Öl- und Kohle-Aktien waren in den letzten Jahren keine gute Investment-Idee. / Foto: Pixabay

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Grüne Fonds laufen auf lange Sicht besser

Aktienfonds, die als besonders nachhaltig ausgewiesen werden, haben sich in den letzten Jahren besser entwickelt als weniger grüne Fonds. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Analysehauses Scope.

Die Scope-Experten haben sich die Wertentwicklung von Aktienfonds angesehen, die von ihren Anbietern als sogenannte Artikel-9-Fonds nach der EU-Offenlegungsverordnung vermarktet werden. Diese Fonds nehmen für sich in Anspruch, ein konkretes Nachhaltigkeitsziel zu verfolgen, und werden (leider nicht immer zutreffend) als Impact-Fonds bezeichnet.

Auf lange Sicht überdurchschnittliche Renditen

Was Scope herausfand: Weltweit anlegende Artikel-9-Fonds schafften in den letzten fünf Jahren eine Wertsteigerung von durchschnittlich 8,2 Prozent pro Jahr, auf drei Jahre gesehen sogar 12,3 Prozent. Die weniger grünen Fonds, die unter die Artikel 6 und 8 der Offenlegungsverordnung fallen, legten weniger stark zu: 8 Prozent auf fünf Jahre, 11,4 Prozent auf drei Jahre.

Noch größer sind die Unterschiede bei Fonds, die in europäische Aktien investieren: Hier schafften die Artikel-9-Fonds jährliche Zuwächse von 6,3 Prozent (fünf Jahre) und 9,8 Prozent (drei Jahre). Die anderen Fonds kamen nur auf 5,6 bzw. 8,3 Prozent.

Schwächer schnitten die Artikel-9-Fonds lediglich im kurzfristigen Vergleich ab: Auf Jahressicht liegen sie bei weltweiten wie europäischen Anlageuniversen etwa 2,5 Prozent hinter den anderen Fonds.

Die fossile Energiebranche schwächelt seit Jahren

Nach Angaben von Scope haben die unterschiedlichen Wertentwicklungen vor allem etwas mit der Sektorauswahl der Fonds zu tun. „Impact-Fonds sind häufig kaum im Energiesektor investiert, weil klassische Öl- und Gasunternehmen als wenig nachhaltig gelten. Das hat den Wertzuwachs in den vergangenen zwölf Monaten spürbar gebremst, denn der Energiesektor hat in dieser Zeit gemessen am MSCI World Energy Index um rund 55 Prozent zugelegt", erläutern die Scope-Fachleute Simone Schieg und Andre Härtel.

Auf lange Sicht hat der Verzicht auf fossile Energiekonzerne den Artikel-9-Fonds laut Scope aber gut getan. Mit einem jährlichen Wertzuwachs von durchschnittlich nur 2,7 Prozent habe sich die traditionelle Energiebranche in den letzten fünf Jahren schwächer entwickelt als alle anderen Sektoren. Positiv habe sich bei Impact-Fonds auch die Übergewichtung von wachstumsorientierten Aktien etwa aus den Bereichen Gesundheit und Technologie ausgewirkt. Zuletzt seien Wachstumstitel (sogenannte Growth-Titel) zwar schlechter gelaufen als Aktien etablierter Unternehmen (sogenannte Value- oder Substanz-Werte). Auf längere Sicht hätten Growth-Aktien aber höhere Renditen erzielt.

Die Bezeichnung Artikel-9-Fonds alleine sagt wenig über die tatsächliche Nachhaltigkeit eines Fonds aus, weil die Anbieter ihre Produkte selber in die verschiedenen Schubladen der Offenlegungsverordnung einsortieren dürfen und bislang noch keine transparente Kontrolle dieser Kennzeichnungen erfolgt. Hier ist weiterhin Greenwashing möglich.

Wie grün Fonds tatsächlich sind, erfahren Sie in den mittlerweile mehr als 70 ECOreporter-Fondstests.

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