Zum Tomorrow-Konto Zero gehört eine Debitkarte aus Holz. Um weiter wachsen zu können, sammelt Tomorrow Geld über die Crowd ein. / Foto: Tomorrow

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Tomorrow-Crowdinvesting 2.0 – über 15 % Rendite mit der Tomorrow „Bank“?

Die Tomorrow GmbH bietet Smartphone-Banking mit nachhaltigem Anspruch an. Um ihre Geschäftsvorhaben zu finanzieren, benötigt die Firma weiteres Kapital. Anlegerinnen und Anleger können ab 100 Euro digitale Genussrechte zeichnen. Eine zweistellige Rendite pro Jahr ist nach Einschätzung von Tomorrow möglich. Wie steht es mit den Risiken? ECOreporter hat sich das Angebot näher angesehen.

Anbieterin und Emittentin der Genussrechte ist die 2018 gegründete Tomorrow GmbH aus Hamburg. Das Unternehmen ist keine Bank, sondern ein Banking-Anbieter, der mit der Berliner SolarisBank zusammenarbeitet. Geschäftstätigkeit der Emittentin ist die Entwicklung und der Betrieb von Internet-Plattformen und mobilen Apps sowie technische Dienstleistungen.

Der Fokus in den ersten Jahren lag auf der Entwicklung eines digitalen und nachhaltigen Girokontos. Als nachhaltig werden die Tomorrow-Kontomodelle unter anderem bezeichnet, weil laut Anlagebroschüre (Stand: 8.10.2021) ein Teil der Kartenzahlungs-Transaktionsgebühren, welche die Händler zahlen, in Waldschutz-Projekte fließt. Mehr zum nachhaltigen Konzept von Tomorrow können Sie im ECOreporter-Interview mit Geschäftsführer Michael Schweikart lesen.

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Laufzeit

Die Laufzeit der nachrangigen, tokenbasierten Genussrechte endet am 30. September 2031 (mehr zum Thema tokenbasierte Geldanlagen erfahren Sie hier). Die Laufzeit endet vorher, wenn ein sogenanntes Exitereignis (z. B. Börsengang oder Unternehmensverkauf) eintritt. Anlegerinnen und Anleger können die Genussrechte unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von drei Monaten ab dem 30. September 2026 ordentlich kündigen.

Die Rückzahlung erfolgt laut Basisinformationsblatt (Stand: 11.10.2021) entweder zum Basisrückzahlungsbetrag oder zum Exitbetrag. Der Basisrückzahlungsbetrag entspricht dem Stückpreis des Genussrechts zuzüglich eines jährlichen Zinses von 5 Prozent, der gemeinsam mit dem Rückzahlungsbetrag am Ende der Laufzeit gezahlt wird. Der Exitbetrag bietet hingegen eine zusätzliche Gewinnbeteiligung, die sich an einem etwaigen Exitergebnis der Tomorrow-Gesellschafter bemisst.

Gewinnabhängige Rendite

Die eingezahlten Genussrechte sind ab dem Tag der Einzahlung bis zum Tag der Rückzahlung jährlich und quotal (anteilig) an den Jahresergebnissen der Tomorrow GmbH beteiligt. Dieser Gewinnanteil bemisst sich an der Höhe der Dividende, die die Emittentin an ihre Gesellschafter ausschüttet. Im Basisinformationsblatt sind Performance-Szenarien dargestellt. Im optimistischen Szenario ergibt sich für Anlegerinnen und Anleger eine jährliche Durchschnitts-Rendite von 15,22 Prozent bei einer Haltedauer der Genussrechte von zehn Jahren.

Token und Handelbarkeit

Die Genussrechte haben ein Emissionsvolumen von insgesamt 8 Millionen Euro. Die Vermittlung erfolgt über die Plattform wiwin und startete am Montag, den 18. Oktober 2021 (das Angebot heißt "Tomorrow-Crowdinvesting 2.0"). Aufgrund des großen Andrangs verlängerte Tomorrow das Angebot noch einmal bis Dienstag, den 19. Oktober 2021, 12 Uhr. Für die Verwahrung der tokenbasierten Genussrechte benötigen Anlegerinnen und Anleger eine sogenannte Wallet, eine Art digitales Depot. Die Genussrechte können laut Basisinformationsblatt durch Abtretung ab Oktober 2022 auf Dritte übertragen werden. Die Übertragung setzt demnach zwingend die Übertragung der Token über die Blockchain voraus. Sie ist den Angaben nach beschränkt auf Personen, die sich und ihre Wallet-Adresse zuvor im Online-Portal der wiwin GmbH registriert haben.

Hohe Verluste

Die Tomorrow GmbH hat laut Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2019 einen Jahresfehlbetrag von rund 3,2 Millionen Euro verzeichnet. Der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2020 ist noch nicht im Unternehmensregister veröffentlicht (Stand: 13.10.2021). In der Anlagebroschüre weist die Emittentin für das Geschäftsjahr 2020 einen Verlust von rund 7,1 Millionen Euro aus. Für die ersten acht Monate 2021 nennt Tomorrow in der Anlagebroschüre sogar einen Verlust von rund 8,9 Millionen Euro. Die Umsätze der Emittentin lagen laut Anlagebroschüre 2020 bei nur rund 0,4 Millionen Euro und 2021 (bis August) bei rund 0,8 Millionen Euro.

Tomorrow braucht mehr Umsatz

Um die Umsätze zu erhöhen, startet die Emittentin gemäß den Angaben in der Anlagebroschüre im Herbst 2021 damit, „neue Umsatz-Features auszurollen“. Ihre Umsatzplanung beruhe demnach auf einem neu ausgestalteten Drei-Säulen-Prinzip: den neuen kostenpflichtigen Kontomodellen, der Erweiterung ihres Produktportfolios inklusive nachhaltiger Investment-Möglichkeiten und der Kreditvergabe. Tomorrow plant, das Crowdinvesting-Kapital für die Weiterentwicklung des Produktportfolios zu verwenden. Die Emittentin geht davon aus, so in den nächsten Jahren ein Geschäftsmodell aufbauen zu können, das auch in finanzieller Hinsicht nachhaltig ist.

Erhebliche Risiken

Die tokenbasierten Genussrechte beinhalten einen Rangrücktritt und eine vorinsolvenzliche Durchsetzungssperre. Anlegerinnen und Anleger haben nur einen Anspruch auf Zahlungen, wenn es die wirtschaftliche Situation der Emittentin und insbesondere auch deren Liquiditätslage zulässt.

Die Tomorrow GmbH ist noch ein junges Unternehmen und ihre künftige Geschäftsentwicklung laut Basisinformationsblatt nur sehr schwer abschätzbar. Daher handelt es sich bei den Genussrechten um ein Frühphasen-Investment, das ein höheres Risiko beinhaltet. Laut Anlagebroschüre ist es für Anlegerinnen und Anleger, „die in ein Frühphasenunternehmen investieren, wesentlich wahrscheinlicher, dass sie ihr investiertes Kapital verlieren, als dass sie eine Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielen“.

Ein wirtschaftlicher Erfolg der Emittentin hängt laut Anlagebroschüre von mehreren Einflussgrößen ab. Dazu zählen unter anderem: Kundenwachstum, Einhaltung geplanter Kostenrahmen, Erfolg von Marketingmaßnahmen, Entwicklungen von Software und Produkten, Zahlungs- und Leistungsfähigkeit von Kunden und Vertragspartnern der Emittentin, Veränderungen in den rechtlichen Rahmenbedingungen (Bankenaufsicht, Fintech-Regulierung), technologische Entwicklungen.

In den Geschäftsfeldern, in denen Tomorrow aktiv ist, könnte es laut Anlagebroschüre zu einem Markteintritt von Konkurrenten und somit zu einem verstärkten Wettbewerb kommen. Dieser Wettbewerb könnte sich, wenn kapitalstärkere Wettbewerber in den Markt eintreten, deutlich intensivieren. Dies könnte den Preisdruck erhöhen und die Nachfrage nach Produkten der Emittentin senken. Es ist offen, ob sich die Emittentin künftig im Wettbewerb erfolgreich behaupten und die Gewinnzone erreichen wird.

Fazit

Insgesamt besteht für Anlegerinnen und Anleger ein hohes Risiko, dass sie ihr eingesetztes Kapital vollständig verlieren. ECOreporter spricht keine Investment-Empfehlung aus.

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