Photon Energy will sich über eine Anleihe frisches Kapital besorgen. / Foto: Unternehmen

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Neuer Green Bonds von Photon Energy mit 6,5 % Zins – hohe Risiken in Osteuropa?

Die Photon Energy N.V. aus Amsterdam bietet eine neue Solaranleihe mit sechs Jahren Laufzeit an. Das Unternehmen entwickelt Photovoltaik-Projekte unter anderem in Ungarn und Australien. In einem anderen Land verfügt der Konzern über ein Solar-Portfolio, für das ein sehr hoher Einspeisetarif von über 55 Cent je Kilowattstunde gilt. Warum das finanziell nicht nur positiv ist, erfahren Sie im folgenden Artikel. Zudem wird auf weitere Abhängigkeiten und Risiken eingegangen.

Das öffentliche Angebot der „6,50 % p.a. 2021/2027 Inhaberschuldverschreibungen“ der Photon Energy N.V. soll nach Angaben der Emittentin am 2. November 2021 starten. Die Stückelung der Anleihe (ISIN DE000A3KWKY4) beträgt 1.000 Euro, das Emissionsvolumen bis zu 50 Millionen Euro. Die Emittentin rechnet laut Prospekt mit Provisionen und anderen angebotsbezogenen Kosten von etwa 1,5 Millionen Euro. Ein Handel im Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse ist vorgesehen.

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Zum Prospektdatum (12.10.2021) sind Michael Gartner und Georg Hotar die geschäftsführenden Direktoren der Anleiheemittentin Photon Energy N.V. Gartner hält laut Prospekt – mittelbar und unmittelbar – rund 36 Prozent, Hotar rund 35 Prozent der Aktien der börsennotierten Photon Energy N.V. Die Emittentin ist laut Prospekt die Holdinggesellschaft der Photon Energy-Gruppe.

Die Photon Energy-Gruppe verfügt laut Prospekt über umfangreiche Erfahrungen in der Entwicklung, dem Bau, der Inbetriebnahme und der Betriebsführung von Solarkraftwerken. Sie investiert auch in Technologieunternehmen. Die Gruppe ist zudem nicht nur im Solarbereich tätig, sondern entwickelt und liefert auch Wasserreinigungs-, Sanierungs- und Aufbereitungssysteme.

Solaranlagen in Osteuropa und Australien

Die Photon Energy-Gruppe hält laut Prospekt Solaranlagen mit einer Nennleistung von zusammen 89,3 Megawattpeak (MWp) im Eigenbestand. Diese Leistung verteilt sich Unternehmensangaben zufolge auf Solaranlagen in Tschechien (15,0 MWp), der Slowakei (10,5 MWp), Ungarn (49,1 MWp) und Australien (14,7 MWp).

Der Einspeisetarif für die Solaranlagen in Tschechien beträgt laut Photon Energy-Jahresbericht 2020 umgerechnet rund 56 bis rund 60 Eurocent/kWh. Für die Solaranlagen in der Slowakei sind es umgerechnet etwa 38 bis 43 Cent/kWh. Die Solaranlagen in Ungarn erhalten laut Jahresbericht 2020 einen Einspeisetarif von umgerechnet rund 9,5 Cent/kWh. Zum Vergleich: Neue, kleine Freiflächen-Solaranlagen (bis 750 kWp) in Deutschland erhalten eine Einspeisevergütung von rund 5 Cent/kWh.

Mehr als die Hälfte des Umsatzes in Tschechien

Insgesamt hat die Photon Energy-Gruppe 2020 laut Jahresbericht einen Umsatz von rund 28 Millionen Euro (2019: rund 30 Millionen Euro) erzielt. Davon entfielen rund 15 Millionen Euro (2019: rund 20 Millionen Euro) auf ihr Solargeschäft in Tschechien.

Photon Energy entwickelt laut Anleiheprospekt Photovoltaik-Projekte in Australien (160 MWp), Ungarn (96,5 MWp), Rumänien (226,2 MWp) und Polen (115,8 MWp).

Hohe Risiken

Insbesondere in frühen Phasen von Projektentwicklungen bestehen hohe Risiken, dass Projekte scheitern. Die Photon Energy-Gruppe ist abhängig von gesetzlichen Einspeisevergütungen. Das gilt insbesondere für die bestehenden Solaranlagen der Gruppe in Tschechien und der Slowakei. ECOreporter hat über Gesetzesänderungen in Tschechien und der Slowakei berichtet, welche die Solaranlagen von Photon Energy negativ betreffen. Grundsätzlich kann das Risiko bestehen, dass durch Gesetzesänderungen ein wirtschaftlicher Betrieb von Solaranlagen erschwert wird oder nicht mehr möglich ist.

Laut Prospekt sind in den Konzernabschlüssen die Zweckgesellschaften höher bewertet als der Kaufpreis und folglich auch höher als die Anschaffungskosten. Es besteht laut Prospekt das Risiko, dass sich die Annahmen und Grundlagen der Bewertung als zu günstig oder falsch erweisen und eine außerordentliche Wertminderung in der Bilanz der Emittentin notwendig wird.

Die Emittentin muss nächstes Jahr die Photon Energy Anleihe 2017/22 (ISIN DE000A19MFH4) zurückzahlen. Diese Anleihe hat ein Volumen von 45 Millionen Euro und eine Laufzeit bis Ende Oktober 2022. Derzeit haben Anlegerinnen und Anleger der Anleihe 2017/22 die Möglichkeit, diese in die Anleihe 2021/2027 umzutauschen. Es besteht abhängig vom Umtauschvolumen und Platzierungsvolumen der Anleihe 2021/2027 das Risiko, dass die Refinanzierung der Anleihe 2017/22 durch die Anleihe 2021/2027 nicht gelingt.

Fazit

Die Photon Energy-Gruppe ist umsatzmäßig bislang noch in hohem Umfang vom tschechischen Solarmarkt abhängig, der mit rechtlichen Unwägbarkeiten verbunden ist. Bei neu geplanten Projekten bestehen Entwicklungsrisiken. Zudem sind die Emittentin Photon Energy N.V. und ihre Vorhaben vom Platzierungsvolumen der neuen Anleihe 2021/2027 abhängig. Für Anlegerinnen und Anleger der neuen Anleihe besteht das Risiko, dass sie ihr eingesetztes Kapital teilweise oder vollständig verlieren.

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