Werk von Taiwan Semiconductor. Der Aktienkurs des weltgrößten Chip-Herstellers hat sich auf fünf Jahre gesehen mehr als verdoppelt. / Foto: TSMC

  Nachhaltige Aktien

Taiwan Semiconductor wächst weniger stark als erwartet

Eine Meldung mit Signalwirkung für die Halbleiterbranche: Der weltgrößte Chip-Fertiger Taiwan Semiconductor (TSMC) hat die Umsatzerwartungen für das letzte Quartal 2022 verfehlt. Was bedeutet das für die Aktie?

Der taiwanesische Konzern setzte von Oktober bis Dezember umgerechnet 19,1 Milliarden Euro um. Das sind zwar 43 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, aber weniger als von Marktbeobachtern erwartet: Sie hatten im Schnitt mit knapp 19,5 Milliarden Euro gerechnet. In den zwei Jahren zuvor hatte TSMC die Analystenprognosen immer übertroffen.

Branchenkenner führen das gebremste Wachstum auf die eingetrübte Konsumstimmung in vielen wichtigen Märkten zurück. Rezession, Inflation, gestiegene Zinsen und der Ukraine-Krieg hätten die Nachfrage insbesondere nach technischen Geräten sinken lassen. TSMC stellt unter anderem die wichtigsten Chips für die Smartphones und Computer von Apple her.

Die Margen stimmen bei TSMC allerdings weiterhin: Im Schlussquartal 2022 dürfte die operative Gewinnmarge nach Schätzung des Managements wie im Vorquartal bei etwa 50 Prozent gelegen haben.

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In den Kurs der TSMC-Aktie ist das leicht abgeschwächte Wachstum des Konzerns offenbar schon eingepreist, am gestrigen Dienstag legte das Papier an der New Yorker Börse 1,2 Prozent zu. Im Tradegate-Handel notiert es derzeit nahezu unverändert zum Vortag bei 75,40 Euro (Stand 11.1.2023, 9:56 Uhr). Nach hohen Zuwächsen zwischen Mitte 2020 und Anfang 2022 gab der Kurs bis Oktober stark nach, seitdem deutet sich wieder eine Aufwärtsbewegung an. Im Jahresvergleich liegt die Aktie 31 Prozent im Minus, auf fünf Jahre gesehen hat sie 120 Prozent zugelegt.

TSMC ist weltweit führend bei der Herstellung modernster Halbleiter. Ende 2022 hat der Konzern die Massenfertigung von Chips mit einer Strukturbreite von drei Nanometern gestartet. Derzeit führt TSMC der "Financial Times" zufolge fortgeschrittene Gespräche über den Bau einer Chipfabrik in Dresden. Im Dezember hatte das Unternehmen zudem erklärt, seine Investitionen für neue Chipfabriken im US-Bundesstaat Arizona von 10 auf 40 Milliarden US-Dollar vervielfachen zu wollen.

ECOreporter schätzt die wirtschaftliche Situation von TSMC als sehr gut ein. Die größte Unsicherheit für den Konzern ist der chinesische Staat. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und droht seit Jahren damit, die Armee einzusetzen, sollte sich Taiwan für unabhängig erklären. Wirtschaftlich käme Peking ein Einmarsch in Taiwan gelegen: Vor allem im Halbleiterbereich ist Taiwan China weit voraus, ein Unternehmen wie TSMC hätte für die chinesische Regierung einen hohen strategischen Wert.

Weil die Gefahr einer gewaltsamen Annexion Taiwans nach Beginn des Ukraine-Kriegs gestiegen ist, haben sich die Anlagerisiken bei TSMC erhöht. Immerhin: Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 bzw. 14 für die Geschäftsjahre 2022 und 2023 ist die Aktie derzeit nicht teuer.

Welche Chip-Aktien momentan aussichtsreicher sind, erfahren Sie im ECOreporter-Dossier Nachhaltige Halbleiter-Aktien: Wo bieten sich nach den hohen Kursverlusten Kaufgelegenheiten?.

Taiwan Semiconductor Manufacturing Company Ltd. ADR: 

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