Dr. Sandra Reich ist unter anderem Dozentin für Sustainable Finance. / Foto: Sandra Reich

  Anleihen / AIF, Finanzdienstleister, Fonds / ETF

Interview: So will die BaFin gegen grünen Etikettenschwindel vorgehen

Greenwashing im Finanzbereich: ein gravierendes Problem. Eine Vielzahl an Fonds, ETFs und anderen Produkten täuscht vor, grün oder nachhaltig zu sein, mit fantasiereichen Begriffen wie „ex carbon“, „sustainable“ oder „ESG“. Erst wer ganz genau hinschaut, entdeckt dann Unternehmen, die das Klima weiter heftigst beeinträchtigen, Waffen herstellen oder Frauen nicht in Vorstandspositionen lassen. Die Finanzaufsicht BaFin stellt sich nun der Herkulesaufgabe, hier für Klarheit zu sorgen. Eine neue Richtlinie soll Anlegerinnen und Anlegern vor grün gewaschenen Geldanlagen bewahren. ECOreporter hat die Expertin Dr. Sandra Reich um Erläuterung und Einschätzung gebeten.

Reich ist gelernte Bankkauffrau, studierte Wirtschaftsrechtlerin und promovierte Juristin. Seit 2018 arbeitet sie als Unternehmensberaterin in München. Davor war sie unter anderem lange Jahre Geschäftsführerin der Börsen Hamburg und Hannover. Aktuell ist sie auch Aufsichtsrätin und Beirätin sowie Dozentin für „Sustainable Finance“ an der Munich Business School.

ECOreporter: Frau Dr. Reich, verstehen wir es richtig, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sich demnächst um das Thema Greenwashing bei Geldanlagen kümmern wird?

Reich: So sieht es aus. Die BaFin möchte Anleger vor Greenwashing schützen. Investmentvermögen sollen nur als nachhaltig vermarktet werden dürfen, wenn Nachhaltigkeit auch ein wesentlicher Bestandteil der Anlagebedingungen ist. In dem nun veröffentlichten Entwurf einer „Richtlinie für nachhaltige Investmentvermögen“ legt die BaFin ihren Ansatz zur Vermeidung von Greenwashing dar.

Nun gibt es ja schon nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten, in verschiedenen Regelungen: In der Verordnung (EU) 2019/2088 („SFDR“), in der Verordnung (EU) 2020/852 („Taxonomie-Verordnung“). Warum denn jetzt noch eine neue BaFin-Richtlinie?

Die Offenlegungs-Verordnung enthält Transparenzanforderungen zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken im Investitionsentscheidungsprozess oder auf Produktebene. In der Taxonomie-Verordnung wird definiert, wann eine Wirtschaftstätigkeit als ökologisch nachhaltig einzustufen ist. Aus Sicht der BaFin bleibt trotz aller Transparenzanforderungen weiterhin unklar, ob ein Investmentvermögen als nachhaltig deklariert werden kann und die Inhalte der Anlagebedingungen zum Namen des Finanzproduktes passen. Diese Lücke will die BaFin schließen. Auch wenn sie schon ankündigt, bei der Einführung des EU-Ecolabels diese Richtlinie wieder anpassen zu wollen.

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