Kiribäume wachsen bislang vor allem in Asien. WeGrow bewirtschaftet Anbauflächen in Europa. / Foto: WeGrow

  Nachhaltige Aktien, ECOanlagecheck, Holz-Investments

Unabhängige Analyse: Die neuen Aktien der WeGrow AG im ECOanlagecheck

Die WeGrow-Gruppe züchtet eigene Kiribaum-Sorten, verkauft selbst produzierte Sorten des Kiribaums und bewirtschaftet Kiriholz-Anbauflächen in Deutschland und Spanien. Der Kiribaum wächst besonders schnell, sodass er überdurchschnittlich viel CO2 binden kann.  Um die Verschuldung der WeGrow-Gruppe zu senken und Wachstumskapital zu haben, bietet die WeGrow AG nun im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Aktien an, erstmals für private Anlegerinnen und Anleger. Diese konnten bis 30. April mindestens 50 Aktien zu je 7,65 Euro zeichnen. Seit 1. Mai gilt nun der von WeGrow festgelegte Preis von 8,50 Euro je Aktie. ECOreporter hat das Aktienangebot ausführlich untersucht und bewertet.

Einige der Fragen, denen die Redaktion nachgegangen ist: Plant die WeGrow AG Dividendenzahlungen? Wie hoch ist das Unternehmen bewertet? Wie steht es mit der Transparenz der WeGrow-Gruppe und des Aktienangebotes? Welche Geschäftsbereiche sind für die Gruppe wichtig? Auf welchem Markt erhofft sich WeGrow massive Umsatzsteigerungen? Welche Risiken bestehen für die Gruppe? Warum hat WeGrow einen der bewirtschafteten Kiriholz-Standorte in Deutschland aufgegeben? Wie ist der Aktienpreis einzuschätzen?

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Der Gesamterlös des Angebots hängt davon ab, wie viele Aktien platziert werden können, wie viele Aktien gegen Barleistung gezeichnet werden und wie viele gegen Sacheinlage (Anleihen und Kommanditanteile).

Bei einer vollständigen Platzierung gegen Barleistung zu einem Durchschnittspreis von 8,08 Euro würde der WeGrow AG ein Emissionserlös von rund 48,5 Millionen Euro zufließen. Davon sind laut Wertpapierprospekt (vom 2. März 2023) geschätzte Gesamtkosten der Aktienemission von ca. 1,5 Millionen Euro bei einer Komplettplatzierung abzuziehen. Die WeGrow AG beabsichtigt laut Prospekt, ihre gesamten Aktien im Freiverkehr an der Börse Düsseldorf handeln zu lassen.

Unternehmensprofil WeGrow-Gruppe

Die Emittentin der angebotenen Wertpapiere ist die WeGrow AG mit Sitz in Düsseldorf. Sie beschäftigt zum Prospekttag neben den beiden Vorständen keine Mitarbeiter. Die Mitglieder des Vorstands sind die WeGrow-Gründerin Allin Gasparian und der Gründer Peter Diessenbacher. Diessenbacher hält zum Prospektdatum ca. 42,09 Prozent der Stimmrechte an der Emittentin, Gasparian mittelbar über die ihr gehörende Gasparian GmbH ca. 42,11 Prozent. Das entspricht je Vorstandsmitglied rund 5,3 Millionen Aktien. 1,6 Millionen Aktien (ca. 12,6 Prozent) hält die Stiftung Abendrot aus Basel, und rund 400.000 Aktien sind laut Prospekt im Streubesitz.

Im April 2022 hatte Murphy&Spitz vermeldet, 300.000 Aktien von WeGrow gezeichnet zu haben und im Portfolio des Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland zu führen. Auch nach einer vollständigen Platzierung der angebotenen 6 Millionen neuen Aktien haben die Vorstände zusammen eine Mehrheit bei der WeGrow AG. Zumindest wenn die Vorstände selbst keine Aktien verkaufen. Auf dieses Thema wird im Prospekt nicht eingegangen.


WeGrow besitzt die Sortenschutzrechte an vier Kiribaum-Arten. / Foto: WeGrow

Die Emittentin ist derzeit laut Prospekt ausschließlich als Holdinggesellschaft tätig und verfügt über keine eigenen Einkünfte aus operativen Tätigkeiten. Sie ist daher von der Geschäftsentwicklung sowie den Erträgen und Ausschüttungen ihrer Tochter- und Enkelgesellschaften, insbesondere von der WeGrow Germany GmbH, abhängig. Die Emittentin hat im September 2021 100 Prozent der Geschäftsanteile an der WeGrow Germany GmbH übernommen und ist seitdem operativ als Holding tätig. Die beiden Geschäftsführer der WeGrow Germany GmbH sind die Vorstände der Emittentin, also Gasparian und Diessenbacher. Deren Vergütungen betragen laut Prospekt bei der AG jeweils 42.000 Euro plus variable Erfolgsvergütung und bei der GmbH jeweils rund 110.000 Euro, somit zusammen rund 300.000 Euro.

Die WeGrow Germany GmbH beschäftigt zum Prospektdatum neben den beiden Geschäftsführern 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Laut WeGrow-Webseite zählen zum Team der Vorstand (2) und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Assistenz (3), Verkauf und Beratung Jungpflanzen (7), Holzprodukte (3), Plantagen-Management und Beratung (5), KiriFarm Europa (1), Marketing (1), Operations Management (2), Transport (3), Logistik (2), Einkauf (3), Personal (2), Finanzen und Controlling (4), Baumpflanzen-Produktion (5) und IT (1).

Im Jahresabschluss der WeGrow AG zum 31. Dezember 2021 werden Anteile an verbundenen Unternehmen im Wert von 16,8 Millionen Euro (2022: 18,2 Millionen Euro) ausgewiesen. Der Vorstand geht gemäß den Aussagen im Jahresabschluss 2021 davon aus, dass sich die Ertragserwartungen, die dieser Bewertung zugrunde liegen, nachhaltig erfüllen werden.

Der Nettobuchwert je Aktie der Emittentin beläuft sich laut Prospekt auf rund 1,60 Euro je Aktie, berechnet auf Basis der Anzahl der zum Datum des Prospekts ausgegebenen 12,65 Millionen Stückaktien der Emittentin und des Nettobuchwerts zum 31. Dezember 2022 von rund 20,25 Millionen Euro. Der Nettobuchwert je Aktie liegt damit deutlich unter dem Angebotspreis für die Aktien von bis zu 8,50 Euro. Der Angebotspreis steht mit den Erwartungen des Vorstandes an die zukünftige Umsatz- und Ertragsentwicklung der Emittentin und ihrer Gruppe in Verbindung. Wenn die neuen Aktien vollständig platziert werden und der Angebotswert von 8,50 Euro für das gesamte Grundkapital angesetzt wird, würde der Unternehmenswert der Emittentin rechnerisch rund 160 Millionen Euro betragen. Das wirkt angesichts der vorliegenden Unternehmensdaten hoch angesetzt. Denn der Holz-Weltmarkt bietet nicht nur große Wachstumschancen, sondern vor allem für kleine Unternehmen auch hohe Risiken. Die Emittentin plant laut Prospekt nicht, in absehbarer Zeit Dividenden auszuschütten.

Verringerte Transparenz

Einen Jahresabschluss zum 31. Dezember 2022 hat die WeGrow Germany GmbH bislang nicht aufgestellt. Die WeGrow AG hat laut Prospekt bislang auch keinen Konzernabschluss aufgestellt. Auch hat der Vorstand zu den veröffentlichten Jahresabschlüssen 2021 und 2022 keinen Lagebericht aufgestellt. Die Aktien der Emittentin sind derzeit weder an einem regulierten Markt einer Börse im Sinne der Finanzmarkt-Richtlinie 2014/65/EU noch an einem Freiverkehrssegment handelbar. Daher gelten bisher für diese jetzt angebotenen Aktien der Emittentin wichtige Anlegerschutzbestimmungen nicht. So besteht laut Prospekt im Hinblick auf die Aktien der Emittentin weniger Transparenz, da etwa keine Ad-hoc-Publizitätspflicht besteht, sodass Aktionäre gegebenenfalls andere Anlageentscheidungen treffen könnten, als sie bei erhöhter Transparenz getroffen hätten.

Die WeGrow-Gruppe (kurz: WeGrow) ist laut Prospekt in hohem Maße davon abhängig, Eigen- und/oder Fremdkapital zur Deckung des bestehenden und künftigen Kapitalbedarfs aufzunehmen. Die zentrale operative Gesellschaft – die WeGrow Germany GmbH – hat in der Vergangenheit meist Verluste erwirtschaftet. Die Jahresfehlbeträge beliefen sich im Geschäftsjahr 2021 auf rund 570.000 Euro und im Geschäftsjahr 2020 auf rund 2,4 Millionen Euro. Zum 31. Dezember 2020 wies die WeGrow Germany GmbH einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag (bilanzielle Überschuldung) von rund 4,6 Millionen Euro aus. Da 2021 6 Millionen Euro in die Kapitalrücklage eingestellt wurden, lag die bilanzielle Überschuldung zum 31. Dezember 2021 nicht mehr vor. Die WeGrow Germany GmbH plant laut Prospekt in absehbarer Zeit nicht, Gewinne auszuschütten.


Die Kiribaum-Jungpflanzen vermehrt WeGrow im Labor und in Gewächshäusern. / Foto: WeGrow

Geschäftsbereiche

Die WeGrow Germany GmbH (vormals WeGrow GmbH) wurde 2009 als erstes Unternehmen der WeGrow-Gruppe von dem Agraringenieur Peter Diessenbacher und der Volkswirtin Allin Gasparian gegründet. Der Kiribaum wurde laut Prospekt bislang fast ausschließlich in asiatischen Ländern angebaut und genutzt, Japan gilt neben China weltweit als zweitgrößter Verarbeiter von Kiriholz. In Europa gibt es nach Angaben der Emittentin mittlerweile auch mehrere Anbieter und Verarbeiter von Kiriholz, meist werde das Holz jedoch noch aus asiatischen Ländern importiert. Vorteile bietet das Kiriholz unter anderem aufgrund seines geringen Gewichts und der guten Dämmwerte. Die Emittentin konzentriert sich daher auf das Absatzpotenzial des Kiriholzes insbesondere in folgenden Bereichen: Holzbau (Modulbau und Gebäudeaufstockungen), Mobilität (Caravan- und Wohnmobilindustrie sowie Boots- und Schiffsbau) und nachhaltiges Bauen und Wohnen (Hausfassaden, Saunabänke und Saunabau).

Die WeGrow-Gruppe ist laut Prospekt in den drei Geschäftsbereichen Pflanzenzüchtung und Pflanzenproduktion, Forst- und Agrarwirtschaft sowie Holzverarbeitung und Holzhandel tätig.

Die Züchtung und Kultivierung eigener Kiribaum-Sorten bildet laut Prospekt seit der Unternehmensgründung den Kern der Geschäftstätigkeit der WeGrow-Gruppe. Die Gruppe vermehrt die Kiribaum-Jungpflanzen im Stecklingsverfahren in einem eigenen Produktionslabor sowie in Gewächshäusern. Sie verfügt nach eigenen Angaben über vier eigene, geschützte Kiribaum-Hybridsorten. Der Sortenschutz erstreckt sich laut Prospekt über die 27 EU-Länder sowie für einzelne Sorten über sechs außereuropäische Länder, darunter die USA. Intensivierte Marketing- und Vertriebsmaßnahmen sollen den Umsatz aus dem Pflanzenverkauf steigern. Dies betrifft zum einen die Steigerung des Jungpflanzenabsatzes, zum anderen aber auch die Erschließung weiterer Länder als Exportmärkte. Insbesondere durch den geplanten Eintritt in den US-Markt 2025 soll laut Prospekt in den nächsten fünf Jahren der Umsatz in diesem Geschäftsfeld jährlich im Durchschnitt um bis zu 60 Prozent steigen.

Im Geschäftsbereich Forst- und Agrarwirtschaft bewirtschaftet die WeGrow-Gruppe Kiriholz-Anbauflächen in Deutschland und Spanien, hauptsächlich für Auftraggeber. Bei diesen handelt es sich in erster Linie um vier Vermögensanlagen, die WeGrow zwischen 2010 und 2014 auf den Markt gebracht hat und die im vorigen Jahr zu der Gesellschaft KiriFarm Europa GmbH & Co. KG verschmolzen wurden. Seit 2020 ist die WeGrow-Gruppe laut Prospekt auch in den Bereichen Holzverarbeitung, Schnittholzproduktion und Holzvertrieb tätig. 2023 hat WeGrow nach eigenen Angaben damit begonnen, die ersten Ernten von den selbst gepflanzten und bewirtschafteten Anbauflächen zu verarbeiten und zu vermarkten.

Investitionen

Im Geschäftsjahr 2022 hat die WeGrow-Gruppe laut Prospekt wesentliche Investitionen im Umfang von nur 350.000 Euro vorgenommen, darunter die Erweiterung zweier Bewässerungsanlagen auf Kiriholz-Anbauflächen für 106.000 Euro.

Mit den bis zu 50 Millionen Euro Emissionserlös aus der Kapitalerhöhung im laufenden Aktienangebot sollen wachstumsfördernde Investitionen deutlich ausgeweitet werden. Der Gesamterlös des Angebots hängt allerdings davon ab, wie viele Aktien verkauft werden können sowie davon, wie viele gegen Barleistung gezeichnet werden und wie viele gegen Sacheinlage. Der Erlös könnte auch deutlich geringer als 50 Millionen Euro ausfallen. Den Kommanditisten der KiriFarm Europa GmbH & Co. KG werden die Aktien gegen ihre Kommanditanteile als Sacheinlagen angeboten. Dadurch will die WeGrow-Gruppe den eigenen Bestand an Kiribäumen erhöhen. Den Inhabern von Wachstumsanleihen der Gesellschaften der WeGrow-Gruppe werden die Aktien ebenfalls – in diesem Fall gegen die Anleihen - als Sacheinlagen angeboten, was die Verschuldung der WeGrow-Gruppe senken soll. Das Volumen dieser von WeGrow als Wachstumsanleihen bezeichneten Anleihen beträgt laut Prospekt ca. 20 Millionen Schweizer Franken. Reguläre Laufzeit: bis 2026/2027.

Die WeGrow AG plant laut Prospekt, 30 Prozent des Nettoerlöses aus dem Verkauf der Aktien in den Geschäftsbereich „Pflanzenzüchtung und Pflanzenproduktion“ zu investieren. Hierzu zählen insbesondere Investitionen in Forschung und Entwicklung von neuen Sorten, Produkten und Technologien, in die Ausweitung der internationalen Patent- und Sortenschutzrechte sowie in den Ausbau der Produktionskapazitäten und in Automatisierungstechnologien. Weitere 30 Prozent des Nettoemissionserlöses sollen in den Geschäftsbereich „Forst- und Agrarwirtschaft“ fließen. Hierzu zählen insbesondere Investitionen in den Erwerb von land- und forstwirtschaftlichen Flächen, in den Ausbau der land- und forstwirtschaftlichen Produktion sowie in Zertifizierungen.

Zudem plant die WeGrow AG, 30 Prozent des Nettoemissionserlöses in den Geschäftsbereich „Holzverarbeitung und Holzhandel“ zu investieren. Schließlich sollen 10 Prozent des Nettoemissionserlöses in die Ausweitung der Marketing- und Vertriebsmaßnahmen und der Organisationsinfrastruktur investiert werden, um die internationale Expansion der WeGrow-Gruppe zu fördern.

Risiko


WeGrow bewirtschaftet Kiriholz-Anbauflächen bislang hauptsächlich für Auftraggeber. / Foto: WeGrow

Die WeGrow-Gruppe ist Risiken bei den Entwicklungsarbeiten zur Züchtung neuer und bestehender Baumsorten ausgesetzt. Die Entwicklungsarbeiten könnten laut Prospekt nicht den erhofften Züchtungserfolg erbringen und/oder länger dauern und teurer werden, als derzeit prognostiziert.

Es besteht das Risiko, dass sich beispielsweise durch Sturm, langanhaltende Regen-, Winter- oder Trockenperioden, starken Frost oder durch erheblichen Schädlingsbefall die Holzerträge verringern und/oder die Holzqualitäten mindern. Die Emittentin und ihre Tochtergesellschaften sind laut Prospekt gegen Sturm-, Überschwemmungs- und Feuerschäden versichert, nicht aber gegen andere Naturkatastrophen und auch nicht gegen Diebstahl und Vandalismus.

Der benötigte Pflegeaufwand für Kiriholz-Baumbestände kann höher als angenommen sein. Diese Risiken gelten für Baumbestände der WeGrow-Gruppe, der Bewirtschaftungs-Auftraggeber und auch für Käufer von Kiribaum-Jungpflanzen, was sich negativ auf den Absatz von Kiribaum-Jungpflanzen auswirken könnte.

Der fortschreitende Klimawandel verstärkt das Risiko, dass infolge vermehrter Trockenphasen außerplanmäßig in Bewässerungssysteme für Kiriholz-Plantagen investiert werden muss. Risiken zeigt auch ein Praxisbeispiel: Die 2012 von WeGrow initiierte Vermögensanlage KiriFonds II Deutschland ist laut Lagebericht vom 27. Mai 2022 von trockenen und dürren Jahren betroffen. Zudem wurde laut Lagebericht mittlerweile der Zaun auf allen von Wilddruck betroffenen Flächen mit elektrischen Schutzlitzen aufgerüstet, um das Eindringen von Wild zu verhindern. Gegen Nagetiere geht WeGrow den Angaben zufolge unter anderem mit verstärkter mechanischer Bodenbearbeitung vor. Während des Geschäftsjahres 2021 hat die Geschäftsleitung des Fonds laut Lagebericht entschieden, den Standort Kröpelin (13 Hektar nach Angaben von WeGrow) aufgrund unzureichender wirtschaftlicher Perspektiven aufzugeben.

Die Emittentin ist laut Prospekt von ihren Vorstandsmitgliedern abhängig, die zudem aufgrund ihrer Stellung als Großaktionäre potenziellen Interessenkonflikten unterliegen. Beispielsweise haben die Vorstände ein Interesse an einem hohen Aktien-Angebotspreis und einer hohen Unternehmensbewertung. Die Bewertung der jungen Emittentin in der Geschäftsausbauphase ist mit erheblichen Unwägbarkeiten verbunden. Die beiden Vorstände sind zudem die wichtigsten Schlüsselpersonen der WeGrow-Gruppe. Der Verlust dieser Schlüsselpersonen würde laut Prospekt einen erheblich nachteiligen Einfluss auf die Emittentin haben, da eine aktuell nicht zu schließende Lücke entstünde.

Der Markt für den Kiribaum und das Kiriholz befindet sich laut Prospekt in Europa noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium, in Europa geht es demnach noch um Nischenprodukte. Es besteht das Risiko, dass sich die Nachfrage nach Holz im Allgemeinen und/oder die Nachfrage nach Kiriholz und damit auch die Nachfrage nach Kiribaum-Jungpflanzen nicht nach Plan der Emittentin entwickeln. Daher können die Umsätze niedriger ausfallen als geplant. Solche geringeren Umsätze und Erträge könnten laut Prospekt dazu führen, dass die Emittentin keine Gewinne erwirtschaftet, sondern ihren Geschäftsbetrieb einstellen muss. Dies könnte die Insolvenz des Unternehmens zur Folge haben und dazu führen, dass die Anlegerinnen und Anleger ihr gesamtes investiertes Kapital verlieren.

Stärken

  • WeGrow-Gruppe mit über 13 Jahren Erfahrung
  • Eigene sortenschutzrechtlich geschützte Kiribaum-Sorten könnten höhere Marge bringen
  • Schnell wachsender Kiribaum

Chancen

  • Hohe Holzpreise
  • Steigende Nachfrage

Schwächen

  • Kiribaum-Holz noch Nischenprodukt in Europa
  • Abhängigkeit vom Produkt Kiribaum
  • Verringerte finanzielle Transparenz der Unternehmensgruppe
  • WeGrow Germany GmbH hat bislang meist Verluste erwirtschaftet
  • Potenzial für Interessenkonflikte

Risiken

  • Klimawandel mit zunehmenden Trocken- und Hitzeperioden und Unwettern
  • Wachstumskapitalbedarf der WeGrow-Gruppe


Fazit

Bei einer Aktienneuemission fließt das Kapital der neuen Aktionärinnen und Aktionäre in das Unternehmen. Den Preis für die Aktie erhalten also nicht ehemalige Aktieninhaber, sondern das Unternehmen selbst. Insofern hat eine Neuemission potenziell eine höhere nachhaltige Wirkung als ein üblicher Börsenhandel. Da der Erlös aus dieser Aktienemission insbesondere dem Unternehmenswachstum der WeGrow AG dienen soll, kann er beispielsweise eine ökologische Wirkung entfalten, wenn das produzierte Kiriholz dazu beitragen sollte, den Waldschwund zu verringern und dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Die WeGrow AG ist eine Holding, die keinen Konzernabschluss veröffentlicht hat. Auch aus diesem Grund ist die wirtschaftliche Lage der Gruppe nur sehr eingeschränkt nachzuvollziehen. Daher ist die Transparenz des Aktienangebotes stark verringert. Insbesondere beim Verkauf von Kiribaum-Jungpflanzen plant der Vorstand mit hohen Umsatzsteigerungen in den nächsten Jahren. Allerdings bestehen in der aktuellen Phase der WeGrow-Gruppe erhebliche Risiken, sodass unsicher ist, ob die Gruppe die Gewinnzone erreichen wird.

Zudem ist zu beachten, dass der Aktienkurs mit Beginn der Börsennotierung auch vom gesamtwirtschaftlichen Umfeld abhängen wird. Die Chance, dass der Kurs der Aktie in den ersten Monaten nach Börsennotierung steigt, sieht ECOreporter hier als geringer an als das Risiko, dass der Kurs nach Aufnahme der Börsennotierung sinken wird. Wer diese Aktie in dieser Emissionsphase zeichnet, sollte daher eine tiefe Überzeugung von den Erfolgsaussichten der WeGrow mitbringen, kein Problem mit hohen Anlagerisiken haben, sehr langfristig auf das eingesetzte Kapital verzichten können und in der Lage sein, selbst deutliche Kursverluste verkraften zu können. Vorsichtigeren Anlegerinnen und Anlegern empfiehlt ECOreporter, auf weitere Geschäftszahlen und den Börsengang zu warten. Denn die Chance zum Kauf der Aktien bietet sich natürlich auch noch, wenn sie an der Börse gehandelt werden. Dann bestimmen insbesondere Angebot und Nachfrage den Kurs.

Basisdaten

Anbieterin und Emittentin: WeGrow AG, Düsseldorf
Anlageform: Inhaber-Stückaktien
Emissionsvolumen: bis zu 6 Millionen Aktien
Aktienangebotspreis: 7,65 Euro (bis 30. April 2023), 8,50 Euro (ab 1. Mai 2023)
Mindestzeichnungssumme: 50 Aktien
Prospekt-Billigung: BaFin
Handelbarkeit: Notierungsaufnahme an einer deutschen Börse beabsichtigt
ISIN: DE000A2LQUV1

Verwandte Artikel

03.06.24
 >
24.04.23
 >
29.03.23
 >
29.03.23
 >
31.12.23
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x