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Solardachziegel: Crowdinvesting von Autarq mit 7,5 % Zins

Die Autarq GmbH hat Miniatur-Solarmodule entwickelt, die auf Tondachziegel aufgesetzt werden. Um die Erhöhung der Produktionskapazitäten zu finanzieren, bietet das Unternehmen ab 250 Euro Nachrangdarlehen an. Deren Zins beträgt 7,5 Prozent pro Jahr bei einer Mindestlaufzeit von rund fünf Jahren. Wie hoch ist das Risiko?

Anbieterin und Emittentin der Nachrangdarlehen ist die Autarq GmbH mit Sitz in Prenzlau in Brandenburg. Sie wurde 2012 unter dem Namen Pareto Solar GmbH in Hamburg gegründet, 2016 in Autarq GmbH umbenannt und nach Prenzlau verlegt.

Kai Buntrock, der seit rund einem Jahr zusammen mit dem Unternehmensgründer Cornelius Paul die Geschäftsführung der Emittentin bildet, erläutert in einem am 5. Dezember 2022 veröffentlichten Interview auf der Crowd-Plattform Econeers: „Seit Beginn in 2012 haben wir mehr als 700 Dächer mit unserem System ausgestattet. In der frühen Entwicklungsphase der Produktgenerationen eins bis drei waren es wenige Dutzend pro Jahr. Seit 2021 und der nunmehr vierten Produktgeneration sind wir massenmarktfähig und in die teilautomatisierte industrialisierte Produktion eingestiegen. Nennenswerte Umsätze erzielen wir daher auch erst seit den letzten eineinhalb Jahren. Von knapp 2 Millionen Euro wachsen wir in 2022 auf wahrscheinlich 5 Millionen Euro Umsatz und planen, im ersten Jahr der Massenfertigung von 1,5 Millionen Solardachziegeln in der Vertriebspartnerschaft mit Creaton und Jacobi Walther einen Umsatz von mehr als 40 Millionen Euro zu erreichen.“

Das maximale Emissionsvolumen der Nachrangdarlehen beträgt laut Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB, Stand: 22.11.2022) 3,0 Millionen Euro, wobei das Mindestvolumen (Fundingschwelle) 1,0 Millionen Euro beträgt. Laut VIB betragen bei einer Vollplatzierung abzüglich der Emissionskosten von rund 200.000 Euro die Nettoeinnahmen rund 2,8 Millionen Euro.

Wohin fließt das Anlegerkapital konkret?

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Die Nettoeinnahmen will die Emittentin laut VIB in folgende drei Bereiche investieren:

  • Erhöhung der Produktionskapazitäten für Photovoltaik-Laminate (44,5 Prozent der Nettoeinnahmen). Als Laminate bezeichnet die Emittentin die Miniaturmodule. Die neu herzustellende Produktionslinie soll laut VIB 125.000 Stück pro Monat – statt heute 30.000 Laminate pro Monat – fertigen können. Für die Produktionslinie sollen drei Maschinen angeschafft werden. Die Miniaturmodule lässt die Emittentin nach Aussage von Geschäftsführer Buntrock „unter voller Kontrolle des Materialeinsatzes und der Produktionsmethoden und Prozesse in Ungarn herstellen“.
  • Beschaffung von Vorräten an produktionskritischen Materialien (42,50 Prozent der Nettoeinnahmen). Bei den Materialien handelt es sich laut VIB insbesondere um Solarzellen (875.000 Euro), Solarglas (350.000 Euro) und Verkapselungsfolien (541.000 Euro).
  • Entwicklung einer vollumfassenden Digitalplattform (13,0 Prozent der Nettoeinnahmen).

Laufzeit und Zinssatz

Die Nachrangdarlehen haben eine unbefristete Laufzeit. Eine ordentliche Kündigung durch die Anlegerin, den Anleger oder die Emittentin ist frühestens zum 31. Dezember 2027 mit einer Frist von sechs Monaten zum Ende des jeweiligen Geschäftsjahres möglich. Der Zinssatz beträgt 7,5 Prozent pro Jahr.

Verluste in 2020 und 2021

Nach den Angaben im Econeers-Projektprofil hat die econnext AG, Hauptgesellschafterin der Emittentin Autarq GmbH, seit ihrem Einstieg im Dezember 2017 eine Anschubfinanzierung von 15 Millionen Euro gegeben.

Laut dem Jahresabschluss der Emittentin für ihr Geschäftsjahr 2021 hat sich ihre Kapitalrücklage von rund 2,4 Millionen Euro (zum 31.12.2020) auf rund 17,0 Millionen Euro (zum 31.12.2021) erhöht. Dadurch kann das Unternehmen zum 31.12.2021 ein positives Eigenkapital ausweisen (rund 1,1 Millionen Euro). Zum 31.12.2020 lag bei der Autarq GmbH noch ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von rund 9,8 Millionen Euro vor. Laut ihrer Bilanz hat die Emittentin im Geschäftsjahr 2021 einen Jahresfehlbetrag  von rund 3,8 Millionen Euro verbucht (2020: Jahresfehlbetrag von rund 4,6 Millionen Euro).

Hohe Risiken

Bei der Vermögensanlage handelt es sich um unbesicherte Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt.

Die Auszahlung sämtlicher Zinsen sowie die Rückzahlung der Nachrangdarlehen hängen laut VIB entscheidend davon ab, ob sich das Geschäftsmodell der Emittentin am Gebäude-Photovoltaik-Markt behaupten kann.  Zu den marktspezifischen Einflussfaktoren gehören laut VIB insbesondere Unternehmensgründungen im internationalen Umfeld und gleichen Segment und der damit einhergehende Kosten- und Preisdruck im Wettbewerbsumfeld. Es besteht das Risiko, dass die Kosten der Emittentin für die Beschaffung der Materialien und für die Produktion der Laminate steigen.

Die Autarq GmbH kann zahlungsunfähig werden oder in Überschuldung geraten. Dies kann laut VIB der Fall sein, wenn das Unternehmen geringere Einnahmen und/oder höhere Ausgaben als erwartet zu verzeichnen hat. Für Anlegerinnen und Anleger bestehen erhebliche Risiken, dass sie ihr eingesetztes Kapital verlieren.

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