewinnzone

Der Windparkbetreiber ABO Invest aus Wiesbaden hat sich 2019 bei Umsatz und Ergebnis verbessert. Nach den vorläufigen Geschäftszahlen setzte das Unternehmen im letzten Jahr rund 33 Millionen Euro um. 2018 waren es 31,7 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg von 23,4 auf 26 Millionen Euro. Der Nettoverlust verringerte sich von 1,25 auf 0,4 Millionen Euro. Den geprüften Jahresabschluss 2019 will ABO Invest am 25. Mai veröffentlichen.

ECOreporter sieht bei der ABO Invest-Aktie Potenzial. Das Unternehmen muss aber in den nächsten Jahren unter Beweis stellen, dass es in der Lage ist, weiter zu wachsen und schwarze Zahlen zu schreiben. Wer bei der Aktie einsteigt, sollte die Geschäftsentwicklung von ABO Invest genau beobachten.

ABO Invest ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Grüne Spezialwerte. ECOreporter hat die Aktie von ABO Invest hier ausführlich analysiert. 

Greencoat UK Wind will Dividende erhöhen

Der britische Windparkbetreiber Greencoat UK Wind produzierte im ersten Quartal 2020 bereits 30 Prozent des für 2020 erwarteten Stroms. Nennenswerte Auswirkungen der Corona-Pandemie auf sein Geschäft erwartet das Unternehmen nicht.

Ende April meldete Greencoat UK Wind den Kauf eines neuen Windparks mit einer Leistung von 240 MW. Er soll 2023 ans Netz gehen. 2019 hatte das Unternehmen drei neue Windparks mit einer Gesamtleistung von 114,3 MW gekauft. Das Portfolio von Greencoat UK Wind bestand zum Jahresende 2019 aus 35 Windparks mit einer Gesamtleistung von 973 MW.

Das Unternehmen hat für 2019 je Aktie eine Dividende in Höhe von 6,94 Pence ausgeschüttet. 2020 möchte das Management die Dividende auf 7,1 Pence je Aktie anheben.

Die Greencoat UK Wind-Aktie steht an der Börse Stuttgart derzeit bei 1,61 Euro. Auf Jahressicht ist die Aktie 4,2 Prozent im Plus.

Greencoat UK Wind ist ein Yieldco – so nennt man in englischsprachigen Ländern börsennotierte Stromproduzenten mit hohen Dividendenausschüttungen. Weitere Yieldcos hat ECOreporter hier vorgestellt.

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