Sind 3,0 Prozent Jahreszins derzeit angemessen für ein Solar-Nachrangdarlehen mit zehnjähriger Laufzeit? / Symbolfoto: Pixabay

  Anleihen / AIF, Crowd-Investment, Crowd-Test

PV Trio - Crowdinvesting für drei Solaranlagen in Deutschland

Die TL Investitionen GmbH plant, drei Photovoltaik-Anlagen auf Dachflächen zu betreiben. Um den Kauf dieser kürzlich fertiggestellten Anlagen zu finanzieren, bietet das Unternehmen ab 250 Euro Nachrangdarlehen an. Deren Zins beträgt 3,0 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von rund zehn Jahren.

Emittentin und Anbieterin der Nachrangdarlehen ist die TL Investitionen GmbH aus Merkendorf in Bayern. Die drei Solar-Dachanlagen befinden sich laut Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB, Stand: 7.10.2022) in Niedersachsen (installierte Leistung 3.058 Kilowattpeak, kWp), in Sachsen-Anhalt (1.534 kWp) und in Mecklenburg-Vorpommern (1.254 kWp). Die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz beträgt laut Projektprofil auf der Crowd-Plattform ecozins 8,38 Cent/kWh bzw. 7,38 Cent/kWh (für die größte Anlage). Laut Projektprofil ist die Anlage in Niedersachsen schon ans Netz angeschlossen und speist Strom ein, während die beiden anderen Standorte aktuell noch auf die Netzanschlusstermine warten.

Das Emissionsvolumen der Nachrangdarlehen beträgt 4,2 Millionen Euro. Die Finanzierungsstruktur der Emittentin ist ungewöhnlich. Wie ist das Nachrangdarlehens-Angebot im aktuellen Umfeld zu beurteilen? Ist die Verzinsung angemessen?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Das Geschäftsfeld der Emittentin ist laut Unternehmensregistereintrag der Handel und Betrieb von Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien. Die TL Investitionen GmbH wurde 2021 gegründet und hat ein Stammkapital von 25.000 Euro. Geschäftsführer sind Joshua Tlapak (Jahrgang 1984) und Robin Lehmberg (1993).

Die TL Investitionen GmbH ist laut ecozins-Projektprofil (Stand: 17.11.2022) eine Projektgesellschaft der hessischen Sunconergy GmbH (Geschäftsführer Robin Lehmberg) sowie der fränkischen JT Holding GmbH (Geschäftsführer Joshua Tlapak) mit Sitz in Merkendorf. Laut Projektprofil erwirbt und errichtet die Emittentin in Zusammenarbeit mit dem Projektentwickler MMR Projekt GmbH (Geschäftsführer Robin Lehmberg) und dem Generalunternehmer MHB Montage GmbH (Geschäftsführer Joshua Tlapak) an unterschiedlichen Standorten in Deutschland Photovoltaikanlagen und betreibt diese langfristig.

Finanzierung ohne Bankkapital geplant

Die voraussichtlichen Gesamtkosten des Projekts „PV-Trio“, das aus den drei Solaranlagen besteht, betragen nach Angaben der Emittentin 5,1 Millionen Euro. Diese wurden laut Projektprofil vom Generalunternehmer MHB Montage vorfinanziert. Montage

Die geplanten Nettoeinnahmen aus den Nachrangdarlehen von rund 4,0 Millionen Euro (bei Vollplatzierung) sind hierfür allein nicht ausreichend. Die Finanzierung soll zudem mit Eigenkapital von rund 1,1 Millionen Euro erfolgen.

Die Aufnahme von Bankkapital ist demnach nicht vorgesehen. Bis zum letzten Jahr wurden Solarprojekte in Deutschland oftmals zu über 80 Prozent mit sehr niedrig verzinstem Bankkapital finanziert. Inzwischen ist das Zinsniveau aber massiv angestiegen. So fördert die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) Photovoltaikanlagen mit dem zinsgünstigen Kredit Erneuerbare Energien – Standard (270) derzeit ab 3,61 Prozent effektivem Jahreszins (Stand: 17.11.2022). Dieses von der KfW angegebene Zinsbeispiel basiert zwar auf einer geringeren Darlehenssumme von 50.000 Euro und einer kürzeren Laufzeit. Trotzdem ist es ein Hinweis darauf, dass es für Betreiber von Solarprojekten inzwischen abhängig von den jeweils angebotenen Konditionen attraktiver sein kann, kein besichertes Bankdarlehen aufzunehmen, sondern sich stattdessen über unbesicherte und nachrangige Darlehen zu finanzieren.

Laufzeit und Zins

Die Laufzeit der Nachrangdarlehen endet am 31. Dezember 2032. Die Emittentin hat aber das Recht, den Nachrangdarlehensvertrag zu kündigen, frühestens jedoch nach 24 Monaten ab dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses. In diesem Fall beträgt die Vorfälligkeitsentschädigung die Zinsen, die die Anlegerin oder der Anleger bis zum Ende der Laufzeit noch erhalten hätten.

Der Zinssatz der Nachrangdarlehen beträgt 3,0 Prozent pro Jahr. Die Rückzahlung des Darlehensbetrags soll laut VIB in gleichen Jahresraten ab dem Jahr 2025 erfolgen.

Wird die Investitionsschwelle von 3 Millionen Euro bis zum 30. September 2023 nicht erreicht, werden laut VIB die Nachrangdarlehen inklusive bereits bis zu diesem Zeitpunkt angefallener Zinsen an die Anlegerinnen und Anleger zurückgezahlt. In diesem Fall wird dann laut ecozins-Projektprofil für die Finanzierung des Projektes eine klassische Fremdkapitallösung angestrebt.

Risiken

Bei der Vermögensanlage handelt es sich um unbesicherte Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt. Die Emittentin kann zahlungsunfähig werden oder in Überschuldung geraten. Dies kann laut VIB insbesondere der Fall sein, wenn das Unternehmen geringere Einnahmen und/oder höhere Ausgaben als erwartet zu verzeichnen hat oder wenn es eine etwaig erforderliche Anschlussfinanzierung nicht einwerben kann.

Die Geschäftsführer der Emittentin fungieren auch bei beteiligten Unternehmen (Projektentwickler, Generalunternehmer, Wartung) als Geschäftsführer. Daher besteht ein Potenzial  für Interessenskonflikte. Das gilt beispielsweise für die Festsetzung des Kaufpreises, den die Emittentin für die Solaranlagen zu zahlen hat. Zudem können beispielsweise Interessenskonflikte auftreten, falls Bauschäden entdeckt werden sollten oder die Wartung der Anlagen kostenintensiver wird als prognostiziert. Während der Laufzeit besteht auch das Risiko, dass die Sonne weniger scheint als erwartet und die Stromerträge in der Folge unter den Erwartungen der Emittentin liegen.

Fazit

Die Anlegerinnen und Anleger tragen bei den Nachrangdarlehen unternehmerische Risiken mit, die zudem höher sind als das Risiko bei besichertem und/oder nicht nachrangigem Fremdkapital. Der Zinssatz der Nachrangdarlehen beträgt 3,0 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von zehn Jahren. Inzwischen gibt es bei Banken und Sparkassen in Deutschland die Möglichkeit, Festgeld bei zehn Jahren Laufzeit zu über 2 Prozent pro Jahr anzulegen – mit steigender Tendenz. Für diese Festgeldanlagen gelten zudem die Regeln der gesetzlichen Einlagensicherung. Im Vergleich zu diesen Festgeldangeboten ist der Zinssatz der angebotenen Nachrangdarlehen „PV-Trio“ zu gering, um die deutlich höheren Risiken einer unternehmerisch geprägten Investition abbilden zu können.

Verwandte Artikel

19.04.24
 >
15.11.22
 >
01.11.22
 >
24.07.23
 >
17.11.22
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x