Wi IPP bietet eine weitere nachhaltige Kurzläufer-Anleihe an. / Symbolfoto: Pixabay

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Wi Kurzanleihe 01/23 – eine attraktive Alternative zu Festgeld?

Die Wi IPP GmbH & Co. KG betreibt mittelbar Windkraft- und Solaranlagen. Ab 500 Euro können Anlegerinnen und Anleger Schuldverschreibungen des Unternehmens mit der Bezeichnung  „Wi Kurzanleihe 01/23“ zeichnen. Bei einer Laufzeit von sechs Monaten beträgt der Zinssatz auf ein Jahr hochgerechnet 2,5 Prozent plus eventuellem Bonus von 0,5 Prozent.

Die Platzierung der Anleihe soll laut Wiwin, dem Betreiber der gleichnamigen Internet-Plattform, am Dienstag (24.1.2023) um 12 Uhr starten. Der Platzierungszeitraum beträgt höchstens 24 Stunden. Mit der Wi Kurzanleihe 01/23 reagiert Wiwin nach eigenen Angaben auf zahlreiche Nachfragen aus der Wiwin-Crowd nach kürzeren Laufzeiten.

Emittentin und Anbieterin der nachrangigen tokenbasierten Schuldverschreibungen ist die Wi IPP GmbH & Co. KG aus Gerbach in Rheinland-Pfalz. Die Abkürzung „IPP“ steht für „Independent Power Producer“. Persönlich haftende Gesellschafterin (Komplementärin)  der Emittentin ist die wiwi Beteiligungs GmbH. Diese wird laut den Angebots-Verbraucherinformationen durch ihre Geschäftsführer Matthias Willenbacher und Daniel Thomas Güttinger vertreten. Willenbacher ist auch Chef der Wiwin-Gruppe.

Fokus auf ältere Windkraft- und Solaranlagen

Bei der Emittentin handelt es sich laut Anlagebroschüre (Stand: 17.1.2023) um eine Beteiligungsgesellschaft, die Wind- und Solaranlagen oder Anteile an Betreibergesellschaften von Wind- und Solaranlagen erwirbt, um diese kaufmännisch und technisch zu optimieren und langfristig in ihrem Bestand zu halten. Im Fokus steht Unternehmensangaben zufolge insbesondere der Erwerb von Betreibergesellschaften älterer Anlagen, bei denen konkrete Aussicht auf ein Repowering besteht – also auf den Austausch einer Bestandsanlage durch eine neue, leistungsfähigere Anlage.

Die Wi IPP GmbH & Co. KG ist laut Anlagebroschüre an zehn Betreibergesellschaften in Deutschland beteiligt, die insgesamt 26 Windenergie- und drei Photovoltaikanlagen betreiben.

Die Emittentin und ihre Projektgesellschaften haben bereits mehrere Crowdinvestings zusammen mit Wiwin umgesetzt, im letzten Jahr etwa die Windanleihen Pfälzerbergland & Hunsrück I und II, über die ECOreporter im Rahmen eines Crowd-Tests berichtet hat.

Eignet sich die Wi Kurzanleihe 01/23, um kurzfristig nicht benötigtes Geld sicher zu parken? Welche Aspekte Anlegerinnen und Anleger beachten sollten, erfahren Sie im Premium-Bereich.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Laufzeit und Zins

Das Emissionsvolumen der Wi Kurzanleihe 01/23 beträgt 300.000 Euro. Die Laufzeit der Schuldverschreibungen beginnt gemäß den Anleihebedingungen am 24. Januar 2023 und endet am 23. Juli 2023. Der Zinssatz beträgt 2,5 Prozent pro Jahr. Zudem ist ein variabler Bonuszins von 0,5 Prozent pro Jahr möglich, der von der „Entwicklung des technologiespezifischen Marktwerts für Windkraftanlagen an Land“ abhängig ist.

Hohe Risiken

Bei dem Produkt handelt es sich um nachrangige tokenbasierte Schuldverschreibungen, die mit einer vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre ausgestattet sind. Informationen zu tokenbasierten Wertpapieren und deren Risiken erhalten Sie hier.

Die vorinsolvenzliche Durchsetzungssperre bewirkt laut Basisinformationsblatt (BIB, Datum der Erstellung: 24.1.2023) eine Wesensänderung der Geldhingabe von einer bankgeschäftstypischen Kapitalanlage mit unbedingter Rückzahlungsverpflichtung hin zu einer unternehmerischen Beteiligung mit einer eigenkapitalähnlichen Haftungsfunktion. Die Anlegerinnen und Anleger übernehmen laut BIB ein Risiko, das über das allgemeine Insolvenzausfallrisiko hinausgeht. Die Zahlungsansprüche aus den Schuldverschreibungen können aufgrund der vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre bereits vor Eröffnung eines Insolvenzverfahrens dauerhaft nicht durchsetzbar sein. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.

Bei der Wi IPP GmbH & Co. KG handelt es sich laut Anlagebroschüre um eine Emissionszweckgesellschaft, die aktuell außer der Durchführung von Maßnahmen zur Kapitaleinwerbung und der Weiterleitung des eingeworbenen Kapitals an ihre Tochtergesellschaften kein weiteres Geschäft betreibt, aus dem eventuelle Verluste gedeckt und Zahlungsschwierigkeiten überwunden werden könnten. Der Jahresabschluss der Emittentin für ihr Geschäftsjahr 2021 ist im Unternehmensregister noch nicht veröffentlicht und auf der Internetseite des Unternehmensregisters auch nicht hinterlegt (Stand: 20.1.2023)

Die Wi IPP GmbH & Co. KG kann zahlungsunfähig werden oder in Überschuldung geraten. Dies kann laut Anlagebroschüre insbesondere der Fall sein, wenn die Emittentin geringere Einnahmen und/oder höhere Ausgaben als erwartet zu verzeichnen hat oder eine etwaig erforderliche Anschlussfinanzierung nicht einwerben kann. Eine Insolvenz der Emittentin kann zum Verlust der Einlage und der Zinsen führen, da das Unternehmen keinem Einlagensicherungssystem angehört.

Fazit

Mit einer Zeichnung der Wi Kurzanleihe 01/23 gehen Anlegerinnen und Anleger erhebliche Risiken ein. Um diese genauer einschätzen zu können, müssten sie weitere Informationen über die Emittentin einholen. Aufgrund des noch nicht veröffentlichten Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2021 ist dies aber erschwert und die Transparenz des Anleiheangebots verringert. Zudem müssten Anlegerinnen und Anleger bei einer Zeichnung aufgrund der kurzen Anleihelaufzeit bereits nach wenigen Monaten schon wieder neue Überlegungen anstellen, wie sie ihr Kapital investieren.

Nach Angaben der Plattform Wiwin „bietet die Anlage mit einer Verzinsung von 2,5 Prozent pro Jahr eine attraktive Alternative zu z. B. Festgeldkonten“. Aufgrund des im letzten Jahr deutlich gestiegenen Zinsniveaus gibt es inzwischen aber für Festgeld schon höhere Zinsen. Bei einer Laufzeit von sechs Monaten ist beispielsweise schon ein Festgeld-Zinssatz von 1,5 bis um die 2,0 Prozent bei mehreren deutschen und westeuropäischen Bankinstituten möglich. Für diese Einlagen gelten auch die Regeln der jeweiligen gesetzlichen Einlagensicherung.

Insgesamt ist die mit unternehmerischen Risiken verbundene und nicht besicherte Anleihe nach Einschätzung von ECOreporter zwar ein nachhaltiges Investment, aufgrund des relativ geringen Zinsabstandes aber keine finanziell attraktive Alternative zu Festgeldeinlagen.

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