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Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie, Aktien-Favoriten
Bis zu 40 % Minus: US-Gesetzentwurf lässt Solaraktien abstürzen
Die US-Regierung könnte bereits in drei Jahren die Förderung für Erneuerbare Energie deutlich zusammenstreichen. Besonders Solaraktien treffen die Pläne hart. Unternehmen wie der ECOreporter-Aktien-Favorit SolarEdge, Enphase Energy und Sunrun stürzten am Dienstag um bis zu 40 Prozent ab.
Das von den Republikanern im US-Senat vorgelegte Steuer- und Ausgabengesetz sieht vor, Steuererleichterungen für Wind- und Solarenergie ab 2028 abzuschaffen. Steuererleichterungen für andere Energiequellen wie etwa Wasserkraft und Geothermie, aber auch Kernenergie, sollen dagegen bis zu ihrem planmäßigen Auslaufen 2036 bestehen bleiben.
Anbieter von Solaranlagen und Wechselrichtern leiden
Der 2022 unter Trumps Vorgänger Joe Biden verabschiedete Inflation Reduction Act (IRA), der den Ausbau von Erneuerbarer Energie mit massiven Mitteln gefördert hat, sieht einen sukzessiven Rückbau der Steuergutschriften erst ab 2032 vor. Nach den neuen Plänen würde die Solarförderung bereits 2026 auf 60 Prozent reduziert und zwei Jahre später ganz eingestellt.
Besonders betroffen ist das Geschäft mit Dachsolaranlagen. Die Streichung betrifft dabei Steuergutschriften für Unternehmen, die etwa Solaranlagen auf Dächern leasen, genauso wie Steuergutschriften für Hausbesitzer, die Solaranlagen kaufen. Einige Marktbeobachter sehen das Geschäft mit privaten Solaranlagen in den USA insgesamt in Gefahr.
Auch bei Herstellern von Solarwechselrichtern ist die Stimmung schlecht – Unternehmen wie SolarEdge, Enphase Energy und SMA Solar aus Deutschland bieten ihre Technologie längst im Paket mit kompletten Solaranlagen samt Speicher und Monitoring-Software an. Außerdem sind Anbieter von privaten Solaranlagen wichtige Abnehmer für Wechselrichter.
Die Verabschiedung der Gesetzespläne im US-Repräsentantenhaus hatte bereits im Mai zu einem Einbruch bei Solaraktien geführt. Nach Vorlage der überarbeiteten Version des Gesetzes stürzten Solartitel am gestrigen Dienstag erneut massiv ab.
Wie stark die einzelnen Unternehmen verloren haben und wie sich Aktionäre jetzt verhalten sollten, lesen Sie im folgenden Premium-Bereich.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
So viel haben Solaraktien gestern an Wert eingebüßt:
- Sunrun (Solaranlagen): -40 %
- SolarEdge (Wechselrichter): -33,4 %
- Enphase Energy (Wechselrichter): -24 %
- First Solar (Solarmodule): -17,9 %
- SMA Solar (Wechselrichter): -8,1 %
- Canadian Solar (Solarmodule): -6,9 %
Auch Windaktien litten unter den US-Plänen, wenn auch weniger stark als Solartitel:
- Ørsted (Windparks): -5,4 %
- Vestas (Windanlagen): -3,5 %
- Nordex (Windanlagen): -2,6 %
- PNE (Windparks): -2,5 %
Das Steuer- und Ausgabengesetz ist ein Kernpunkt in der Agenda von US-Präsident Donald Trump. Die Kürzungen bei den Fördermitteln für Erneuerbare Energie und auch von Sozialleistungen sollen vor allem Steuersenkungen für reiche Amerikaner und höhere Ausgaben für Militär und Grenzschutz gegenfinanzieren.
Gesetz auch bei Republikanern umstritten
Das Gesetz ist aber selbst bei Trumps Republikanern umstritten – weniger aus sozialen Gründen, sondern weil die Kürzungen nicht ausreichen werden, die Ausfälle bei den Steuereinnahmen und die Mehrausgaben auszugleichen. Das überparteiliche Haushaltsbüro des US-Kongresses (CBO) teilte am gestrigen Dienstag mit, dass das Gesetz das Haushaltsdefizit der USA binnen eines Jahrzehnts um 2,8 Billionen Dollar erhöhen würde.
Trump behauptet zwar, dass das Gesetz die US-Wirtschaft stark genug antreiben wird, um einen Abbau der Staatsschulden durch höhere Einnahmen zu ermöglichen. Im Senat gibt es aber auch bei den Republikanern Widerstand gegen die Pläne. Zuletzt hatten sich Trump und sein ehemaliger Vertrauter, der Milliardär und Tesla-Chef Elon Musk, eine öffentliche Schlammschlacht geliefert, deren Auslöser Musks Kritik an dem Gesetzentwurf war.
Die Mehrheit im Repräsentantenhaus für das Gesetz war im Mai sehr knapp ausgefallen. Derzeit beraten die Republikaner im Senat über eine überarbeitete Fassung. Um Gesetz zu werden, müssen sich beide Kongresskammern auf eine gemeinsame Version einigen, die dann Trump vorgelegt werden kann. Der will das Gesetz gern bis zum US-Unabhängigkeitstag, dem 4. Juli, unterzeichnen.
Geduld bleibt meist der beste Ratschlag
Die Situation ist aktuell gerade bei Solarinvestments schwierig, Anlegerinnen und Anleger dürften bei Erneuerbaren Energien bis auf Weiteres einen langen Atem brauchen. Ein Neueinstieg in die oben genannten Solarunternehmen scheint derzeit wenig ratsam. Bei Sunrun, das am meisten unter Druck stehen und schon vorher Probleme hatten, könnte derzeit eine Trennung von den Aktien eine Option sein.
Die anderen Aktien sollten bereits investierte Anlegerinnen und Anleger halten, auch wenn das bedeutet, mögliche weitere Rücksetzer auszusitzen. Ein Lichtblick: 2028 sind in den USA erneut Wahlen. Unter welchen Bedingungen diese stattfinden werden, ist zwar schwer vorherzusagen. Eigentlich kann zumindest Trump aber nicht mehr kandidieren. Und eine Abwahl der Republikaner könnte wieder freundlichere Bedingungen für Erneuerbare Energien schaffen.
Weitere Analysen zu Aktien aus dem Erneuerbare-Energien-Sektor finden Sie in den jeweils zweiteiligen ECOreporter-Dossiers zu Windaktien und zu Solaraktien.