Solaris Strom 1 möchte Solaranlagen kaufen und vermieten. Wie riskant ist die digitale Anleihe des Unternehmens? / Foto: Pixabay

  Anleihen / AIF

Solaris Aufdachportfolio - Anleihe mit 4,75 % Zins

Die Solaris Strom 1 GmbH & Co. KG will Photovoltaikanlagen erwerben und anschließend vermieten. Um den Kauf der Anlagen zu finanzieren, bietet das Unternehmen eine nachrangige Anleihe an. Deren Zinssatz beträgt 4,75 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von rund acht Jahren. Die Mindestzeichnung der tokenbasierte Schuldverschreibungen beträgt 500 Euro.

Anbieterin und Emittentin der digitalen Wertpapiere ist die 2022 gegründete Solaris Strom 1 GmbH & Co. KG mit Sitz in Mainz. Unternehmenszweck der Emittentin ist laut Wertpapier-Informationsblatt (WIB, Stand: 1.5.2022) der Erwerb, das Halten, die Verwaltung, der Betrieb und die Veräußerung von Photovoltaik-Anlagen.

Das Emissionsvolumen der Anleihe beträgt bis zu 2,5 Millionen Euro. Der Vertrieb startet nach Angaben der Internet-Plattform wiwin am 23. Mai um 12 Uhr. Falls das Angebot vollständig platziert werden sollte, ergibt sich laut WIB unter Berücksichtigung der Angebotskosten von 225.000 Euro ein Nettoemissionserlös von 2,225 Millionen Euro.

Mit dem Anlegerkapital beabsichtigt die Emittentin laut WIB, Solaranlagen von ihrer Muttergesellschaft, der Solaris Power AG, zu kaufen. Die Solaris Power AG hat, um ihr Solargeschäft zu finanzieren, ebenfalls eine Anleihe auf den Markt gebracht. Über das Angebot der seit 2021 aktiven Solaris Power AG, das sich derzeit noch in der Platzierung befindet, hat ECOreporter vor rund drei Monaten hier berichtet.

Die Solaris Power AG ist aus der Solar Biokraftwerke SBK GmbH & Co. KG hervorgegangen und gibt bei dieser laut Anlagebroschüre (Stand: 10.5.2022) die Planung und den Bau der Solaranlagen in Auftrag. Was fällt bei der Solar Biokraftwerke SBK GmbH & Co. KG auf?

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Die Solar Biokraftwerke SBK GmbH & Co. KG wurde 2018 neu ins Unternehmensregister eingetragen. Sie hat noch keine Jahresabschlüsse für ihre Geschäftsjahre 2019, 2020 und 2021 im Unternehmensregister veröffentlicht und dort auch nicht hinterlegt (Stand: 19.5.2022).

Laufzeit und Zinssatz

Die Laufzeit der Schuldverschreibungen „Solaris Aufdachportfolio“ der Solaris Strom 1 GmbH & Co. KG endet laut WIB am 30. Juni 2030. Der Zinssatz beträgt 4,75 Prozent pro Jahr, bezogen auf den Nennbetrag abzüglich von Rückzahlungen. Vor dem Laufzeitende sollen von Mitte 2024 bis Mitte 2029 jeweils 5 Prozent des Nennbetrags pro Jahr zurückgezahlt werden.

Die Emittentin ist berechtigt, die Schuldverschreibungen ohne Angabe von Gründen mit einer Frist von vier Wochen zum Ende eines Quartals zu kündigen, erstmals zum 31. März 2023. Falls die Emittentin von dem Kündigungsrecht Gebrauch macht, steht den Anlegerinnen und Anlegern eine Vorfälligkeitsentschädigung zu. Bei einer Kündigung zum 31. März 2023 beträgt die Vorfälligkeitsentschädigung laut WIB 5,8 Prozent des individuellen Anlagebetrags abzüglich Rückzahlungen.

Hohe Risiken

Für alle Zahlungsansprüche der Anlegerinnen und Anleger aus den Schuldverschreibungen (Zinsen, Rückzahlung und Vorfälligkeitsentschädigung) gelten eine vorinsolvenzrechtliche Durchsetzungssperre und ein Rangrücktritt. Die Ansprüche der Anlegerinnen und Anleger sind in einer Insolvenz oder Liquidation der Emittentin nachrangig.

Die Solarprojekte der Emittentin stehen zum Zeitpunkt des WIB noch nicht fest, sodass ein sogenanntes Blind-Pool-Risiko besteht. Laut WIB sollen vorzugsweise Photovoltaikanlagen auf Ein- und Zweifamilienhäusern erworben werden. Die Standorte werden sich nach Angaben der Emittentin in Deutschland befinden.

Es besteht ein Potenzial für Interessenskonflikte. Gemäß den Angaben in der Anlagebroschüre erwirbt die Emittentin bereits fertiggestellte Solaranlagen von ihrer Muttergesellschaft. Allerdings wird im WIB ausgeführt, dass eine nicht fristgerechte Umsetzung der Solarprojekte zu einem Totalverlust für die Anlegerinnen und Anleger der Emittentin führen kann. Zudem könnten laut WIB „steigende Preise von Baustoffen die für die Realisierung der Photovoltaik-Projekte veranschlagten Kosten erhöhen, wodurch die Vermietung der Photovoltaik-Projekte unrentabel werden würde“.

Die Zins- und Rückzahlungen an die Anlegerinnen und Anleger sollen durch Vermietung der Solarprojekte erwirtschaftet werden. Den endfälligen Rückzahlungsbetrag will die Emittentin darüber hinaus laut WIB durch eine Refinanzierung bei einer Bank finanzieren. Es besteht das Risiko, dass eine Bankfinanzierung nicht zustande kommt und die Emittentin die Anleihe nicht vollständig zurückzahlen kann.

Für Anlegerinnen und Anleger besteht ein erhebliches Risiko, dass sie ihr eingesetztes Kapital teilweise oder vollständig verlieren.

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