Einfach E-Mail-Adresse eintragen und auf "Abschicken" klicken - willkommen!

Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie, Aktien-Favoriten
US-Steuergesetz kommt voran – Windaktienkurse brechen ein
Das umstrittene Steuersenkungs- und Ausgabengesetz von US-Präsident Donald Trump hat eine erste Hürde im US-Senat genommen und kann nun debattiert werden. Weil Subventionskürzungen drohen, ging es gestern für Windkraftaktien abwärts. Solar- und Wasserstoffpapiere konnten hingegen zulegen.
Trumps Republikaner entschieden in der Nacht zum Sonntag das sogenannte Verfahrensvotum mit 51 zu 49 Stimmen knapp für sich. Damit ist der Weg für die eigentliche Debatte in der Kongresskammer frei. Ob das Gesetz tatsächlich angenommen wird, ist aber noch nicht sicher – bei der aktuellen Abstimmung hatten zwei Republikaner dagegen gestimmt, weitere Senatoren zweifeln.
Drohendes Aus für Steuererleichterungen
Trump will das Gesetz, das er als "Big Beautiful Bill" bezeichnet, als "großes schönes Gesetz", bis zum 4. Juli, dem US-Nationalfeiertag, verabschieden. Es ist zentraler Bestandteil seiner Agenda und sieht etwa Steuersenkungen für reiche Amerikaner und höhere Ausgaben für Militär und Grenzschutz vor.
Gegenfinanziert werden sollen die Pläne durch Kürzungen von Sozialleistungen – und die Streichung von Steuererleichterungen etwa für Wind- und Solarenergie. Das hatte vor allem Solaraktien in den letzten Wochen empfindlich getroffen.
Die Demokraten lehnen das Gesetz geschlossen ab, doch auch bei den Republikanern gibt es Abweichler. Grund sind in Trumps Partei weniger soziale Bedenken, sondern dass die Staatsverschuldung durch die neuen Regelungen deutlich steigen würde. Das überparteiliche Haushaltsbüro des US-Kongresses (CBO) schätzt, dass das Gesetz das US-Haushaltsdefizit binnen eines Jahrzehnts um 2,8 Billionen Dollar erhöhen würde.
Das Gesetz wurde daher in den letzten Wochen noch einmal überarbeitet. Sollte der Senat der aktuellen Version grünes Licht geben, müsste der Entwurf auch dem Repräsentantenhaus, der anderen Kongresskammer, noch einmal vorgelegt werden. Das Repräsentantenhaus hat eine frühere Version schon mit knapper Mehrheit verabschiedet, müsste über die geänderte Version aber noch einmal neu abstimmen.
Neuer Streit zwischen Trump und Musk
Unterdessen sorgt das Gesetz erneut für öffentlichen Streit zwischen Trump und seinem ehemaligen Vertrauten Elon Musk. In einer Reihe von Beiträgen auf seinem Kurznachrichtendienst X wütete der Tesla-Chef gegen das Gesetz und brachte die Gründung einer eigenen Partei ins Spiel. Auch Musk kritisiert zu hohe Ausgaben durch das Gesetz und fordert Kürzungen.
Trump schoss zurück und erklärte, ohne US-Subventionen "müsste Elon wahrscheinlich seinen Laden schließen und zurück nach Hause nach Südafrika gehen". Beide Männer hatten sich bereits Anfang Juni eine öffentliche Schlammschlacht geliefert. Zwischenzeitlich hatte Musk erklärt, dass er einige seiner Aussagen bedauere. Er hatte sich unter anderem für eine Amtsenthebung von Trump ausgesprochen.
Warum nach der Entscheidung zur aktuellen Gesetzesversion diesmal Windaktien leiden und Solartitel gewinnen und wozu ECOreporter jetzt rät, lesen Sie im folgenden Premium-Bereich.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Der aktuelle Gesetzentwurf sieht nun auch Kürzungen der Subventionen für Windkraftprojekte an Land (Onshore) vor. Analysten befürchten, dass Projekte, die vor Verabschiedung des Gesetzes nicht begonnen oder nicht bis Ende 2027 abgeschlossen werden können, möglicherweise gestoppt werden müssen.
In der Folge büßten Windaktien im gestrigen Handel spürbar an Wert ein:
- Vestas: -6,5 %
- Ørsted: -5,2 %
- EDP Renováveis: -4,3 %
- Nordex: -3,8 %
Komplexer ist die Lage bei Solaraktien. Zunächst hatte das Gesetz die Streichung von Steuerboni für private Solaranlagen spätestens 2028 vorgesehen, was die Branche empfindlich treffen würde und zu Kurseinbrüchen von bis zu 40 Prozent führte. Zuletzt hatten die Republikaner hier allerdings Nachbesserungen in Aussicht gestellt, was die Kurse teils wieder steigen ließ.
Solaraktien und Wasserstoff im Plus
Tatsächlich werden nach dem neuen Entwurf nun Steuergutschriften etwa für Solar-Leasing-Arrangements beibehalten. Dabei kaufen Kundinnen und Kunden die Solaranlagen auf ihren Dächern nicht, sondern mieten sie. Das ist etwa das Geschäftsmodell des US-Unternehmens Sunrun, das von den Plänen zur Streichung der Förderung am empfindlichsten getroffen wurde.
Der Sunrun-Kurs profitierte daher gestern, auch weitere Kurse stiegen:
- Sunrun: +10,1 %
- First Solar: +8,8 %
- SolarEdge: +3,0 %
Dabei ging es allerdings nicht für alle Solarkurse, die zuvor verloren hatten, nach oben. Der US-Wechselrichterhersteller Enphase Energy konnte etwa anders als der israelische Konkurrent First Solar nicht profitieren. Analysten der Royal Bank of Canada sahen in einem Bericht "gemischte Auswirkungen auf Aktien im Bereich der sauberen Energie mit Solarbezug". Die Stimmung in der Branche bleibt also angespannt.
Gute Neuigkeiten enthält der Gesetzentwurf nach Ansicht von Analysten für Wasserstoffunternehmen. Nach der aktuellen Version sind Brennstoffzellen wieder länger für Steuergutschriften qualifiziert. Auch für die Kurse von Brennstoffzellenherstellern ging es daher gestern aufwärts, am deutlichsten für das Unternehmen Plug Power:
- Plug Power: +28,5 %
- Ballard Power: +8,9 %
- Bloom Energy: +7,8 %
- ITM Power: +3,9 %
- Nel: +3,1 %
ECOreporter sieht im Bereich Wasserstoff hohe Risiken. Gerade bei Plug Power, dem größten Gewinner des gestrigen Handels, rät die Redaktion vom Einstieg ab. Aktuell ist unter den oben genannten Aktien nur Bloom Energy interessant, aber auch hier gibt es Risiken. Lesen Sie dazu unseren aktuellen Überblick zu Wasserstoffaktien.
Was ECOreporter empfiehlt
Bei Wind- und Solaraktien rät ECOreporter zur Geduld. Beide Branchen kämpfen aktuell mit Problemen, die Förderdebatte in den USA ist nur ein Teil davon. Gleichzeitig betrifft diese Debatte auch nicht alle Unternehmen. Analysen zu Aktien aus dem Erneuerbare-Energien-Sektor finden Sie in den jeweils zweiteiligen ECOreporter-Dossiers zu Windaktien und zu Solaraktien.
Langfristig, und das heißt über mehrere Jahre gesehen, kann es für viele Kurse im Bereich Erneuerbare Energien wieder aufwärts gehen. Am schwierigsten ist die Situation bei Sunrun – das Unternehmen hatte aber auch bereits vor Trump schon Probleme. Hier könnte eine Trennung von den Aktien eine Option sein, auch wenn sie weh tut. Die anderen Papiere sollten bereits investierte Anlegerinnen und Anleger halten. Kurzfristig sind im Zuge der US-Debatte weitere Schwankungen zu erwarten.
Ein Lichtblick: 2028 sind in den USA erneut Präsidentschaftswahlen. Unter welchen Bedingungen diese stattfinden werden, ist zwar schwer vorherzusagen. Eigentlich kann zumindest Trump aber nicht mehr kandidieren. Und eine Abwahl der Republikaner könnte wieder freundlichere Bedingungen für Erneuerbare Energien schaffen.