Anleihen / AIF, Crowd-Investment, Crowd-Test

Vytal Crowd Wachstumsfinanzierung 2022 – Anleihe mit 7 % Zins plus Bonus

Einwegverpackungen für Mitnahme- und Lieferessen produzieren viel Müll. Die Vytal Global GmbH bietet ein digitales Mehrwegsystem an, das inzwischen über 3.500 Partner nutzen. Um dieses Netzwerk, den Mitarbeiterstamm und die Zahl der Mehrwegbehälter zu erweitern, bietet das Unternehmen zur Finanzierung eine Anleihe an. Der Zinssatz der digitalen Schuldverschreibungen beträgt 7 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit von rund fünf Jahren. Zudem sind Bonuskomponenten und ein Exitbetrag möglich. Die Mindestzeichnung beträgt 250 Euro. Welche Risiken bestehen?

Anbieterin und Emittentin der nachrangigen tokenbasierten Schuldverschreibungen ist die 2020 gegründete Vytal Global GmbH aus Köln. Das Geschäftsfeld der Emittentin ist laut Unternehmensregistereintrag die Entwicklung, die Beratung und der Vertrieb von nachhaltigen und intelligenten Verpackungslösungen zur Verringerung von Einwegverpackungen und Plastikmüll sowie der dazugehörigen Technologien und Anwendungen.

Hoher und schneller Rücklauf der Mehrwegbehälter

Mit Vytal betreibt Vytal Global nach Angaben der Geschäftsführung die grundlegende Technologieplattform und das „Betriebssystem”, das die effiziente Nutzung von Mehrwegbehältern organisiert. Herzstück ist laut Anlagebroschüre (Stand: November 2022) eine App, mit der Konsumentinnen und Konsumenten bei den gastronomischen Partnerbetrieben ihr Essen in den Vytal-Mehrwegverpackungen erhalten können. Dazu verfügt jeder einzelne Mehrwegbehälter über einen individuellen QR-Code.

Nach Angaben des Unternehmens ist das Vytal-System mit einer Rücklaufquote von über 99 Prozent und einer durchschnittlichen Rückgabe nach weniger als fünf Tagen effizienter als das deutsche Flaschenpfandsystem. Zu den über 3.500 Partnern zählen laut Anlagebroschüre Kantinen, einzelne Restaurants, aber auch Ketten wie KFC, Domino’s Pizza oder burgerme.

Schwerpunkt Deutschland

Angetrieben durch die deutsche Mehrwegangebotspflicht ab Januar 2023 plant die Emittentin ihr hauptsächliches zukünftiges Wachstum weiterhin in Deutschland. Vytal Global ist nach eigenen Angaben mit dem Vytal-System in fast allen deutschen Städten mit über 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern vertreten. 2021 hat das Unternehmen laut Anlagebroschüre seine Präsenz in Österreich und Frankreich etabliert und in diesen ersten beiden Auslandsmärkten inzwischen insgesamt über 200 Partnerbetriebe. Darüber hinaus pilotiert die Emittentin laut Anlagebroschüre ihre Mehrweg-Lösung in Großbritannien, den Niederlanden und Belgien. Außerhalb seiner Kernländer bietet Vytal Global ein Franchise-Konzept an, aktuell in Irland, Norwegen und Israel.

Welche Betriebe sind von der Mehrwegangebotspflicht in Deutschland ausgenommen? Wie nachhaltig ist das Vytal-System? Erwartet das Unternehmen, dass die Anlegerinnen und Anleger schon für das Geschäftsjahr 2023 zusätzlich zum Zins eine Bonuskomponente erhalten? Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Sie im Premium-Bereich.

Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.

Wer ist von der Mehrwegangebotspflicht ausgenommen?

Restaurants, Bistros, Cafés und Lieferdienste, die Take-Away-Essen oder To-Go-Getränke verkaufen, sind laut Anlagebroschüre ab 2023 verpflichtet, Mehrweg als Option anzubieten. Von der Pflicht ausgenommen sind nach Angaben von Vytal Global kleinere Läden, in denen maximal fünf Beschäftigte arbeiten und die eine Ladenfläche von weniger als 80 Quadratmetern haben. Für ein Unternehmen, das kleinere Läden mit jeweils weniger als fünf Beschäftigten betreibt, gilt die Ausnahme demnach nicht, wenn insgesamt mehr als fünf Beschäftigte im Unternehmen arbeiten.

Wie nachhaltig ist das Vytal-System?

Vytal-Behälter sind nach Angaben der Emittentin bereits nach zehn Nutzungen ökologischer als Einwegverpackungen und sparen mit jeder weiteren Nutzung zusätzliche Ressourcen ein. Ein durchschnittlicher Vytal-Behälter kann nach Einschätzung des Unternehmens etwa 200 Mal befüllt und gespült werden, bevor er abgenutzt ist und recycelt werden muss. Im Jahr 2021 konnten so nach Vytal-Angaben knapp 2,3 Millionen Einwegverpackungen eingespart werden.

Gesellschafter und Management der Vytal Global GmbH

Geschäftsführer und Mitgründer der Emittentin sind Dr. Fabian Barthel (Jahrgang 1979) und  Dr. Tim Breker (Jahrgang 1987). Sie und ihr dritter Mitgründer Sven Witthöft haben sich laut Anlagebroschüre als Kollegen in einem großen Strategieberatungsunternehmen kennengelernt. Die Gründer halten laut Anlagebroschüre inzwischen nur noch ca. 38 Prozent an der Emittentin.

Im Rahmen von zwei Kapitalerhöhungen in den Jahren 2021 und 2022 sind mehrere professionelle Investorinnen und Investoren sowie Business Angels eingestiegen,  die laut Anlagebroschüre insgesamt ca. 55 Prozent der Anteile an der Emittentin halten. Die restlichen ca. 7 Prozent entfallen auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Bis zu 3 Millionen Euro Anleihekapital

Das Emissionsvolumen der Anleihe mit der Bezeichnung „Vytal Crowd Wachstumsfinanzierung 2022“ beträgt bis zu 3 Millionen Euro. Die Vermittlungsgebühren und Anlegerverwaltungskosten betragen laut Verbraucherinformation bis zu ca. 276.000 Euro. Die Vermittlung der Schuldverschreibungen erfolgt über die Internet-Plattform wiwin.

Laufzeit und Zins

Die Laufzeit der Anleihe endet am 31. Dezember 2027. Die Emittentin ist aber laut Basisinformationsblatt (BIB, Stand: 8.11.2022) erstmals zum 30. April 2024 berechtigt, die Schuldverschreibungen mit einer Frist von vier Wochen zum Ende eines Kalendermonats zu kündigen.

Die Vorfälligkeitsentschädigung beträgt 50 Prozent der Zinsen, die auf die Anleihe vom Kündigungszeitpunkt bis zum Laufzeitende noch fällig geworden wären. Die variable Bonuskomponente wird bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung nicht berücksichtigt.

Der Zinssatz der Anleihe beträgt 7 Prozent pro Jahr. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, jeweils für die Geschäftsjahre 2023 bis 2027 eine variable Bonuskomponente zu erhalten. Diese ist abhängig vom Gruppenumsatz der Emittentin in einem Geschäftsjahr. Die variable Bonuskomponente beträgt 2 Prozent bei einem Gruppenumsatz von 5 bis weniger als 10 Millionen Euro. Sie kann auf 7 Prozent steigen, wenn der Gruppenumsatz in dem vorherigen Geschäftsjahr mindestens 20 Millionen Euro betragen hat.

Die Emittentin hat laut Anlagebroschüre im Geschäftsjahr 2021 einen Umsatz von ca. 0,8 Millionen Euro erwirtschaftet. Für dieses Jahr plant sie mit ca. 1,2 Millionen Euro. Für das Geschäftsjahr 2023 rechnet die Emittentin laut Anlagebroschüre mit einem globalen Umsatz von ca. 3 Millionen Euro. Dieser soll zum größeren Teil in Deutschland entstehen und überwiegend aus dem Restaurantsegment kommen.

Im Falle eines Exitereignisses bei der Emittentin während der Laufzeit der Anleihe (z. B. Mehrheitsverkauf, Börsengang) haben die Anlegerinnen und Anleger zusätzlich Anspruch auf einen Exitbetrag. Ausführliche Rechenbeispiele für einen Exitbetrag sind in den Anleihebedingungen enthalten.

Hohe Risiken

Bei der Anleihe handelt es sich um nachrangige tokenbasierte Schuldverschreibungen, die mit einer vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre ausgestattet sind. Die Zahlungsansprüche aus den Schuldverschreibungen können aufgrund der vorinsolvenzlichen Durchsetzungssperre bereits vor Eröffnung eines Insolvenzverfahrens dauerhaft nicht durchsetzbar sein, und der Ausschluss dieser Ansprüche kann dauerhaft und für unbegrenzte Zeit wirken. Informationen zu tokenbasierten Wertpapieren und deren Risiken erhalten Sie hier.

Bei der Vytal Global GmbH handelt es sich um ein junges Unternehmen in der riskanten Start-up-Phase. Die Emittentin hat laut ihrem Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2021 einen Jahresfehlbetrag von rund 1,9 Millionen Euro ausgewiesen bei einer Bilanzsumme von rund 2,0 Millionen Euro.

Es besteht das Risiko, dass die Emittentin künftig im Wettbewerb nicht bestehen kann und der geplante Geschäftsausbau nicht erfolgreich ist. Die geschäftlichen Partner der Emittentin sind hauptsächlich deutsche Gastronomiebetriebe. Es ist möglich bis wahrscheinlich, dass beispielsweise Restaurants, Bistros und Cafés in Deutschland infolge der hohen Inflation weniger Gäste haben werden, wenn viele Kundinnen und Kunden ihre nicht notwendigen Ausgaben reduzieren. Dadurch besteht das Risiko, dass auch der Umsatz der Emittentin nicht im geplanten Umfang steigt.

Zudem besteht das Risiko, dass die Kosten für Vytal Global steigen. Die Emittentin ist bei der Beschaffung und Lieferung der Produkte von externen Dienstleistern und Produktionspartnern abhängig. Laut Anlagebroschüre können insbesondere aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage die Preise für Behälterrohstoffe und deren Verfügbarkeit stark schwanken.

Für Anlegerinnen und Anleger besteht ein erhebliches Risiko, ihr bei der Emittentin eingesetztes Kapital zu verlieren.

Verwandte Artikel

03.07.24
 >
18.11.22
 >
16.11.22
 >
15.11.22
 >
24.07.23
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x