Die Wi IPP GmbH & Co. KG bietet eine nachhaltige Kurzläufer-Anleihe an. / Symbolfoto: Pixabay

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Wi Kurzanleihe 6M – eine attraktive Alternative zu Festgeld?

Die Wi IPP GmbH & Co. KG betreibt mittelbar Windkraft- und Solaranlagen. Ab 500 Euro können Anlegerinnen und Anleger Schuldverschreibungen des Unternehmens mit der Bezeichnung  „Wi Kurzanleihe 6M“ zeichnen. Bei einer Laufzeit von sechs Monaten beträgt der Zinssatz auf ein Jahr hochgerechnet 2,5 Prozent plus eventuellem Bonus von 0,5 Prozent.

Mit der Wi Kurzanleihe 6M reagiert Wiwin, das die gleichnamige Internet-Plattform betreibt, nach eigenen Angaben auf zahlreiche Nachfragen aus der Wiwin-Crowd nach kürzeren Laufzeiten. Welche Aspekte sollten Anlegerinnen und Anleger beachten?

Emittentin und Anbieterin der nachrangigen tokenbasierten Schuldverschreibungen ist die Wi IPP GmbH & Co. KG aus Gerbach in Rheinland-Pfalz. Die Abkürzung „IPP“ steht für „Independent Power Producer“.

Fokus auf ältere Windkraft- und Solaranlagen

Bei der Emittentin handelt es sich laut Anlagebroschüre (Stand: 29.11.2022) um eine Beteiligungsgesellschaft, die Anteile an Betreibergesellschaften von Wind- und Solarparks erwirbt, um diese kaufmännisch und technisch zu optimieren und langfristig in ihrem Bestand zu halten. Im Fokus steht nach Angaben der Emittentin insbesondere der Erwerb von Betreibergesellschaften älterer Anlagen, bei denen konkrete Aussicht auf ein Repowering bestehe – also auf den Austausch von Bestandsanlagen durch neue, leistungsfähigere Anlagen.

Die  Wi IPP GmbH & Co. KG ist laut Anlagebroschüre an zehn Betreibergesellschaften in Deutschland beteiligt, die insgesamt 25 Windenergie- und drei Photovoltaikanlagen betreiben.

Die Emittentin und deren Projektgesellschaften haben bereits mehrere Crowdinvestings zusammen mit Wiwin umgesetzt. Dazu zählen unter anderem in diesem Jahr die Crowdinvestings Windanleihen Pfälzerbergland & Hunsrück I und II, über die ECOreporter im Rahmen eines Crowd-Tests berichtet hat.

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Laufzeit und Zins

Das Emissionsvolumen der Wi Kurzanleihe 6M beträgt 300.000 Euro. Die Emittentin trägt nach eigenen Angaben im Rahmen des Angebots Vermittlungsgebühren und Anlegerverwaltungskosten von bis zu ca. 30.000 Euro.

Die Laufzeit der Schuldverschreibungen beginnt gemäß den Anleihebedingungen am 6. Dezember 2022 und endet am 5. Juni 2023. Der Zinssatz beträgt 2,50 Prozent pro Jahr. Zudem ist ein variabler Bonuszins von 0,5 Prozent pro Jahr möglich, der von der Entwicklung des technologiespezifischen Marktwerts für Windkraftanlagen an Land abhängig ist.

Hohe Risiken

Bei dem Finanzprodukt handelt es sich um nachrangige tokenbasierte Schuldverschreibungen, die mit einer vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre ausgestattet sind. Informationen zu tokenbasierten Wertpapieren und deren Risiken erhalten Sie hier.

Die vorinsolvenzliche Durchsetzungssperre bewirkt laut Basisinformationsblatt (BIB, Datum: 21.11.2022) eine Wesensänderung des Investments von einer bankgeschäftstypischen Kapitalanlage mit unbedingter Rückzahlungsverpflichtung hin zu einer unternehmerischen Beteiligung mit einer eigenkapitalähnlichen Haftungsfunktion. Die Anlegerinnen und Anleger übernehmen mit den nachrangigen Schuldverschreibungen ein Risiko, das über das allgemeine Insolvenzausfallrisiko hinausgeht. Für sie bedeutet dies laut BIB, dass das von ihnen übernommene Risiko in gewisser Hinsicht sogar über das unternehmerische Risiko eines Gesellschafters hinausgehen kann. Die Zahlungsansprüche aus den Schuldverschreibungen können aufgrund der vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre bereits vor Eröffnung eines Insolvenzverfahrens dauerhaft nicht durchsetzbar sein. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.

Bei der Wi IPP GmbH & Co. KG handelt es sich laut Anlagebroschüre um eine Emissionszweckgesellschaft, die aktuell außer der Durchführung von Maßnahmen zur Kapitaleinwerbung und der Weiterleitung des eingeworbenen Kapitals an ihre Tochtergesellschaften kein weiteres Geschäft betreibt, aus dem eventuelle Verluste gedeckt und Zahlungsschwierigkeiten überwunden werden können. Die Emittentin hat einen Jahresabschluss für ihr Geschäftsjahr 2021 im Unternehmensregister nicht veröffentlicht und dort auch nicht hinterlegt (Stand: 2.12.2022)

Die Emittentin kann zahlungsunfähig werden oder in Überschuldung geraten. Dies kann laut BIB insbesondere der Fall sein, wenn die Emittentin geringere Einnahmen und/oder höhere Ausgaben als erwartet zu verzeichnen hat oder wenn sie eine etwaig erforderliche Anschlussfinanzierung nicht einwerben kann. Die Insolvenz der Emittentin kann zum Verlust der Einlage und der Zinsen führen, da das Unternehmen keinem Einlagensicherungssystem angehört.

Fazit

Mit einer Zeichnung der angebotenen Schuldverschreibungen  „Wi Kurzanleihe 6M“ gehen Anlegerinnen und Anleger erhebliche Risiken ein. Um diese genauer einschätzen zu können, müssten sie weitere Informationen über die Emittentin einholen. Aufgrund des noch nicht veröffentlichten Jahresabschlusses für das Geschäftsjahr 2021 ist dies aber erschwert und die Transparenz des Anleiheangebotes verringert. Zudem müssten Anlegerinnen und Anleger bei einer Zeichnung aufgrund der kurzen Anleihelaufzeit bereits nach wenigen Monaten schon wieder neue Überlegungen anstellen, wie sie das Kapital investieren.

Nach Angaben der Plattform Wiwin „bietet die Anlage mit einer Verzinsung von 2,5 Prozent pro Jahr eine attraktive Alternative zu z. B. Festgeldkonten“. Aufgrund des in diesem Jahr deutlich gestiegenen Zinsniveaus gibt es inzwischen auch für Festgeld schon höhere Zinsen. Bei einer Laufzeit von sechs Monaten ist beispielsweise bereits ein Festgeld-Zinssatz von rund 2,0 Prozent bei mehreren nord- und westeuropäischen Bankinstituten möglich. Für diese Einlagen gelten auch die Regeln der jeweiligen gesetzlichen Einlagensicherung.

Insgesamt ist die mit unternehmerischen Risiken verbundene und nicht besicherte Anleihe nach Einschätzung von ECOreporter zwar ein nachhaltiges Investment, aufgrund des relativ geringen Zinsabstandes aber keine attraktive Alternative zu Festgeldeinlagen.

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