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Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie
Clearvise prüft radikalen Strategiewechsel – möglicher Umbau zum Yieldco
Das Frankfurter Erneuerbare-Energie-Unternehmen Clearvise prüft nach eigener Aussage einen Strategiewechsel und die Auslagerung mehrerer Geschäftsbereiche an seinen größten Aktionär Tion Renewables. Clearvise würde sich dann künftig als sogenanntes Yieldco nur noch auf Stromproduktion und das Ausschütten von Dividenden konzentrieren.
Im Zuge des Strategiewechsels prüft Clearvise nach eigenen Angaben ein teilweises oder vollständiges Outsourcing operativer Geschäftsbereiche an das bayerische Grünstromunternehmen Tion Renewables. Konkret dürfte das wohl bedeuten, dass insbesondere die Entwicklung und -finanzierung neuer Projekte den Besitzer wechseln würde.
Clearvise und Tion – eine Beziehung mit Vergangenheit
Explizit nicht betroffen ist der operative Betrieb der bestehenden Projekte. Diese würden im Besitz von Clearvise künftig weiter Umsätze generieren, die die Zahlung hoher Dividenden ermöglichen. Künftig läge das operative Geschäft dann bei Tion, während Clearvise die Rolle eines Yieldcos einnehmen würde.
Yieldcos sind vor allem aus dem angelsächsischen Raum bekannte Unternehmen, die sich allein auf die Stromproduktion oder den Besitz von Anlagen konzentrieren und einen großen Teil ihrer Gewinne an die Aktionärinnen und Aktionäre ausschütten. Mehr dazu lesen Sie im ECOreporter-Dossier Grüner Strom und hohe Dividenden: Welche Yieldco-Aktien eine gute Idee sind.
Lesen Sie hier die zweiteiligen ECOreporter-Übersichten zu Windaktien und zu Solaraktien.
Mehr zur Geschichte zwischen Clearvise und Tion, das einst selbst ein Yieldco sein und Clearvise alle Anlagen abkaufen wollte, erfahren Sie im Premium-Bereich. Außerdem finden Sie dort eine aktuelle Einschätzung der Clearvise-Aktie.
Der folgende Premium-Inhalt ist aufgrund des Artikelalters nun frei verfügbar.
Clearvise erhofft sich durch den Schritt "deutliche Kostenvorteile" und weniger operative Risiken. Zusammen mit den zur Debatte stehenden Geschäftsteilen würden auch Mitarbeiter zu Tion wechseln. Auf oberster Ebene beginnt der Transfer bereits: Clearvise-Finanzvorstand Manuel Sieth wird mit Wirkung zum 1. Oktober 2025 in die Geschäftsführung der Tion Renewables GmbH wechseln.
Clearvise betont in seiner Mitteilung dennoch, der Prozess befinde sich in einer "frühen Prüfungsphase". Konkrete Entscheidungen, insbesondere zur tatsächlichen Umsetzung sowie zu strukturellen und personellen Auswirkungen, seien noch nicht getroffen worden. Man werde "den Kapitalmarkt entsprechend der gesetzlichen Vorgaben über die weiteren Entwicklungen informieren".
Tion und Clearvise verbindet dabei einiges an Geschichte. Tion Renewables hieß ursprünglich Pacifico Renewables Yield – und hatte nach eigener Aussage einst selbst vor, zum ersten deutschen Yieldco zu werden. Tatsächlich hat das Unternehmen nie Gewinne ausgeschüttet, stattdessen wurde es überraschend durch die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT aufgekauft und im vergangenen Jahr von der Börse genommen.
Unmittelbar vor der Übernahme durch EQT hatten Tion und Clearvise eigentlich einen vielbeachteten Deal geschlossen: Tion sollte den kompletten Anlagenbestand von Clearvise übernehmen. Mit Tions Aufkauf durch EQT platzte das Geschäft, was für schlechte Stimmung zwischen den Unternehmen sorgte. ECOreporter berichtete damals hier.
Tion war allerdings auch größter Einzelaktionär von Clearvise, der Anteil von 25 Prozent an de Frankfurtern ging damals ebenfalls an EQT. Im Zuge dessen gab es immer wieder Spekulationen, die Schweden könnten auch Clearvise schlucken. Inzwischen hat EQT die Anteileformal wieder an seine Tochter Tion übertragen – die sich als beherrschende Kraft bei Clearvise sehen.
Anlegerinnen und Anleger sollten abwarten
Im Xetra-Handel ist die Clearvise-Aktie als Reaktion auf die Nachricht aktuell 9,7 Prozent im Plus zum Vortag und kostet 1,69 Euro (Stand: 12.8.2025, 10:31 Uhr). Auf Monatssicht ist die Aktie 11,9 Prozent im Plus, im Jahresvergleich gab sie 10,6 Prozent nach.
Clearvise ist es zuletzt gelungen sein Anlagenportfolio auch dank regionaler Partnerschaften auszubauen und neue Märkte zu eröffnen. Für das Geschäftsjahr 2024 wird das Unternehmen erstmals eine Dividende von 0,06 Euro je Aktie zahlen. Beim aktuellen Kurs ergibt das eine gute Dividendenrendite von 3,6 Prozent.
Der mögliche Geschäftsumbau schafft aber erhebliche Unsicherheiten, insbesondere wenn man die bewegte Geschichte zwischen Clearvise und Tion betrachtet. ECOreporter rät defensiven Anlegerinnen und Anlegern die weitere Entwicklung der Pläne abzuwarten.
Clearvise AG:
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