Produktionsanlage des chinesischen Solarmodul-Weltmarktführers Jinko Solar. / Foto: Jinko Solar

  Nachhaltige Aktien, Erneuerbare Energie, Meldungen

Denkfabrik rät von Solarsubventionen und Strafzöllen in Europa ab

Die europäische Solarindustrie fordert von der EU schon seit geraumer Zeit Fördermaßnahmen, um gegen die günstige Konkurrenz aus China bestehen zu können. Der Brüsseler Thinktank Bruegel hält das für keine gute Idee.

Die Ausgangslage ist klar: In Europa werden derzeit fast ausschließlich Solarmodule installiert, die aus China kommen und dort deutlich günstiger hergestellt werden können als hierzulande. Weil die Produktionskapazitäten in China mittlerweile viel größer sind als der nationale Bedarf, flutet das Land den Weltmarkt mit Modulen, die teilweise unter Herstellungskosten abgegeben werden, um sie überhaupt loszuwerden (ECOreporter berichtete hier). Die wenigen noch verbliebenen europäischen Modulhersteller wie Meyer Burger fordern deshalb Unterstützung aus der Politik, etwa durch Subventionszahlungen oder Strafzölle auf chinesische Solarmodule.

Strafzölle gab es schon vor zehn Jahren

Drei Wissenschaftler der Denkfabrik Bruegel sprechen sich gegen solche Maßnahmen aus. In einem Gastbeitrag auf „Zeit Online“ schreiben sie, die EU hätte bereits von 2013 bis 2018 hohe Zölle auf chinesische Module verhängt, ohne dass dadurch die europäische Solarbranche gewachsen sei. Aktuell wäre zudem ein Ausbau der hiesigen Solarindustrie gar nicht sinnvoll, da der Markt stark überversorgt sei. Die meisten Arbeitsplätze gebe es ohnehin im Installationsbereich und nicht in der Modulherstellung.

Um unabhängiger von der chinesischen Marktmacht zu werden, schlagen die Bruegel-Experten das Vorhalten strategischer Vorräte an Solarmodulen vor. Die derzeitigen, ganz ohne staatliche Eingriffe entstandenen Lagerbestände in Europa würden bereits ausreichen, um ein Jahr lang ohne weitere Importe auszukommen. Zusätzliche Kapazitäten könnten durch verstärktes Recycling alter Solaranlagen gewonnen werden – auch aus ökologischer Sicht eine sinnvolle Alternative.

Versuche, Chinas Vormachtstellung in der Massenfertigung zu brechen, halten die Wissenschaftler nicht für Erfolg versprechend, da die Produktionsbedingungen in China besser seien. Sinnvoller finden es die Forscher, neue innovative Produkte zu entwickeln, um sich bei der nächsten Generation von Solarzellen höhere Marktanteile zu sichern. Hierbei könnten auch gezielte Subventionen helfen.

Lesen Sie auch das ECOreporter-Dossier Das sind die besten Solaraktien – wo sich jetzt der Einstieg lohnt.

Verwandte Artikel

13.02.24
 >
09.02.24
 >
01.02.24
 >
18.01.24
 >
15.12.22
 >
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x