Magnora plant mittlerweile vor allem Wind- und Solarparks. / Symbolfoto: Pixabay

  Nachhaltige Aktien

Magnora-Aktie: Sonne und Wind statt Öl und Gas

Magnora entwickelte bis vor wenigen Jahren Spezialschiffe für fossile Energiekonzerne. Heute geht es bei dem norwegischen Unternehmen nur noch um grüne Geschäftsfelder: Windparks, Solaranlagen, Stromspeicher. Wie attraktiv ist die Magnora-Aktie? ECOreporter hat sie analysiert.

Bei seiner Gründung 2001 hieß Magnora noch Sevan Marine. Man entwarf Förder- und Verladeschiffe für die Öl- und Gasindustrie. 2018 dann die Klimakehrtwende: Das Management verkaufte das langjährige Kerngeschäft und baute das Unternehmen zu einer Beteiligungsgesellschaft für Erneuerbare-Energien-Firmen um. Magnora stieg unter anderem beim schwedischen Solarparkentwickler Helios Nordic Energy und dem schwedischen Solarzellenoptimierer Evolar ein, gründete mehrere Tochterunternehmen und ließ zu klimaneutralen Schiffsantrieben forschen.

Aktuell konzentriert sich die von Oslo aus verwaltete Magnora-Gruppe vor allem darauf, Grünstromprojekte bis zur Baureife zu entwickeln und dann zu verkaufen. Das Portfolio besteht Stand August 2022 aus Wind-, Solar- und Speicherprojekten in Skandinavien (2,3 Gigawatt, GW), Südafrika (1,7 GW) und Großbritannien (0,6 GW). Darunter sind auch technisch herausfordernde Offshore-Windvorhaben in Schottland, Wales und Schweden, bei denen das Unternehmen von seiner Expertise aus Sevan Marine-Zeiten profitiert. Im September gründete Magnora mit dem norwegischen Ökostromproduzenten Hafslund ein Gemeinschaftsunternehmen, um in Norwegen Solarparks mit einer Kapazität von 1 GW zu planen.

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Magnora bekommt noch Geld von Shell

Das neue Magnora befindet sich weiterhin im Aufbau, auch einige der Beteiligungsunternehmen sind noch jung und nicht profitabel. Im ersten Halbjahr 2022 setzte Magnora nur 9,6 Millionen Norwegische Kronen (0,9 Millionen Euro) um. Dem standen hohe Kosten für Firmenbeteiligungen und Projektentwicklungen gegenüber. Unter dem Strich blieb ein Nettoverlust von 32,2 Millionen Kronen (3,1 Millionen Euro).


Sein Geschäft mit Öl- und Gasschiffen hat Magnora an die norwegische Firma Sevan SSP verkauft. / Foto: Sevan SSP

Wann Magnora Gewinne erzielen wird, ist unklar. Anfang August verfügte das Unternehmen über einen finanziellen Puffer aus Cash-Reserven und nicht ausgeschöpften Kreditlinien von 85,4 Millionen Kronen (8,2 Millionen Euro). Bilanziell steht Magnora solide da: Ende Juni besaß der Konzern Vermögenswerte von 321 Millionen Kronen (knapp 31 Millionen Euro). Die überwiegend aus Bankkrediten bestehenden Verbindlichkeiten beliefen sich auf 116 Millionen Kronen (etwa 11 Millionen Euro).

Magnora plant, in diesem Jahr Projekte mit einer Kapazität von 150 bis 220 Megawatt zu verkaufen. Die Erlöse daraus dürften bei etwa 190 Millionen Kronen (18 Millionen Euro) liegen. Zudem erhält das Unternehmen noch Zahlungen aus alten Ölgeschäften, etwa von Shell. Zu den erwarteten Projektverkäufen im nächsten Jahr äußert sich das Management nicht konkret – diese seien „schwierig vorherzusagen“.

Hohe Kursschwankungen, keine Dividende

Die Aktie von Magnora/Sevan Marine ist seit 2004 an der Börse in Oslo notiert und auch an mehreren deutschen Börsenplätzen handelbar. Nach der Neuausrichtung des Unternehmens 2018 stürzte der Kurs bis auf 0,53 Euro ab. Danach ging es stetig aufwärts bis zu einem Allzeithoch von 3,04 Euro im März 2021. Es folgte ein weiterer Einbruch auf 1,45 Euro. Seit Juli 2021 steigt der Kurs mit einigen Ausschlägen wieder, derzeit kostet die Aktie an der Börse Frankfurt 2,02 Euro (17.10.2022, 8:06 Uhr). Das entspricht einer Marktkapitalisierung von 135 Millionen Euro.

Die Magnora-Aktien befinden sich zu etwa 70 Prozent in Streubesitz. Größter Einzelaktionär ist das Partnerunternehmen Hafslund, das seit einer Kapitalerhöhung im September 14 Prozent der Anteile hält. Eine Dividende schüttete Magnora zuletzt 2020 aus: 0,33 Kronen je Aktie. Das entspräche beim aktuellen Aktienkurs einer Dividendenrendite von ungefähr 1,6 Prozent. Bis auf Weiteres will das Unternehmen keine Dividenden mehr zahlen – das Geld soll stattdessen in neue Projekte investiert werden.

Fazit

Magnora hat ein kerngrünes, zukunftsträchtiges Geschäftsmodell. Allerdings befindet sich das Unternehmen noch in einer frühen Entwicklungsphase und dürfte in den nächsten Jahren auf Fremdkapital in erheblichem Umfang angewiesen bleiben. Die Kosten für dieses Kapital steigen derzeit deutlich, weil viele Notenbanken ihre Leitzinsen erhöhen. Ein weiteres Risiko: Magnora konzentriert sich nicht auf ein klar eingegrenztes Geschäftsfeld, sondern will sich im Erneuerbare-Energien-Sektor über einen Mix aus eigenen Unternehmen und Beteiligungen regional wie thematisch breit aufstellen. Ob diese Strategie aufgehen wird, lässt sich derzeit schwer abschätzen.

Für ECOreporter ist die Magnora-Aktie ein ebenso spannendes wie riskantes Investment. Wer hier einsteigt, sollte viel Geduld und gute Nerven mitbringen, auch weil die Aktie aktuell mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 5 kein Schnäppchen ist. Attraktive Kaufkurse sieht die Redaktion derzeit bei etwa 1 Euro. So viel kostete die Aktie zuletzt im August 2020.

Magnora ASA:

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