Firmen, die grüne Kraftwerke bauen, brauchen für gewöhnlich viel Fremdkapital. Das ist deutlich teurer geworden. / Foto: Energiekontor

  Aktien-Favoriten, Anleihen / AIF

Energiekontor: Wie riskant ist die hohe Verschuldung?

In Zeiten steigender Zinsen wird es für Unternehmen teurer, neues Geld aufzunehmen. Betroffen davon sind auch Erneuerbare-Energien-Projektierer, die mit Fremdkapital ihre nächsten Wind- oder Solarparks finanzieren.

Jahrelang war es kein Problem, frisches Kapital zu erhalten: Anleihen konnten im Null-Zins-Umfeld niedrig verzinst angeboten werden, auch Bankkredite hatten günstige Konditionen. Seit die Notenbanken die Leitzinsen anheben, ist es mit diesen paradiesischen Zuständen aber vorbei. Nach Angaben des „Handelsblatts“, das sich auf Daten der Bundesbank stützt, haben sich die Zinsen für Unternehmensanleihen in Deutschland in den letzten etwa zwölf Monaten auf 4,3 Prozent versechsfacht.

Darunter leiden unter anderem Grünstrom-Projektierer, deren Geschäftsmodell traditionell einen hohen Fremdfinanzierungsanteil vorsieht. Laut „Handelsblatt“ gehört etwa der Bremer Erneuerbaren-Konzern Energiekontor zu den fünf deutschen Aktiengesellschaften aus den Dax-Indizes mit dem schwächsten Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital.

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Berechnungen des Datendienstleisters Bloomberg zufolge ist die Nettoverschuldung bei Energiekontor 3,7 Mal so hoch wie das Eigenkapital. Zur Berechnung der Nettoverschuldung werden von den Gesamtschulden die liquiden Finanzmittel abzogen. Andere grüne Projektierer wie PNE oder Encavis sind ebenfalls stark fremdfinanziert, bei ihnen liegt die Nettoverschuldung aber nur beim 1,6- bis 1,8-fachen des Eigenkapitals.

Was heißt das jetzt für Anlegerinnen und Anleger, die Aktien oder Anleihen von Energiekontor halten? ECOreporter hat sich die Halbjahresbilanz 2022 des Unternehmens angesehen. Zum 30. Juni hatte Energiekontor Finanzverbindlichkeiten von 400 Millionen Euro. Dem gegenüber standen Sachanlagen (vor allem die Wind- und Solarkraftwerke) mit einem Wert von knapp 240 Millionen Euro, Vorräte (fast 200 Millionen Euro) und 86 Millionen Euro Zahlungsmittel. Die Eigenkapitalquote liegt bei 15 Prozent. Bilanziell ist der Konzern damit im Branchenvergleich weiterhin akzeptabel kapitalisiert.

Hohe Strompreise, aber auch hoher Finanzbedarf

Allerdings dürften die nächsten Jahre für das Management herausfordernd werden. Beispielsweise müssen 2023 die Stufenzinsanleihen VII und VIII mit einem Gesamtvolumen von mehr als 30 Millionen Euro zurückgezahlt werden. Dazu werden möglicherweise teure Anschlussfinanzierungen nötig sein. Was für Energiekontor spricht: Der Konzern profitiert mit seinen Wind- und Solarparks im Eigenbestand derzeit von den sehr hohen Strompreisen, auch wenn der geplante Strompreisdeckel die Gewinne etwas begrenzen dürfte.

ECOreporter sieht Energiekontor weiterhin solide aufgestellt. Die Aktie und die Anleihen sind allerdings keine Selbstläufer mehr wie in der Vergangenheit, die Risiken steigen durch die Zinswende.

Die Redaktion rät derzeit nur risikobereiten Anlegerinnen und Anlegern mit langem Investitionshorizont zu einem Einstieg in die Energiekontor-Aktie. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2022 liegt bei 27 – kein günstiger Wert. Am gestrigen Montag stand der Aktienkurs im Xetra-Handel bei 86,10 Euro (24.10.2022, 13:02 Uhr) und notierte damit trotz leichter Verluste in der letzten Woche weiterhin auf historisch hohem Niveau.

Energiekontor ist eine ECOreporter-Favoriten-Aktie aus der Kategorie Grüne Spezialwerte. Ein Porträt des Unternehmens finden Sie hier.

Aktuell bietet das Unternehmen seine Stufenzinsanleihe XIV an. ECOreporter hat die Anleihe hier ausführlich getestet.

Eine Analyse der Energiekontor-Unternehmensanleihe 2022 finden Sie hier.

Lesen Sie auch: Die besten Windaktien – wo sich jetzt der Einstieg lohnt.

Energiekontor AG:  ISIN DE0005313506 / WKN 531350

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