Der reconcept Green Energy Asset Bond II bietet einen Jahreszins von 4,25 Prozent. / Symbolfoto: Pixabay

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Unabhängige Analyse: Die Windpark-Anleihe reconcept Green Energy Asset Bond II im ECOanlagecheck

Eine Anleihe mit einem Zinssatz von 4,25 Prozent pro Jahr bietet die reconcept Green Energy Asset Bond II GmbH an. Sie hat einen Kaufvertrag für eine Gesellschaft abgeschlossen, die seit 2017 den Windpark Hilpensberg in der Nähe des Bodensees betreibt. Die Laufzeit der Anleihe beträgt fünf Jahre, Mindestzeichnung: 1.000 Euro. Der ECOanlagecheck analysiert das Angebot.

Emittentin und Anbieterin der Anleihe ist die reconcept Green Energy Asset Bond II GmbH, gegründet im September 2021. Alleinige Gesellschafterin ist die reconcept GmbH, die Muttergesellschaft der Hamburger reconcept Gruppe.

Bei der Anleihe reconcept Green Energy Asset Bond II handelt es sich um Inhaber-Schuldverschreibungen. Das Emissionsvolumen der Anleihe beträgt bis zu 9 Millionen Euro. Die Emittentin hat laut Wertpapier-Prospekt (Billigung: 10. Februar 2022) die WKA Hilpensberg GmbH & Co. KG unter der aufschiebenden Bedingung der vollständigen Kaufpreiszahlung erworben. Verkäuferin ist laut Prospekt die VenSol Neue Energien GmbH. Der Kaufpreis ist nach Angaben der Emittentin bis zum 30. Juni 2022 fällig und soll aus dem Emissionserlös dieser Anleihe bezahlt werden.

Windpark Hilpensberg

Der Windpark Hilpensberg in Baden-Württemberg umfasst drei getriebelose Windenergieanlagen des Turbinenherstellers Vensys mit einer Gesamtnennleistung von jeweils 3,0 Megawatt (MW). Der Windpark liegt auf dem Gebiet der Stadt Pfullendorf im Landkreis Sigmaringen, ca. 20 Kilometer nordwestlich des Bodensees. Der Windpark steht laut Prospekt auf einer Hügelkuppel in über 700 Metern Höhe. Die Nabenhöhe der Windenergieanlagen: 140 Meter über dem Boden. Zwei Gutachter haben 2016 eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 6,3 Metern pro Sekunde (m/s) auf Nabenhöhe ermittelt.

Der Windpark Hilpensberg ist seit April 2017 im Betrieb. Damit steht ihm laut Prospekt die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bis zum 31. Dezember 2037 zu. Zudem besteht für den Windpark ein Direktvermarktungsvertrag mit einer Laufzeit bis Ende 2025.

Könnte die Anbieterin das Anleihekapital auch anders investieren?

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Für die Anleihe mit einem Emissionsvolumen von 9 Millionen Euro besteht keine Platzierungsgarantie. Laut Prospekt wäre bei einer nicht vollständigen Platzierung der Kaufvertrag über die Windkraftanlagen voraussichtlich nicht durchführbar, sodass das eingeworbene Kapital möglicherweise nicht genutzt werden könnte. Ohne Investitionen ist es nicht möglich, Anleihezinsen zu erwirtschaften. Auch die Rückzahlung der Anleihe wäre laut Prospekt für diesen Fall aufgrund der Emissionskosten und sonstiger Abwicklungskosten nur unvollständig möglich.

Grundsätzlich wäre es möglich, dass die Emittentin nicht die Projektgesellschaft des Windparks Hilpensberg erwirbt, sondern andere Investitionen tätigt. Im Prospekt heißt es dazu: „Die geplante Mittelverwendung im Bereich der Erneuerbaren Energien steht unter dem Vorbehalt von veränderten Umständen, die möglicherweise andere Investitionen in Erneuerbare Energien als vorzugswürdig erscheinen lassen.“

Emissionskosten der Anleihe

Durch die Ausgabe der Anleihe entstehen laut Prospekt bei Vollplatzierung Kosten von schätzungsweise bis zu rund 800.000 Euro. Im Prospekt wird nicht erläutert, wie sich diese Summe auf fixe und/oder platzierungsabhängige Emissionskosten verteilt und welche Unternehmen im Zusammenhang mit der Emission Zahlungen von der Emittentin erhalten.

Laut Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2021 hat die Emittentin Verbindlichkeiten gegenüber der reconcept consulting GmbH von 450.000 Euro. Diese hat bereits bei mehreren Kapitalanlage-Produkten der reconcept-Gruppe die Kapitalvermittlung übernommen. Zudem weist die Emittentin laut Jahresabschluss 2021 Verbindlichkeiten gegenüber der reconcept 15 EnergieZins 2025 GmbH & Co. KG von 837.000 Euro auf. Das Darlehen hat die Emittentin nach eigenen Angaben mit einem Teilbetrag von 653.000 Euro überwiegend verwendet, um die Anzahlungen auf den Erwerb der Kommanditanteile an der Projektgesellschaft des Windparks Hilpensberg zu leisten.

Genussrechtskapital soll Emissions- und Nebenkosten weitgehend decken

Darüber hinaus hat die reconcept GmbH der Emittentin Genussrechtskapital von 1,275 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das Genussrechtskapital dient laut Prospekt dazu, die Nebenkosten des Erwerbs des Windparks sowie die Emissionskosten der Anleihe weitgehend abzudecken. Demnach betragen die Erwerbsnebenkosten rechnerisch mindestens 475.000 Euro. Im Prospekt werden die Erwerbsnebenkosten nicht der Höhe nach genannt und nicht aufgegliedert. Daher ist im Prospekt auch nicht aufgeführt, ob und wenn ja in welcher Höhe die Emittentin Projektvermittlungsprovisionen an Unternehmen der reconcept-Gruppe und/oder Provisionen für externe Makler zu zahlen hat.

Das nachrangige Genussrechtskapital hat gemäß den Angaben im Jahresabschluss Eigenkapitalcharakter und eine Laufzeit bis zum 30. Juni 2027. Die Laufzeit endet somit zwei Tage nach der geplanten Laufzeit der Anleihe. Das Genussrechtskapital hat reconcept zufolge einen Zinssatz von 10,5 Prozent pro Jahr, wobei 6,25 Prozent pro Jahr endfällig sind und somit erst mit der Rückzahlung des Genussrechtskapitals zur Tilgung kommen sollen.

Verschmelzung der Emittentin möglich

Gemäß den Anleihebedingungen dürfen Anleihegläubiger eine Rückzahlung ihrer Schuldverschreibungen nicht verlangen, wenn die Emittentin auf eine andere Gesellschaft verschmolzen wird, an der die alleinige Gesellschafterin der Emittentin die Mehrheit hält. Alleinige Gesellschafterin der Emittentin ist derzeit die reconcept GmbH. Auch ist eine Rückzahlungsforderung laut den Anleihebedingungen nicht berechtigt, wenn das Vermögen der Emittentin an eine Tochtergesellschaft der Emittentin verkauft wird. Gemäß den Anleihebedingungen ist jeder Anleihegläubiger berechtigt, seine Schuldverschreibungen zur Rückzahlung fällig zu stellen, falls die Emittentin Gewinne in Höhe von mehr als 35 Prozent des Bilanzgewinns auf Basis des geprüften Abschlusses für das abgelaufene Geschäftsjahr an ihre Gesellschafter ausschüttet. Aufgrund der Verflechtungen innerhalb der reconcept-Gruppe besteht ein Potenzial für Interessenskonflikte.

Wie hoch sind die Verbindlichkeiten gegenüber Banken?

Im Jahresabschluss gibt es auch einen Ausblick auf die geplanten laufenden Kosten der Emittentin. Für das Geschäftsjahr 2023 sind Kosten für Zahlungsclearing, Asset Management und Verwaltung von rund 107.000 Euro vorgesehen. Auf Ebene der Projektgesellschaft des Windparks Hilpensberg, der geplanten Tochtergesellschaft der Emittentin, entstehen laufende Kosten unter anderem für technische Betriebsführung, Wartung und Bankkapitalzinsen.

Im Prospekt wird nicht erwähnt, in welchem Umfang die Projektgesellschaft WKA Hilpensberg GmbH & Co. KG Bankkapital zu welchen Konditionen aufgenommen hat. Die Jahresabschlüsse für die Geschäftsjahre 2020 und 2021 der Projektgesellschaft sind noch nicht im Unternehmensregister veröffentlicht (Stand: 22. Februar 2022). Laut Jahresabschluss 2019 weist die Projektgesellschaft einen nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Fehlbetrag von rund 500.000 Euro und Verbindlichkeiten von rund 16,5 Millionen Euro, davon rund 13 Millionen Euro gegenüber Kreditinstituten, aus. Bankkapital ist von einer Projektgesellschaft vorrangig zu bedienen und in der Regel besichert. Die Anleihe der Emittentin ist nicht besichert.

Marktanteil von Vensys-Windenergieanlagen in Deutschland gering

Die Standorte der Windenergieanlagen des Windparks Hilpensberg sind nach Angaben der Emittentin über Pachtverträge bis 2037 zuzüglich Verlängerungsoptionen von bis zu zehn Jahren gesichert. Für den Windpark Hilpensberg besteht laut Prospekt ein Vollwartungsvertrag mit dem Turbinenhersteller Vensys. Muttergesellschaft der saarländischen Vensys Energy AG ist gemäß den Angaben in ihrem Konzernabschluss 2019 die chinesische Xinjiang Goldwind Science & Technology Co., Ltd. Aus Geschäften mit der chinesischen Goldwind-Gruppe resultierte 2019 mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes des Vensys Energy-Konzerns. Vensys vergibt auch Lizenzen zum Bau von Windkraftanlagen, die auf der Vensys-Anlagentechnologie basieren. In Deutschland sind bislang laut Referenzen (Stand: Dezember 2021) inländisch hergestellte Vensys-Anlagen mit zusammen nur rund 340 MW an Windkraftleistung installiert. Weit mehr Anlagen wurden mit der Vensys-Technologie über Lizenzvergabe in China errichtet (rund 58.780 MW).

Kalkulation des Stromertrags

2016 wurden laut Prospekt zwei Windgutachten für den Windpark Hilpensberg erstellt, die Bruttostromerträge von rund 24.116 Megawattstunden (MWh) pro Jahr prognostizierten. Die Emittentin kalkuliert laut Prospekt mit einer jährlichen Netto-Stromproduktion von rund 20.637 MWh. Diese Prognose basiert laut der Anleiheangebots-Präsentation auf den Ist-Werten aus der Stromproduktion der Betriebsjahre 2019 und 2020 des Windparks Hilpensberg. 2019 und 2020 waren in Deutschland Jahre mit einem überdurchschnittlich guten Windangebot, während beispielsweise das Windjahr 2021 unter dem Durchschnitt lag. Es ist möglich, dass sich die Prospektprognose hinsichtlich der Stromproduktion als zu optimistisch erweisen wird.

Rückzahlung der Anleihe hängt vom Verkauf des Windparks ab

Die Rückzahlung der Anleihe hängt laut Prospekt davon ab, dass es der Emittentin gelingt, zum Ende der Anleihe-Laufzeit die Windkraftanlagen oder die Anteile an der Windpark-Gesellschaft zu einem ausreichend hohen Preis zu verkaufen. Der Verkaufspreis muss laut Prospekt so hoch sein, dass er nach der Ablösung der vorrangigen (Bankdarlehen) und der sonstigen Verbindlichkeiten der Windpark-Gesellschaft sowie der Bezahlung der Verkaufs-Nebenkosten auch die Rückzahlung der Anleihe ermöglicht. Die Emittentin gibt im Prospekt zwar an, für 2027 einen Verkaufspreis für den Windpark Hilpersberg kalkuliert zu haben, nennt diesen kalkulierten Verkaufspreis aber nicht im Prospekt.

Den Preis, den Investoren (Käufer des Windparks) zu zahlen bereit sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sollte sich das allgemeine Zinsniveau erhöhen, würde sich dies laut Prospekt negativ auf die Veräußerbarkeit des Windparks auswirken. Ein steigendes Zinsniveau würde sowohl die Kosten für die Finanzierung von Windparkprojekten als auch die Renditeerwartung potenzieller Investoren erhöhen.

Verkaufspreis zu optimistisch kalkuliert?

Auch wirtschaftliche, technische, regulatorische und rechtliche Faktoren haben einen Einfluss auf den Verkaufspreis. Bei einem Bestandswindpark spielen diese Faktoren insbesondere eine Rolle hinsichtlich eines Weiterbetriebs des Windparks nach Ablauf von 20 Jahren. Nach 20 Jahren (plus Inbetriebnahmejahr) endet die EEG-Vergütung, sodass der Strom dann anderweitig veräußert werden muss. Es besteht das Risiko, dass die Wartungs- und Reparaturkosten bei über 20 Jahren alten Windenergieanlagen zu hoch sind, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu ermöglichen. Auch ist es möglich, dass bestimmte erforderliche Ersatzteile nach 20 Jahren nicht mehr verfügbar sind.

Zudem ist es möglich, dass die Betriebsgenehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) für Windenergieanlagen des Windparks widerrufen wird. Beispielsweise verlangen die Genehmigungen oftmals, dass nach 20 Jahren die Standsicherheit der Windenergieanlagen überprüft wird. Zudem ist es möglich, dass Genehmigungen Nebenbestimmungen enthalten, die dazu führen können, dass ein Weiterbetrieb der Anlagen nach 20 Jahren nicht möglich ist.

Aufgrund der genannten Faktoren ist es möglich bis wahrscheinlich, dass kaufmännisch vorsichtig kalkulierende Kaufinteressenten 2027 zu der Einschätzung gelangen, dass der Windpark Hilpensberg voraussichtlich nur 20 Jahre - bis zum 31. Dezember 2037 - betrieben werden wird. Die Verkaufspreis-Kalkulation der Emittentin beruht dagegen auf der optimistischen Annahme, dass der Windpark 30 Jahre - also bis Ende 2047 - betrieben wird. Daher besteht das Risiko, dass nur ein Verkaufspreis realisiert werden kann, der eine Rückzahlung der Anleihe nicht oder nicht vollständig ermöglicht.

Es besteht das Risiko, dass sich ein zu realisierender Verkaufspreis weiter verringert, falls während der Anleihelaufzeit Probleme beim Windpark Hilpensberg auftreten sollten. Mögliche oder nicht auszuschließende Risiken beim Betrieb von Windenergieanlagen sind laut Prospekt unter anderem: geringes Windangebot, Ausfall der Wartungsgesellschaft, behördlich angeordnete Einschränkungen des Betriebes bis hin zum Entzug von bereits erteilten Genehmigungen.

Stärken

  • Windpark Hilpersberg bereits in Betrieb
  • reconcept GmbH stellt der Emittentin Eigenkapital

Schwächen

  • Optimistische Kalkulation hinsichtlich der Betriebsdauer des Windparks
  • Teilweise geringe Transparenz
  • Platzierungsrisiko des Anleihekapitals
  • Kein unabhängiges Gutachten zum Green Bond ("Second Party Opinion")

Fazit

Die drei Windenergieanlagen des Windparks Hilpensberg sind seit 2017 in Betrieb. Daher liegen Erfahrungswerte hinsichtlich des Stromertrags vor, und es bestehen keine Fertigstellungsrisiken. Aber die Transparenz ist bei dieser unbesicherten Anleihe teilweise gering. So zeigt der Prospekt nicht, ob und wenn ja in welcher Höhe die Emittentin Projektvermittlungsprovisionen an andere Unternehmen der reconcept-Gruppe oder Provisionen für externe Makler zu zahlen hat. Auch erwähnt der Anleihe-Prospekt nicht, wie hoch die besicherten Bankverbindlichkeiten der Projektgesellschaft und der für 2027 kalkulierte Verkaufspreis des Windparks sind. Die Verkaufspreis-Kalkulation im Prospekt beruht unter anderem auf der optimistischen Annahme, dass der Windpark Hilpensberg 30 Jahre betrieben werden kann. Nach Einschätzung von ECOreporter besteht hier das Risiko, dass der Verkaufspreis für den Windpark nicht ausreichen wird, um die Anleihe am Ende ihrer Laufzeit vollständig zurückzahlen zu können. Mit anderen Worten: Wenn sich dieses Risiko realisiert, haben Anlegerinnen und Anleger zwar vielleicht einige Jahre 4,25 Prozent Zinsen auf ihr Kapital erhalten, bekommen am Ende aber ihr eingesetztes Geld nicht (komplett) zurück.

Basisdaten

Emittentin und Anbieterin: reconcept Green Energy Asset Bond II GmbH, Hamburg

Anlageform: Inhaber-Schuldverschreibungen (Anleihe)

Emissionsvolumen: 9,0 Millionen Euro

Mindestzeichnungssumme: 1.000 Euro

Agio: 0 Prozent

Laufzeit: 28. Juni 2022 bis 28. Juni 2027

Zinssatz: 4,25 Prozent pro Jahr

Einkunftsart: Einkünfte aus Kapitalvermögen

Prospekt-Billigung: CSSF (Finanzsektor-Aufsichtskommission von Luxemburg)

Handelbarkeit: Handel an Frankfurter Wertpapierbörse geplant

ISIN: DE000A3MQQJ0

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