Stora Enso besitzt große Waldgebiete, unter anderem in Brasilien. / Foto: Stora Enso

  Nachhaltige Aktien

Stora Enso: Endlose Wälder – und Windräder aus Holz

„Alles, was heute aus fossilen Materialien hergestellt wird, kann morgen aus Bäumen entstehen.“ Stora Enso will mehr sein als ein traditioneller Forstkonzern und erschließt neue Anwendungsgebiete für Holz. Wie attraktiv ist die Aktie des finnischen Konzerns? ECOreporter hat sie analysiert.

Stora Enso ist die älteste Aktiengesellschaft der Welt. Das Vorläuferunternehmen Stora ging aus einem Kupfererzbergwerk im schwedischen Falun hervor, das 1288 das weltweit erste Aktienzertifikat an den Bischof von Västeras ausgab. Ab Ende des 19. Jahrhunderts konzentrierte sich Stora zunehmend auf Holzeinschlag und Papierherstellung, die Kupfermine schloss 1992. Fünf Jahre später fusionierte Stora mit dem finnischen Sägemühlenkonzern Enso zur heutigen Stora Enso Oyi (Oyi ist die finnische Abkürzung für Aktiengesellschaft).

Heute ist Stora Enso einer der größten privaten Waldbesitzer und Forstbetriebe der Welt und ein Weltmarktführer bei Verpackungen. Zudem stellt das in der finnischen Hauptstadt Helsinki ansässige Unternehmen Papier, Material für den Holzhausbau und andere Baustoffe aus Holz her. Die Konzernstruktur von Stora Enso ändert sich häufig. Vor der Fusion übernahmen Stora und Enso beispielsweise in den 1990er-Jahren die großen deutschen Papierhersteller Feldmühle und E. Holtzmann. Aktuell stößt Stora Enso vier seiner Papierfabriken ab, darunter das letzte deutsche Werk Maxau in Karlsruhe.

Der Konzern besitzt ausgedehnte Wälder und Forstplantagen in Finnland, Schweden, Rumänien, Brasilien, China, Uruguay und auf dem Baltikum. Produktionsstätten hat Stora Enso zudem in Polen, Österreich und den Niederlanden. Die meisten der mehr als 22.000 Angestellten arbeiten in Finnland, Schweden, China und Polen (Stand Ende Juni 2022). Seine fünf Standorte in Russland verkaufte das Unternehmen nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs.

Wie nachhaltig ist Stora Enso?

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99 Prozent des Holzes, das Stora Enso produziert oder verarbeitet, verfügt über Herkunftsnachweise. Mehr als drei Viertel des Holzes trägt Nachhaltigkeitssiegel, etwa vom Forest Stewardship Council (FSC) oder dem Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC).

Zudem entwickelt der Konzern Verpackungslösungen auf Basis von Holz und Papier, die Styropor- und Plastikverpackungen ersetzen können. Gemeinsam mit dem schwedischen Akkuhersteller Northvolt arbeitet Stora Enso an Batterien, die als Anodenmaterial den aus Bäumen gewonnenen Hartkohlenstoff Lignin enthalten. Und mit der schwedischen Firma Modvion baut das Unternehmen sogar mehr als 100 Meter hohe Türme für Windkraftanlagen.

Bienen, Teiche und viel totes Holz


Stora Enso-Werk im finnischen Sunila. / Foto: Unternehmen

Bis 2030 will Stora Enso nur noch recycelfähige Produkte anbieten. Mitte 2022 waren 93 Prozent der Produkte recycelbar. Ebenfalls bis 2030 sollen die CO2-Emissionen des Unternehmens (Scope 1 und 2) und seiner Produkte über den kompletten Lebenszyklus (Scope 3) um 50 Prozent zum Vergleichsjahr 2019 sinken. Bei Scope 1 und 2 betrugen die Einsparungen Unternehmensangaben zufolge Mitte 2022 etwa 20 Prozent. Die renommierte Science Based Targets Initiative, die unter anderem von der UN und dem WWF getragen wird, sieht Stora Enso auf einem guten Weg, seine Emissionsziele zu erreichen.

Der Konzern verbessert die Biodiversität in seinen Wäldern, indem er keinen Kahlschlag betreibt, unterschiedliche Baumsorten nachpflanzt, viel Totholz liegen lässt und kleine Gewässer erhält. Stora Enso überwacht die Auswirkungen dieser Maßnahmen und stellt die Monitoring-Daten zusammen mit dem WWF auch anderen Waldbesitzern zur Verfügung. Auf seinen Forstplantagen siedelt das Unternehmen Bienen und andere Tiere an und pflanzt bevorzugt heimische Baumarten.

Kritisch sehen Nichtregierungsorganisationen, dass Stora Enso Holz aus dem finnischen Staatswald bezieht, den Forstexperten in Teilen als schützenswerten Urwald einstufen.

Alle großen Nachhaltigkeits-Ratingagenturen schätzen Stora Enso als deutlich umweltfreundlicher ein als den Branchendurchschnitt. Die auf Umweltdaten spezialisierte Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project (CDP) teilt diese Bewertung. 20 Prozent der Vorstandsgehälter von Stora Enso sind vom Erreichen der Nachhaltigkeitsziele abhängig.

Stabile Gewinne


Stora Enso stellt u.a. Baumaterial für Holzhäuser her. / Foto: Unternehmen

Stora Enso erzielt seit Jahren gute Ergebnisse. Der Umsatz liegt meist bei ungefähr 10 Milliarden Euro, der Nettogewinn bei etwa 1 Milliarde Euro. Selbst im schwierigen ersten Corona-Jahr 2020 fiel noch ein Nettogewinn von 0,6 Milliarden Euro an.

2021 erzielte der Konzern unter anderem wegen gestiegener Holzpreise einen Rekordüberschuss von 1,3 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 10,2 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2022 lag der Umsatz bei knapp 5,9 Milliarden Euro, unter dem Strich blieb ein Gewinn von fast 0,6 Milliarden Euro.

Ende Juni 2022 waren die Wälder des Unternehmens 8,2 Milliarden Euro wert. Insgesamt verfügte Stora Enso zu dem Zeitpunkt über Vermögenswerte von knapp 20 Milliarden Euro, darunter fast 1,4 Milliarden Euro Cash-Bestände. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf etwa 8,4 Milliarden Euro, davon 4 Milliarden Euro verzinstes Fremdkapital, zumeist aus Anleihen und Krediten. Die Nettoverschuldung lag bei 2,4 Milliarden Euro – ein solider Wert.

Für das Geschäftsjahr 2022 rechnet das Management mit einem operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von mehr als 1,5 Milliarden Euro. 2021 betrug das operative EBIT 1,57 Milliarden Euro.

Hohe Dividendenrendite

Die Aktie von Stora Enso ist seit 1997 in zwei Klassen (R und A) an den Börsen in Helsinki und Stockholm notiert. Leichter handelbar sind die R-Aktien, die den Aktionären weniger Stimmrechte einräumen. Beide Aktienklassen gewähren die gleichen Dividendenansprüche.

Der Börsenkurs hat sich uneinheitlich entwickelt, seit 2009 geht es aber unter teils deutlichen Schwankungen insgesamt aufwärts. Im April 2022 erreichte die Aktie ihr bisheriges Allzeithoch von fast 20 Euro, seitdem befindet sie sich in einer Abwärtsbewegung. Aktuell kostet sie an der Frankfurter Börse 13,07 Euro (Stand 27.9.2022, 8:01 Uhr). Damit ist die Aktie im Jahresvergleich 12 Prozent im Minus, auf drei Jahre gesehen 23 Prozent im Plus. Auf Sicht von zehn Jahren beträgt der Wertzuwachs 165 Prozent. Der Kurs steht derzeit allerdings nicht höher als beispielsweise 2002 oder Ende 1999.

Auch die Dividenden des Konzerns schwanken. In diesem Jahr schüttete Stora Enso 0,55 Euro je Aktie aus. 2021 und 2020 waren es je 0,30 Euro, 2019 0,50 Euro je Aktie. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, 50 Prozent seiner Nettogewinne an die Aktionäre auszuzahlen. Die erwartete Dividendenrendite für 2022 liegt bei guten 3,9 Prozent.

Fazit

Holz ist ein nachwachsender, klimaschonender Rohstoff. Wenn er wie bei einigen Produkten von Stora Enso Plastik oder Stahl ersetzen kann, trägt er besonders viel zur Klimawende bei. Das Kerngeschäft des Unternehmens ist nachhaltig, auch weil Stora Enso darauf achtet, das Ökosystem Wald zu erhalten.

Wirtschaftlich steht der Konzern robust da, die gestiegenen Holzpreise dürften in den nächsten Jahren für überdurchschnittlich hohe Gewinne sorgen. Die Aktie entwickelt sich wechselhaft, ist derzeit mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2022 von 9 aber eher günstig bewertet. Ein spannendes Investment für Anlegerinnen und Anleger mit sehr langem Atem.

Stora Enso Oyi R: ISIN FI0009005961 / WKN 871004

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